Netze-BW-Chef Müller Interne Mail erhellt Abgang von EnBW-Chef

Auf dem Absprung: Netze-BW-Chef Christoph Müller Foto: Netze BW

Mit Differenzen über die Strategie begründete die EnBW den Rückzug von Andreas Schell. Ein zentraler Streitpunkt war das Gasgeschäft. Dazu äußert sich nun ein hochrangiger Manager.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Wollte der überraschend zurückgetretene Vorstandschef Andreas Schell aus dem Gasgeschäft komplett aussteigen und die EnBW zu einem reinen Stromkonzern machen? Inoffizielle Informationen aus dem Unternehmen, nach denen dies ein zentraler Streitpunkt zwischen Schell und dem Aufsichtsrat war, werden jetzt durch die Rundmail eines hochrangigen Managers erhärtet. Der Chef des Verteilnetzbetreibers Netze BW, Christoph Müller, betont darin vehement die Bedeutung des Gasgeschäfts für die EnBW. Vor allem in der Zusammenarbeit mit den Kommunen sei dieses unerlässlich.

 

Der Aufsichtsrat hatte die Trennung von Schell mit Differenzen in „entscheidenden Fragen der strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens“ begründet. Müller war seiner Mail zufolge zum Thema Verteilnetze „direkter Teilnehmer der Diskussion“ mit dem Kontrollgremium. Dort habe Einigkeit geherrscht, dass die von Netze BW betriebenen Verteilnetze – für Strom und eben auch Gas – „zentraler Baustein“ der EnBW-Strategie seien. „Das war nicht kontrovers und wurde von allen so gesehen.“

„Kommunen beim Gas nicht alleine lassen“

Für fast 600 Kommunen wolle die EnBW ein „guter Partner“ in der Energiewende sein, schreibt Müller. Ein solcher kümmere sich „nicht nur um die schönen Dinge, sondern ist auch bei schwierigen Themen zur Stelle“. Er könne sich nicht vorstellen, einer Bürgermeisterin oder einem Bürgermeister zu sagen: „Ihr Stromnetz möchten wir schon gerne weiterbetreiben! Aber das Thema Gas ist uns nicht zukunftssicher genug – mit Ihrem Gas gehen Sie doch besser mal zu einem anderen Netzbetreiber.“ Einen solchen Satz werde man von der EnBW nie hören. „Dort, wo wir eine Stromkonzession haben bzw. neu hinzugewinnen können, werden wir die Kommune auch bei der Herausforderung des Gasnetzes nicht alleine lassen“, bekräftigt der Netze-BW-Chef.

Der promovierte Volkswirt ist seit fast 25 Jahren bei der EnBW und war dort in verschiedenen Bereichen tätig. Vor Schell hat er dort vier Vorstandschefs erlebt, Gerhard Goll, Utz Claassen, Hans-Peter Villis und Frank Mastiaux. „Jeder hat das Unternehmen auf seine Weise geprägt und verändert“, schreibt er neutral. Der „klare Schritt“ Schells sei auch für ihn überraschend gekommen. Er sei sicher, dass sich mit dem neuen Chef Georg Stamatelopoulos „für die EnBW gute Entwicklungen ergeben werden“.

Auch Müller verlässt die Netze BW im Sommer und geht zum Übertragungsnetzbetreiber Amprion; dort wird er Anfang 2025 Vorstandschef. Der Manager wurde im EnBW-Konzern hoch geschätzt, sein Weggang gilt allenthalben als Verlust.

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