DRK Zuffenhausen Ein Jahrhundert Dienst am Nächsten

Von Bernd Zeyer 

Die Wurzeln der DRK-Bereitschaft 6 liegen beim Arbeiter-Samariter-Bund. Dessen Zuffenhäuser Kolonne ist 1912 gegründet worden.

  Foto: privat
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Zuffenhausen - Vor 100 Jahren, als Deutschland noch einen Kaiser und Württemberg einen König hatte, war Zuffenhausen ein bedeutendes Zentrum der Möbelindustrie. Allerdings gab es immer wieder Arbeitsunfälle. Um medizinische Hilfe leisten zu können, wurde eine Kolonne des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) gegründet. Diese wiederum war der Grundstock für die DRK-Bereitschaft Zuffenhausen, die heuer ihren 100. Geburtstag feiert.

Offiziell gegründet wurde der Zuffenhäuser ASB am 10. Juli 1912. Treffpunkt ist damals das Gasthaus Ochsen gewesen, später bezog man Räume in der Rosenschule. 50 aktive Mitglieder hatte die Kolonne in jener Zeit. Als Kolonnen wurden früher sowohl im ASB als auch im Roten Kreuz die örtlichen Gliederungen bezeichnet.

Von der ASB-Kolonne zur DRK-Bereitschaft

Während des Ersten Weltkrieges dienten viele Zuffenhäuser ASB-Mitglieder als Sanitätssoldaten. Nach dem Krieg, im Jahr 1920, hatte die Kolonne noch 20 aktive Mitglieder. Mit der Machtergreifung der Nazis und der Gleichschaltung des Deutschen Roten Kreuzes, das 1921 gegründet worden war, änderte sich vieles. Im Juli 1933 wurde der ASB verboten, Vermögen und Material sollten den Sanitätsdienststellen der SA und SS übergeben werden. In Zuffenhausen allerdings zogen viele ASB-Mitglieder lieber die Uniform des Roten Kreuzes an und machten weiter wie bisher. Dem Roten Kreuz kam dies nicht ungelegen, es konnte den Zuwachs gut gebrauchen. So wurde aus dem ASB das DRK.

Untergebracht war die Kolonne in einer Baracke bei der Kelterschule. Bald schon musste man sich auf Anordnung der braunen Machthaber mit Themen wie Gas- und Luftschutz beschäftigen. Auch Sport stand auf dem Dienstplan. Im Dezember 1937 wurde das DRK-Gesetz erlassen, das Rote Kreuz band sich damit noch enger an den „Führer“, den Staat und die NSDAP. Die Sanitätskolonnen wurden in Bereitschaften umgewandelt. Diese Bezeichnung gibt es noch heutzutage.

Im Sanitätsdienst der Wehrmacht

Während des Zweiten Weltkriegs hatte das DRK klare Aufgaben. Im Rahmen der NS-Kriegsvorbereitungen wurde es in den Sanitätsdienst der Armee eingebunden. Außerdem mussten viele Mitglieder zur Wehrmacht einrücken. Zahlreiche Zuffenhäuser wurden in Lazarettzügen eingesetzt. Als später die Alliierten Luftangriffe auf Deutschland flogen, leistete das DRK Erste Hilfe. Unter anderem war die Zuffenhäuser Bereitschaft bei dem Angriff am 21.Februar 1944 im Einsatz. Bomben zerstörten dabei den Bereitschaftsraum. Sämtliches Material und alle schriftlichen Unterlagen wurden vernichtet. Man stand buchstäblich vor dem Nichts.

Nach dem Krieg trafen sich die Mitglieder wieder im Ochsen. Der Kern der Bereitschaft war noch vorhanden. In den 50er Jahren wurde eine Sanitätsstation auf der Schlotwiese gebaut, hin und wieder gab es sogar Sanitätswettbewerbe. Die Bereitschaft selbst war in einem Luftschutzkeller der Hohensteinschule untergebracht, und zwar bis 1974. Ein Jahr zuvor fand das erste Fleckenfest statt. Mit dabei für das DRK ist damals Karl Heinz Kaiser gewesen. Der 67-jährige ehemalige Bereitschaftsleiter ist auch heutzutage noch beim Fleckenfest im Einsatz. 1974 bezog das DRK neue Räume an der Unterländer Straße.

Durststrecke ist überwunden

Fronleichnam 1982 wird in besonderer Erinnerung bleiben: Beim Fest einer Kirchengemeinde war der Kartoffelsalat mit Salmonellen verseucht, 200 Besucher mussten vor Ort versorgt werden. Zwei Jahre später gab es ein weitaus erfreulicheres Ereignis, die neuen Räume an der Fleiner Straße konnten bezogen werden. Das ehemalige Wasch- und Badehaus war zuvor in Eigenarbeit umgebaut worden. „Fast jedes Wochenende haben wir dort gearbeitet“, erinnert sich der ehemalige Bereitschaftsleiter Jens Schumann. Es begann eine Durststrecke, die 1999 ihren Höhe- aber auch Endpunkt erreichte. Bei einer Hauptversammlung wurde über die Schließung der Bereitschaft diskutiert. Die Mitglieder konnten sich aber darauf einigen, weiterzumachen. Seither geht es wieder bergauf. Momentan können die beiden Bereitschaftsleiter Annette Fänger und Grischa Methner über 50 aktive Männer und Frauen verfügen.




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