Drastische Zensur des Internets Chinas Machthaber schotten das Land ab

Schon kritische Worte gegen Xi Jinping reichen, um gesperrt zu werden. Foto: dpa/Li Gang
Schon kritische Worte gegen Xi Jinping reichen, um gesperrt zu werden. Foto: dpa/Li Gang

Mit Linkedin zieht sich die letzte westliche Online-Plattform aus China zurück. Die Unternehmen können demokratische Werte mit der Zensur nicht mehr vereinen.

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Peking - In China ist die Sprache der Regierung nicht nur entkoppelt von der Realität, sondern steht oft im genauen Gegensatz zu ihr. „Chinas Tür wird sich immer weiter öffnen und nie geschlossen werden“, sagte Xi Jinping in einer Rede vor den Vereinten Nationen, die er mit einem mantraartig wiederholten Slogan übertitelte: „mit der Welt verbunden bleiben“. In Wirklichkeit geschieht seit Jahren bereits das Gegenteil. Die Volksrepublik schließt ihre Pforten und kappt die Verbindungen zum Ausland.

Jüngst zeigt sich dies am Beispiel Linkedin: Die Online-Plattform wird ihre chinesische Version aufgrund des Drucks der Zensurbehörden schließen. Vize-Präsident Mohak Shroff schrieb euphemistisch von einem „deutlich schwierigeren Arbeitsumfeld und höheren Compliance-Anforderungen in China“. In der chinesischen Stellungnahme hingegen fehlen jene Passagen: Alles, was ein schlechtes Licht aufs eigene Land werfen könnte, wird schlicht ausradiert.

Linkedin ist nur eine Blaupause

Was wie eine Randnotiz klingt, hat symbolischen Charakter: Das Karriere-Netzwerk war die letzte große Online-Plattform aus dem Westen, die in China noch zugänglich war. Facebook ist seit Jahren zensiert, Twitter, Instagram und Whatsapp ebenso. Twitch, Snapchat, Gmail und Slack sind gesperrt. Selbst Skype und Tinder lassen sich nur installieren, wenn man über ein im Ausland angemeldetes Apple-Konto verfügt.

Linkedin ist nur die Blaupause für jedes größere internationale Unternehmen mit Präsenz in China. Im März geriet der Online-Dienst von Microsoft wegen „zu laxer Inhaltskontrollen“ ins Visier der Behörden. Linkedin hatte sich bereits einer beispiellosen Selbstzensur unterworfen: Profile von westlichen Wissenschaftlern, Journalisten und Aktivisten wurden gesperrt. Schon kritische Worte gegenüber Xi Jinping reichen, um auf die schwarze Liste zu kommen.

Wegen Microsoft braute sich ein Shitstorm zusammen

Schlussendlich geriet Linkedin in einen geopolitischen Konflikt: In China war man unter Druck der Behörden, während sich im Westen ein Shitstorm zusammenbraute, weil sich Microsoft der Zensur beugt. „Soziale Netzwerke, die in China operieren, geraten zunehmend in die unmögliche Sackgasse zwischen chinesischen Zensurregeln und westlichen Werten“, meint Kendra Schaefer von der Politikberatung „Trivium China“: „Ehrlich gesagt ist es ein Wunder, dass Linkedin in China so lange überlebt hat“.

Doch auch heimischen Unternehmen gelingt der Drahtseilakt in China immer weniger: Adidas wurde monatelang boykottiert, nachdem der Sporthersteller angekündigt hat, aufgrund von möglicher Zwangsarbeit keine Baumwolle in der Region Xinjiang mehr beziehen zu wollen. Fußballclubs wie der FC Bayern müssen ihren Spielern Maulkörbe verpassen, auf Twitter bloß nicht über China Menschenrechtsverbrechen gegen die muslimische Minderheit der Uiguren zu posten. Und bei Mercedes hat ein bloßer Instagram-Post mit einem Zitat des Dalai Lama gereicht, dass die Vorstandsetage den Kotau in Peking machte.

Das Internet ist kaum noch mehr als ein Intranet

China schottet sich ab – nicht nur mit einem streng abgekoppelten Internet, das sich fast nur mehr als Intranet bezeichnen lässt. Auch innerhalb der Wirtschaft hat Chinas Staatsführung die Kontrolle erhöht und seinen Unternehmen Börsennotierungen in Übersee deutlich erschwert.

Vor allem aber gibt es seit Ausbruch der Pandemie keinen nennenswerten menschlichen Austausch zwischen China und dem Rest der Welt. Seit Covid hat sich die Anzahl an Ausländern noch einmal halbiert, dabei lebten bereits vor der Krise mehr Ausländer in Belgien als unter den 1,4 Milliarden Chinesen. Natürlich will sich China nicht vollständig abkoppeln, jedoch die Bedingungen für den Dialog bestimmen. Auch Linkedin wird sich nicht ganz aus der Volksrepublik verabschieden: Mit „InJobs“ wird man einen Relaunch starten, aber die Nutzer dürfen keine keine eigenen Postings mehr schreiben.




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