Doppelbelastung: Schwimmen und Schule Kim Herkle: Hochleistungssport mit Schlafeinbußen

Kim Herkle  aus Oeffingen sieht zukunftsweisenden Wettkämpfen entgegen. Foto: Mirko Seifert
Kim Herkle aus Oeffingen sieht zukunftsweisenden Wettkämpfen entgegen. Foto: Mirko Seifert

Wie die Oeffinger Schwimmerin Kim Herkle in Heidelberg Abiturvorbereitung und Topleistungen im Wasser kombiniert. „Ich bin ein organisierter Mensch“, sagt die 18-Jährige.

Rems-Murr: Thomas Rennet (ren)
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Oeffingen/Heidelberg - Kim Herkle war vor wenigen Tagen erstmals nach vielen Wochen wieder zu Hause in Oeffingen. „Ein bisschen Ruhe“ wollten die Eltern, so berichtet der Vater Ralf Schaaf, der Tochter zukommen lassen: „Denn wir fragen uns schon, wie sie das alles hinbekommt.“ Kim Herkle verbindet gerade Leistungskurse und Leistungssport, Oberstufe hier wie da. Am Dienstagmorgen zum Beispiel bewältigte die 18-Jährige mit Bravour eine mündliche Biologie-Prüfung. Nachmittags legte sie am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar in Heidelberg ihr gewaltiges Pensum im Kraftraum und im Wasser zurück.

Die Schule fordert sie in diesen Monaten mehr noch als sonst, im Mai stehen die schriftlichen Abiturprüfungen bevor. Und zu den Anforderungen am Helmholtz-Gymnasium beschäftigt sie eben ein weiteres Hauptfach in zeit- und kräftezehrender Weise: Kim Herkle ist auch als deutsche Topschwimmerin auf gute Ergebnisse aus, zumal in diesem April. Von Samstag an füllen in rascher Folge Qualifikationswettkämpfe den Terminkalender. Nur Klassezeiten bis zum 18. April ermöglichen die Teilnahme an den Europameisterschaften im Mai in der ungarischen Hauptstadt Budapest oder darüber hinaus an den Olympischen Spielen, vom 23. Juli bis zum 8. August in der japanischen Kapitale Tokio vorgesehen. Kim Herkle strebt nächstes Wochenende an vertrauter Wirkungsstätte in Heidelberg aufs Neue – und zukunftsweisende – Klassezeiten an.

Kim Herkle bereitet sich auf Qualifikationswettkämpfe vor

Die mehrmalige deutsche Nachwuchsmeisterin, seit September 2019 am Olympiastützpunkt in Heidelberg, hat sich zuletzt trotz der Doppelbelastung enorm gesteigert. Anfang Februar, bei einem Golden-Tour-Meeting des französischen Verbands in Nizza, schlug sie in ihrer Paradedisziplin über die 200 Meter Brust bereits nach 2:27,51 Minuten am Beckenrand an. Mitte März verbesserte Kim Herkle sich bei einem Einladungsschwimmfest in Heidelberg zunächst auf 2:27,12 und danach gar auf 2:26,04 Minuten, damit korrigierte sie zweimal auch die deutsche Rekordmarke bei den 18-Jährigen. Die Olympianorm allerdings ist noch einmal eine andere, fast schon grotesk hohe Hausnummer: 2:24,90 Minuten. Den deutschen Rekord der Frauen, das nur zum Vergleich, hält Jessica Steiger mit 2:25,00 Minuten.

Kim Herkle schaut deshalb zunächst einmal zu den kontinentalen Titelkämpfen, für die sie sich auch über die 200 Meter Lagen wieder empfehlen will. Die Olympischen Spiele hatte sie erst für das Jahr 2024, in Paris, im Plan. Jetzt ist sie unter der Anleitung des Trainer Alexander Kreisel schon näher dran am großen Ziel als erwartet. „Ich fühle mich wohl in Heidelberg. Es passt auch menschlich“, sagt Kim Herkle. Und wie sie den Hochleistungsalltag hinbekommt in Kombination mit dem Finale in der Schule? „Ich bin ein organisierter Mensch“, sagt die 18-Jährige. Dennoch kann sie in diesen Monaten späte Lernstunden und Schlafeinbußen nicht vermeiden. In der Nacht von Montag auf Dienstag, vor der mündlichen Biologie-Prüfung, saß Kim Herkle bis kurz nach Mitternacht über den Büchern.




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