Diskussionsobjekt beim Pferdemarkt Wird Cohns Schiff jetzt verkauft?

Die MS Leonberg II war auch Motiv während des Pferdemarkt-Umzugs, hier der Beitrag des Kirbevereins Eltingen. Foto: Archiv/S. Granville

Die „MS Leonberg II“ hat wieder in einer Scheune angelegt. Die Stadt prüft jetzt die Anfrage zweier Interessenten und erläutert die Kosten des voluminösen Paradewagens.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Die MS Leonberg II hat erst einmal ausgedient. Nach ihrem Einsatz beim Pferdemarkt wurde sie in jene Scheune jenseits der Stadtgrenzen zurückgebracht, in der sie schon vor dem großen Fest für ihre Leonberger Jungfernfahrt vorbereitet wurde. Wie lange sie dort bleibt, ist unklar. Zwei Kaufinteressenten, so sagt der städtische Pressesprecher Sebastian Küster auf Anfrage, gebe es:  „Die Anfragen werden nun geprüft und gegebenenfalls anschließend über sie verhandelt.“

 

Ob bei einem möglichen Weiterverkauf des acht Meter langen und vier Meter hohen Modellschiffs, auf das 30 Menschen passen, wieder jene 11 000 Euro erzielt werden, die Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) im vergangenen Jahr mit der hessischen Fastnachtsgruppe „Issgemer Buben“ ausgehandelt hatte, muss sich zeigen. Dort, in der Stadt Bruchköbel in der Nähe von Hanau, war das Schiff im Februar 2023 beim Umzug unterwegs. Cohn war dank eines privaten Kontaktes auf das voluminöse Gefährt aufmerksam geworden und hatte es schließlich für die Stadt Leonberg gekauft.

Nach einem recht mühsamen Transport von Bruchköbel nach Leonberg wurde in den vergangenen Wochen die einstige Titanic, die bei den „Issgemer Buben“ tatsächlich unter diesem Namen unterwegs war, in eingangs erwähnter Scheune für den Pferdemarkt umgerüstet. Die Umbauarbeiten fanden, so betont die Stadt „auf ehrenamtlicher Basis“ statt, und zwar von Feuerwehrleuten und Beschäftigten der Stadtverwaltung „mit handwerklichem Geschick“.

Allein schon der Trailer, also der Anhänger, auf dem das Schiff transportiert wird, habe einen Gegenwert von 8000 Euro. Ein Werbebanner der Firma „Neckar Käpt’n“ habe zudem eine Einnahme von 1000 Euro gebracht. Außerdem erhielten engagierte Schülerinnen und Schüler, die während des Umzugs an Bord sein durften, vergünstigte Eintrittskarten bei dem Transportunternehmen, das Rundfahrten auf dem Neckar, aber auch Party- und Eventtouren anbietet.

Schließlich weist die Stadtverwaltung darauf hin, dass die „MS Leonberg II“ am Pferdemarktdienstag als Tribüne für die Ehrengäste statt der sonst üblichen separaten Bühne gedient hätte. Tatsächlich war die Bühne auf dem Marktplatz beim Umzug verschwunden. Zur Eröffnung am Freitag zuvor hatte sie indes noch am angestammten Platz gestanden.

Mit den Erklärungen zu den Kosten reagiert die Stadt Leonberg auf die öffentliche Kritik am Kaufpreis für das Schiff, der aus dem Etat des Kulturamtes bezahlt wird. Im Gemeinderat war Unmut auf gekommen, weil der OB den Deal mit den „Issgemer Buben“ ohne Kenntnis des Gremiums abgeschlossen hatte. Formal muss er das nicht.

Während des Umzugs sind in den Wägen des Kirbevereins Eltingen, der Freien Wähler und der CDU Motive von der Titanic und dem Eisberg verwendet worden.

Auffällig war, dass Mitglieder des Gemeinderates, von denen sonst etliche auf die Tribüne kommen, und auch andere Stammgäste diesmal nicht zu sehen waren. Die Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Widmaier und der Ersten Beigeordnete Martin Killinger winkten den Zugteilnehmern von unten zu. Allerdings war der Zugang an Deck nur mit einer eingangs angefertigten Bordkarte möglich, die offenbar nur an ein handverlesenes Publikum ausgegeben wurde.

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