Drohnen in Drackenstein Die fliegenden Helfer der Feuerwehr

Die Drackensteiner Feuerwehrleute Sebastian Gemeinhardt, Daniel Dormann und Alexander Mayer präsentieren ihre Drohnen. Foto:  

Bei der Feuerwehr in Drackenstein gibt es seit April vergangenen Jahres die „Sondereinheit Drohne“. Die neun Experten werden im ganzen Kreis Göppingen für unterschiedliche Einsätze angefordert.

Nur drei Minuten dauert es, bis Alexander Mayer von der Freiwilligen Feuerwehr aus Drackenstein seine Drohne in der Luft hat. Dann kann er der Einsatzleitung bei einer Gefahrenlage einen ersten Gesamtüberblick verschaffen, ein brennendes Gebäude umrunden, um Gefahrenschwerpunkte zu erkennen, Glutnester ausfindig machen und vieles mehr. Alexander Mayer ist Leiter der „Sondereinheit Drohne“ bei der Drackensteiner Wehr. Seit April 2021 gibt es diese Expertengruppe, seit April dieses Jahres ist sie die offizielle Drohnengruppe der Feuerwehren im Landkreis und als solche bei der Leitstelle in Göppingen hinterlegt.

 

Außer Mayer gehören acht weitere Drackensteiner Feuerwehrleute zu der Truppe, unter anderen der Kommandant und Bürgermeister Roland Lang und – als einzige Frau – Silke Lang. Damit der Einsatz der Drohnen reibungslos funktioniert, üben sie jeden Monat einmal zusätzlich zum wöchentlichen Feuerwehr-Übungsdienst. „Das Fliegenlassen der Drohnen ist das kleinste Problem“, erklärt etwa Daniel Dormann, der ebenfalls zur Einheit gehört; die Herausforderung liege in der Kamerabedienung und der Bildauswertung. Die Piloten müssen die Belichtung richtig einstellen und die Temperatur für die Wärmebildkamera anhand der Umgebungstemperatur kalibrieren.

Die richtige Auswertung ist entscheidend

Bei der Bildauswertung von der Wärmebildkamera liege die Herausforderung darin, die „richtigen Hotspots zu finden“. Was Dormann damit meint, wird auf einem Foto deutlich, das irgendwann während einer Kitz-Rettung in einer Wiese aufgenommen wurde: Das Bild besteht nur aus einem blau-gelb-körnigen Farbgemisch. Dass eines der gelben Punkthäuflein die Wärme eines Rehkitzes darstellt, ist für einen Laien kaum erkennbar. „Wir haben anfangs auch mal einen Maulwurfhügel mit einem Kitz verwechselt, weil der mehr Wärme reflektiert hat als seine Umgebung“, erzählt Dormann lachend. Um ähnliche Fehler in einem Notfall zu vermeiden, hilft nur „üben, üben, üben“, wie Mayer betont.

Dabei hat jeder im Team seine Aufgabe. Der Pilot oder – falls beide Drohnen im Einsatz sind – die Piloten, fliegen möglichst sofort los, um am Einsatzort schnellstmöglich Bilder zu liefern. Weil sie sich intensiv mit dem von ihrer Drohne gefilmten Szenario beschäftigen, steht ihnen jeweils ein sogenannter Spotter als Flugbeobachter zur Seite. Der passt auf, dass die Drohne nicht in Bäumen oder Stromleitungen hängen bleibt. Dann gibt es noch den Leiter der Drohnengruppe, der sich mit dem Einsatzleiter in Verbindung setzt, um zu erfahren, was dieser sehen will. Parallel dazu sorgt das Team dafür, dass der Stromgenerator funktioniert, damit die Akkus bei Bedarf sofort aufgeladen werden können. Außerdem befestigen sie in den ersten Minuten einen großen Monitor am Mannschaftstransportwagen, sodass alle die Bilder der Drohnen sehen und die Situation einschätzen und besprechen können.

Bei Regen nur bedingt einsetzbar

Die große Drohne der Drackensteiner Wehr ist sowohl mit einer Wärmebildkamera bestückt, mit der beispielsweise Glutnester erkannt werden können, als auch mit einer Sichtkamera. Daneben verfügt sie über acht Sensoren sowie über Positionslichter und kann mit wenigen Handgriffen zusätzlich mit Scheinwerfern und Lautsprechern ausgestattet werden. Die kleine Drohne dagegen besitzt nur eine Sichtkamera. „Das ist unsere Opfer-Drohne“, sagt Sebastian Gemeinhardt. Sie wird meist dann eingesetzt, wenn Gefahr besteht, die Drohne zu verlieren; sie ist deutlich günstiger als die große. Sie durchfliegt zum Beispiel einsturzgefährdete Häuser, damit die Piloten sehen können, ob sich noch Menschen darin befinden. Wenn es eng wird, können ihre vier Propeller mit sogenannten Propellerkäfigen aus Kunststoff geschützt werden.

Bei Regen sind die beiden Drohnen nur bedingt einsetzbar, weil das Wasser der Technik schadet. „Aber wenn Menschenleben in Gefahr sind“, betont Alexander Mayer, „würden wir die kaputte Technik natürlich riskieren.“

Drohen sind vielseitig einsetzbar

Sicherheit
 Die Drohnen aus Drackenstein können in Bereiche eingeflogen werden, die für Einsatzkräfte zu gefährlich sind, wie einsturzgefährdete Gebäude oder Gefahrgutbereiche. Sie liefern in kürzester Zeit Informationen über notwendige Menschenrettung, Gefahren der Einsatzstelle und zur Lagebeurteilung. Bei einem Brand erkennt die Einsatzleitung dank der Drohnenbilder die Gefahrenschwerpunkte und findet Menschen und Hotspots von Bränden.

Kameras
Bei Gefahrguteinsätzen, etwa bei ausströmendem Gas, erkennt die Wärmebildkamera das Problem (weil das Gas kälter ist als das Umfeld), und mit der Sichtkamera lassen sich unter Umständen auch Beschriftungen auf Gefahrgut-Behältern lesen.

Überblick
Menschensuche auf Flächen und in Wäldern ist dank der Wärmebildkamera möglich; Menschen in und an Gewässern aus der Luft zu suchen, ist leichter möglich als vom Ufer aus, vor allem weil sich Reflexionen im Wasser beim Blick von oben reduzieren.

Licht
Dank der Scheinwerfer ist der Einsatz der Drohne auch bei Nacht möglich. Sie kann Einsatzstellen ausleuchten, mittels Lautsprecher mit Menschen in Not reden und auch bei Nacht Glutnester bei Bränden ausfindig machen.

Aufzeichnung
Einsätze können mit Bildern und Filmen, etwa zur Nachbesprechung, dokumentiert werden. 

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