Keine Häppchen, kein Sekt, kein großes Showprogramm. Ein nüchterner Rahmen für ein fröhliches Ereignis. Wegen Corona musste eine große Abschlussfeier abgesagt werden, sagt Karl Neher, Fachabteilungsleiter für die Kaufmännische Berufsschule an der JFK. Er hätte seine Pioniere gerne in einem attraktiveren Rahmen verabschiedet. 25 junge Erwachsene hatten im September 2019 Neuland betreten und als Erste eine Lehre zu E-Commerce-Kaufleuten gestartet. Regulär dauert die Ausbildung drei Jahre. Doch bei einer entsprechenden Vorqualifikation wie Abitur und Fachhochschulreife oder sehr guten Leistungen kann es eine Verkürzung auf 2,5 Jahre geben. Zwölf junge Erwachsene freuen sich daher zum Ende des Schulhalbjahres auf ihre Zeugnisse. Acht ihrer Klassenkameraden machen bis zum Schuljahresende weiter. Fünf junge Erwachsene haben sich beruflich umorientiert und sich für einen anderen Weg entschieden. Dafür gab es unterschiedliche Gründe. Unter seinen Schülern, erzählt Lehrer Benedikt Eilhoff, waren zum Beispiel auch einige Überflieger, die sich in jungen Jahren bereits im Bereich Onlinehandel selbstständig gemacht hatten. Ihre Geschäfte liefen so gut, dass sie die Ausbildung abbrachen und sich um ihr eigenes Unternehmen kümmerten.
Ein Zukunftsberuf
Die Stühle im Konferenzsaal der John-F.-Kennedy-Schule stehen weit auseinander. Umarmungen zum Ausbildungsabschluss gibt es nicht. Coronadistanz und Pandemie-Sicherheitsabstand auch bei der Zeugnisübergabe. Eine Distanz zu aktuellen Entwicklungen oder Trends auf dem Arbeitsmarkt aber wollte die JFK nicht vermitteln. Die Digitalisierung vieler Bereiche, die vermehrte Nachfrage nach Onlinebestellungen, der boomende virtuelle Handel und die durch Corona gesteigerte Nachfrage nach E-Commerce beschleunigten die Einführung des Ausbildungsganges an der Schule. Der Landkreis Esslingen als Schulträger und das Regierungspräsidium Stuttgart als zuständige Behörde haben der Schule vor zweieinhalb Jahren den Zuschlag erteilt. Sie ist laut Karl Neher die einzige im Kreis Esslingen, die diesen Ausbildungsgang anbietet. Die Berufschancen der Absolventen schätzt Benedikt Eilhoff als sehr gut ein. Alle Abgänger, so betont er, würden vom Ausbildungsbetrieb übernommen. Manche hätten zwar andere Pläne, doch die Chance auf eine Übernahme hätten alle gehabt.
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Vor der Zeugnisübergabe wird wegen der Aerosole kräftig gelüftet. Frischen Wind sollte auch die Ausbildung der E-Commerce-Kaufleute in den Ausbildungsmarkt bringen. Im wöchentlichen Wechsel sind die Absolventen an einem oder zwei Tagen an der JFK. Den praktischen Teil absolvieren sie in ihren Ausbildungsbetrieben. Die Bandbreite ist sehr groß, betont Benedikt Eilhoff: Große Unternehmen, Mittelständler oder kleinere Betriebe, Banken, Start-ups, Einzelhändler oder Selbstständige bilden die angehenden E-Commerce-Kaufleute aus. Neben den kaufmännischen Grundlagen, Betriebswirtschaftslehre oder Business Englisch werden sie in die Geheimnisse des Onlinehandels eingeführt. Sie sollen später E-Commerce aufbauen, betreuen, kontrollieren und bedienen können. Die Ausbildung sei aber so angelegt, dass die Absolventen auch als Kaufleute in der Industrie oder im Groß- und Außenhandel tätig sei könnten, stellt Benedikt Eilhoff klar.
Warnung vor Fakefirmen
Schwarze Schafe gibt es auch. Fakefirmen, die virtuell attraktive Warenpakete anpreisen. Der Kunde wählt aus, bestellt, bezahlt – und erhält niemals eine Lieferung. Die Abgrenzung zu solchen betrügerischen Machenschaften gehört zum Stundenplan der E-Commerce-Kaufleute. Auch die rechtliche Seite wird laut Benedikt Eilhoff beleuchtet. Service, Kundenbetreuung und Nutzerpflege sind Teil des Berufsbilds. So sollen die Spezialisten Nachfragen beantworten, Beschwerden begegnen, Verbesserungen anstoßen können. Dazu gehört auch die korrekte Anrede.
Die Hohn-F-Kennedy-Schule in Esslingen
Der Ausbildungsgang
Für eine Ausbildung zu E-Commerce-Kaufleuten ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In den meisten kaufmännischen Berufen aber, so erklärt Benedikt Eilhoff, werden Abschlüsse ab der Mittleren Reife erwartet. Das Durchschnittsalter der Auszubildenden liegt zwischen 16 und 19 Jahren. Doch es gibt auch ältere Schüler, die sich beruflich umorientieren möchten. Im ersten Jahrgang starteten 25 junge Erwachsene, in den letzten beiden Jahrgängen 15 und 17 Schüler die Ausbildung.
Die Schule
Die JKF in Esslingen-Zell ist kaufmännische Berufsschule, Wirtschaftsgymnasium, Wirtschaftsschule und kaufmännisches Berufskolleg. Die Schule lädt am Montag, 17. Januar, ab 17.45 Uhr alle interessierten Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern zum großen virtuellen Infotag ein. Mehr Infos unter https://www.jfk-schule.de/