Drama um gambischen Altenpfleger Warum das Landratsamt für Sedia Kijera entscheiden sollte

Die Bewohner des Pflegeheims in Kirchheim hoffen, dass „ihr“ Sedia bald wieder zurück ist. Foto: Simon Granville

Der gambische Altenpflegehelfer Sedia Kijera sitzt in seiner alten Heimat fest. Ob er wieder zurück nach Kirchheim am Neckar kommt, wo er dringend gebraucht wird, hängt entscheidend vom Landratsamt Ludwigsburg.

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Das Drama um Sedia Kijera geht in eine weitere Schleife. Gerade erst aufgebrochen in die alte Heimat, mit einem Rucksack voller Ängste und Unsicherheit, wird der 28-Jährige überfallen. Der eh schon traumatisierte junge Gambier ist gefangen in der Rolle des Opfers. Ohne eigenes Zutun. Seit vergangenen Samstag fürchtet er wieder einmal um sein Leben. Die Angst, dass die Gewalttäter wiederkommen, ist verständlicherweise groß.

 

Dazu kommt die Perspektivlosigkeit und die Handlungsunfähigkeit, mit der der 28-Jährige klarkommen muss. Er ist auf sich gestellt, in einer Heimat, die es für ihn nur noch auf dem Papier ist. Es gibt zwar Angebote für Rückkehrer, von der Caritas etwa. Doch die richten sich an diejenigen, die in Gambia wieder Fuß fassen wollen. Doch Sedia Kijera möchte zurück nach Kirchheim. Nimmt er die Angebote in Anspruch, ist die Sorge berechtigterweise groß, dass dadurch seine Rückkehr erschwert, wenn nicht sogar unmöglich wird.

Dennoch gibt es Hoffnung, dass der Altenpfleger wieder nach Deutschland kann. Zurück zu den Menschen, die ihm Familie geworden sind. Wann, weiß im Moment niemand. Klar ist aber, dass das Landratsamt Ludwigsburg so etwas wie das Zünglein an der Waage ist. Denn die Ausländerbehörde hat das sogenannte Ausweisungsinteresse zu bewerten – und dafür wird unter anderem seine Verurteilung in die Waagschale geworfen werden.

Ja, der 28-Jährige hat vor fünf Jahren gegen das Gesetz verstoßen. Seinen Fehler bereut Kijera jedoch zutiefst. Es war vor allem der Langeweile und der Perspektivlosigkeit in der Asylunterkunft geschuldet – was keine Entschuldigung sein kann, aber eine Erklärung ist. Kijera hat mit Kumpels gekifft, und es floss Geld. Er wurde bestraft, hat seine Strafe aber monetär und mit Arbeitsstunden getilgt. Und er hat seitdem eine vorbildliche Entwicklung durchlaufen. Er ließ sich in einem Beruf ausbilden, in dem händeringend Kräfte gesucht werden und leistete einen wichtigen Dienst für die Gesellschaft.

Verfahren kann beschleunigt werden

Die Verantwortlichen im Landratsamt sollten ihren Ermessensspielraum – der immer gegeben ist – nutzen, das Verfahren beschleunigen und Kijeras Odyssee bald ein Ende bereiten. Auch die Dauer der Ausbildung darf eine Rückkehr nicht aushebeln. Der ehrliche und offene Blick auf den Einzelfall mag mühsam sein, aber er lohnt. Gerade in diesem Fall.

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