InterviewDoris Dörrie Die Mentalität der Japaner ist anders

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Atomkraftwerke gehen in Japan wieder ans Netz. Warum ist der Widerstand dort gegen die Atomkraft so gering?
Am Jahrestag der Katastrophe gibt es in jedem Jahr eine große Demonstration in Tokio. Das durchschnittliche Alter der Teilnehmer liegt nach meiner Einschätzung bei 75 Jahren. Die jungen Menschen demonstrieren überhaupt nicht dagegen, und engagieren sich auch nicht gegen Atomkraft. Das hat damit zu tun, dass in Japan keine Kultur des demokratischen Widerstandes existiert. Es gab kein Brokdorf und es gab nie eine Bewegung dagegen.
Warum protestieren die Jugendlichen nicht?
Ich habe die jungen Japaner in unserem Team auch immer wieder gefragt. Und die haben sehr offen gesagt: Na ja, wenn ich mich jetzt engagieren würde gegen Atomkraft, wäre das schon sehr verlogen. Denn eigentlich will ich nur, dass mein Computer läuft und dafür brauche ich Storm.
Eigentlich unfassbar in einem Land, dessen Menschen die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki erlebt haben.
Die meisten Japaner unterteilen in böse und gute Atomenergie. Die Atombomben stehen für die böse Kernenergie, dagegen erzeugen Atomkraftwerke ihrer Meinung nach saubere und damit gute Kernenergie.
Inwieweit hat der mangelnde Widerstand in der Gesellschaft mit der Mentalität der Japaner zu tun?
Es gibt vielleicht in der japanischen Kultur eine größere Bereitschaft, Dinge zu akzeptieren und zu erdulden. Es hat in der Geschichte dieses Landes immer wieder große Naturkatastrophen gegeben. Die Japaner leben ständig mit der Gefahr von Erdbeben. Als ich das zum ersten Mal erlebt habe, blieb mir fast das Herz stehen.




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