Teure Brücke oder Ampel, die den Verkehr auf einer Umgehungsstraße aufhält? Die Entscheidung ist eher ein Detail in der Gesamtplanung der Umfahrung für den Ditzinger Ortsteil Heimerdingen – aber es zeigt sich dort beispielhaft, wie die prosperierende Region Stuttgart Einfluss hat auf die gewachsenen Strukturen der Region.
Um die Heimerdinger vom Durchgangsverkehr zu entlasten, soll eine Umfahrung gebaut werden. Der Trassenverlauf wurde vor rund anderthalb Jahrzehnten beschlossen. Seitdem wird im Detail geplant und parallel auf Zustimmung des Landes gewartet. Das Land Baden-Württemberg finanziert die Trasse – wie viele andere Ortsumfahrungen im Land – und muss dafür die Gelder freigeben. Derzeit bereitet das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart die Ausschreibung der ersten Bauarbeiten vor, konkret für den Kreisverkehr an der Feuerbacher Straße.
Die Stadt hatte geplant, die Pläne waren mit dem Planungsreferat des Regierungspräsidiums Stuttgart abgestimmt worden. Für die Ausschreibung und damit das Einholen der Angebote ist allerdings ein anderes RP-internes Referat verantwortlich. Und dort wurden Zweifel laut, konkret „sicherheitsrelevante Bedenken an der Einmündung des Höfinger Wegs“. Der ursprünglichen Planung wurde eine Absage erteilt und den Ditzingern eine Ampel geregelte Kreuzung vorgelegt. Begründet wurde dies laut den Ditzingern unter anderem damit, dass vor allem Lastwagen sehr langsam auf die Umfahrung einfahren würden. Die Ditzinger Verwaltung erarbeitete daraufhin die Alternative mit einem Brückenbauwerk – laut dem Bauamtsleiter in Kooperation mit dem Regierungspräsidium.
Der Heimerdinger Ortsvorsteher Bernhard Arzt (Freie Wähler) wurde angesichts des Verlaufs in der Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt deutlich: „Das Regierungspräsidium stellt uns vor vollendete Tatsachen.“ Die neuen Planungen seien überraschend gekommen, die Landwirtschaft sei darüber „nicht sehr erfreut“ gewesen. Umso mehr dankte Arzt der Verwaltung, die eine Alternative zu den Plänen des Regierungspräsidiums vorgeschlagen hatte. Sowohl der Ausschuss vergangene Woche, als auch am Dienstag der Gemeinderat, folgten mehrheitlich dem Verwaltungsvorschlag.
Vor allem aus den Reihen der Christdemokraten war Skepsis an dem alternativen Brückenbauwerk laut geworden. Man wolle „nicht den mindesten Anlass gebeten, das Projekt zum Stolpern zu bringen“, hatte etwa Christian Rombold im vorberatenden Ausschuss gesagt. Zumal für die Alternative zusätzliche Fläche benötigt werde, was mit rund einer Million Euro zu Buche schlage – Geld, das Ditzingen aufzubringen hat.
Grundsätzlich wird die mehrere Kilometer lange Trasse von der Stadt geplant und vom Land finanziert. Damit die Ampel-Lösung verhindert wird, muss die Stadt Fristen wahren. „Bis 30. März muss sicher sein, dass wir diese Flächen bekommen“, sagte der Bürgermeister Ulrich Bahmer (CDU) über den Zeitplan. Andernfalls baue das Regierungspräsidium nach den eigenen Plänen. Die Brückenlösung sei mit dem RP gemeinsam entwickelt worden, so die Verwaltung, das Gesamtprojekt würde damit nicht gefährdet. Zudem hat man laut Bahmer den klaren Hinweis vom RP erhalten, dass die Ortsumfahrung gebaut werde.
Seit Jahrzehnten verfolgt die Stadt das Ziel, den Ortsteil Heimerdingen vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Nach Hirschlanden und Schöckingen ist dies dritte – und damit letzte – Umfahrung, die in Ditzingen umgesetzt werden soll.
Städtebaulich steht dahinter die Überlegung des Gemeinderats, die Ortsmitten der einstmals eigenständigen Gemeinden zu entlasten und damit die Wohn- und Aufenthaltsqualität zu steigern.
Entsprechend den gewachsenen Strukturen sind auch die Durchfahrtsstraßen vergleichsweise schmal – keineswegs gemacht für den Schwerlastverkehr und auch nicht für die Menge an Autos, die sich zum Beispiel dann durchquält, wenn rund um das Leonberger Autobahndreieck kein Durchkommen mehr ist. Die Heimerdinger berichten seit Jahren von gefährlichen Situationen, etwa wenn Mütter mit Kinderwagen dicht an der Hauswand laufen, weil der Sattelzug auf den Bürgersteig ausweichen muss, um nicht in den Gegenverkehr zu geraten.