E-Mobilität auf der Schiene Mit Batterie in den Schwarzwald
Erstmals in Deutschland fahren in Baden-Württemberg Züge, die Akku- und Strombetrieb kombinieren, im normalen Fahrgastverkehr. Doch zum Start gibt es einen Haken.
Erstmals in Deutschland fahren in Baden-Württemberg Züge, die Akku- und Strombetrieb kombinieren, im normalen Fahrgastverkehr. Doch zum Start gibt es einen Haken.
Premiere für eine ganz neue Form der E-Mobilität auf der Schiene. Zum ersten Mal in Deutschland starten in Baden-Württemberg jetzt Hybridzüge, die sowohl mit Batterie als auch auf elektrifizierten Strecken im Strombetrieb fahren können. Nachdem vor zwei Jahren die Deutsche Bahn erste Testfahrten mit einem Akku-Zug zwischen Stuttgart und Horb unternommen hat, betreibt nun die landeseigene Bahngesellschaft SWEG vier solche Triebwagen im normalen Fahrgastverkehr. Sie fahren von Offenburg aus auf zwei Strecken in Richtung Schwarzwald, nach Hornberg beziehungsweise Bad Griesbach.
Die Hybridfahrzeuge erlauben durchgehende Verbindungen auf elektrifizierten und nicht elektrifizierten Strecken. Vor allem aber lösen sie bisherige Dieselzüge ab. „Baden-Württemberg ist Pionierland mit innovativer Zug-Technologie“, sagte Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bei der Vorstellung der Triebwagen.
Zwar fahren heute bereits die meisten Züge in Deutschland elektrisch. Dennoch ist noch gut ein Drittel der Strecken ohne Fahrdraht. Weitere Elektrifizierungen sind teuer. Der Ausbau hinkt ursprünglichen Plänen des Bundes, aber auch des Landes Baden-Württemberg deutlich hinterher. Der Hybridantrieb soll nun eine Alternative sein.
Doch während es im Omnibusbereich schon zahlreiche Elektro- und Hybridmodelle gibt und dort verbindliche Zeitpläne für die Umstellung auf klimafreundliche Antriebe gelten, ist das im Schienenverkehr nicht der Fall. Betroffen ist vor allem der Regionalverkehr, wo heute noch eine von fünf Fahrten mit Diesel stattfindet. Baden-Württemberg will bei neuen Ausschreibungen und neu zu beschaffenden Zügen nur noch klimafreundliche Antriebe zulassen. Da aber die regionalen Bahnnetze sehr langfristig vergeben werden, geht dies relativ langsam. Das Landesverkehrsministerium strebt an, dass die Eisenbahn im Land erst im Jahr 2040 voll auf Elektrobetrieb beziehungsweise alternative Antriebe wie Batterie oder Wasserstofftechnologie umgestellt ist.
Die 27 vom Land Baden-Württemberg angeschafften Züge des Typs Mireo Plus B des Herstellers Siemens sind 140 km/h schnell und haben in zwei Waggons 120 Sitzplätze. Im Alltagsbetrieb sollen sie etwa 120 Kilometer mit Batterie zurücklegen können, bevor sie sich auf einer mit Oberleitungen versehenen Strecke wieder aufladen müssen.
Praktisch zeitgleich sind in Schleswig-Holstein seit Ende des vergangenen Jahres technologisch ähnliche Batteriezüge des Typs Flirt des Schweizer Unternehmens Stadler in den Fahrgastbetrieb gegangen. Das Einsatzkonzept ist dort aber zurzeit anders. In Schleswig-Holstein sind weniger Strecken unter Fahrdraht als im Südwesten. Die Züge nutzen deshalb teilweise Standzeiten in Bahnhöfen und eigens eingerichtete, so genannte Strom-Inseln zum Aufladen und sind weniger im kombinierten, hybriden Betrieb unter Oberleitung unterwegs.
Akkuzüge sind im übrigen nicht neu. Die ersten wurden in Preußen schon 1907 eingesetzt. Die Deutsche Bundesbahn hat von Beginn an Akkutriebwagen eingesetzt. Sie wurden erst 1995 ausgemustert – diese Züge mussten allerdings im Depot aufgeladen werden.
Gleich zum Start stoßen die von Siemens verspätet gelieferten, neuen Züge an Grenzen der Bahn-Infrastruktur. Nur auf einer der befahrenen Strecken in Richtung Bad Griesbach nutzen sie auf einem nicht elektrifizierten Streckenabschnitt tatsächlich ihre Batterie. Eine bisher in Freudenstadt noch fehlende Weichenverbindung verhindert hingegen, dass sie, wie eigentlich geplant, bis dorthin durchfahren können. So führt laut dem seit Januar schon geänderten Fahrplan die Fahrt stattdessen umsteigefrei nach Hornberg. Die neuen Züge verkehren damit aber auf einer Strecke, die sowieso vollständig elektrifiziert ist. Die Fahrgäste, die bisher von Freudenstadt mit Dieselzügen bis Offenburg durchfahren konnten, müssen nun hingegen umsteigen.