Eberhard Gabler im Porträt Wer die Nachtigall malt

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Eberhard Gabler hat weder Biologie noch Kunst studiert. Trotzdem ist er ein Experte für die heimische Tierwelt – und malt riesige Schautafeln für das neue Sindelfinger Walderlebniszentrum.

Eberhard Gabler Foto: factum/Granville
Eberhard Gabler Foto: factum/Granville

Sindelfingen - Eine Kindheit, wie Eberhard Gabler sie erlebt hat, ist in Deutschland heute selten geworden. „Ein Lehrer an meiner Volksschule war neben dem Unterricht auch Jäger, Fischer und Imker“, erzählt der heute 80-Jährige. „Er hat mir beigebracht, wie man Wildspuren liest, mit Bienen umgeht und Vögel beobachtet.“

Die Begeisterung für die Natur und besonders für die Vögel hat Eberhard Gabler seitdem nie wieder losgelassen. In Sindelfingen ist er bekannt als Gründer und langjähriger Leiter des Vogelinformationszentrums (VIZ). Seit 1997 ist er im Ruhestand. Doch Gablers Mission ist es weiterhin, vor allem jungen Menschen die Schönheit und Vielfalt der Natur zu vermitteln. Deshalb engagiert er sich für das neue Sindelfinger Vorzeigeprojekt der Umweltpädagogik, das Walderlebniszentrum.

Plustervögel im Garten

Am Forsthof in Sindelfingen sollen Kinder und Erwachsene vom nächsten Frühjahr an den einheimischen Wald erkunden können. In liebevoller Handarbeit hat Eberhard Gabler dafür große Schautafeln bemalt. Eine davon kann man im bereits eröffneten Vogelbeobachtungshaus sehen.

Ein Plustervogel im Garten

Für die meisten Städter ist die Tafel wie eine Nachhilfestunde. Denn ein Rotkehlchen oder eine Blaumeise erkennen noch die meisten. Aber wie sieht eine Goldammer aus oder ein Seidenschwanz? Die filigranen Bilder, die Gabler mit Acrylfarbe auf große Holztafeln gemalt hat, zeigen auch das. Auch einen „Plustervogel“ hat der 80-Jährige gemalt – das ist keine exotische Art, sondern ein Tier, das auf dem Boden sitzt und seine Federn aufgeplustert hat, um mehr Wärme zu speichern. „Viele sehen solche Vögel in ihrem Garten und denken, sie seien krank“, erzählt Gabler. „Dabei wollen sie sich nur aufwärmen.“

Wegen Fuchsskelett Ärger mit der Mutter

Im Gegensatz zu vielen Stadtmenschen entwickelte Eberhard Gabler schon während seiner Kindheit im Spessart eine enge Beziehung zu Tieren und Pflanzen. Einmal habe er einen toten Fuchs im Wald gefunden. „Ich habe ihn dann aufgehängt, so dass die Meisen das Fleisch abgenagt haben“, erzählt er. „Die Ameisen haben dann die Knochen blank gefressen.“ Mithilfe seines Lehrers habe er dann aus den einzelnen Knochen das Skelett zusammengedrahtet – „als ich den Fuchs nach Hause brachte, gab es dann Ärger mit meiner Mutter.“

Seit seiner Kindheit hat Gabler ein beeindruckendes Wissen um Vögel, Tiere und Pflanzen angehäuft. Wenn er im Wald eine Feder findet, kann er nicht nur sagen, welcher Vogel sie getragen hat – sondern häufig sogar, an welcher Stelle des Flügels sie zu finden war. Wenn er eine Spur sieht, erkennt er nicht nur, dass sie zu einem Steinmarder gehört – sondern sieht auch, ob sich der Marder gerade an eine Beute angeschlichen hat oder selber geflüchtet ist. Auch zu den häufigsten Spuren im Sindelfinger Wald hat er eine große Schautafel gemalt. Dabei ist Eberhard Gabler Autodidakt. Er hat weder Biologie oder Forstwissenschaften studiert noch eine Kunstakademie besucht. Vom Beruf her ist er Gärtner. Als Schlüssel zu seinen Fähigkeiten sieht er vor allem eine Eigenschaft: „Ich bin ein guter Beobachter“. Wenn früher Professoren mit ihren Studenten ins Vogelinformationszentrum kamen und ihn fragten, wo er denn studiert habe, machte ihn das aber stolz. Genauso wie der europäische Umweltpreis, mit dem das Vogelinformationszentrum unter seiner Leitung zweimal ausgezeichnet worden ist.

Vom Gärtner zum Ornithologen

Autodidakt als Ornithologe und Maler

Dabei war es ein langer Weg bis zur Gründung des Vogelinformationszentrums in Sindelfingen: Anfang der 60er Jahre kam Eberhard Gabler nach Sindelfingen, um zunächst bei der Stadt als Gärtner zu arbeiten. Daneben begann er jedoch recht schnell, die Grundsteine für das VIZ zu legen. 1967 bekam er vom damaligen Sindelfinger Oberbürgermeister Arthur Gruber den Auftrag, das Zentrum einzurichten. 1981 erhielt das VIZ dann eigene Räume in der Nähe des Sindelfinger Freibades, wo es sich bis heute befindet.

Neben seiner Beobachtungsgabe zeichnet Gabler seine Sammelleidenschaft aus. Für das VIZ sammelte er nicht nur Vogelfedern, sondern auch Eier und Nester. Die Zwei-Zimmer-Wohnung, die er mit seiner Frau bewohnt, sei allerdings sehr aufgeräumt, versichert Gabler lächelnd – Fuchsskelette seien dort nicht mehr zu finden.

Lesung im Sindelfinger „Märchen- und Literaturzelt“

Am Mittwoch, 19. November, stellt Eberhard Gabler von 14 bis 16 Uhr auf dem Sindelfinger Marktplatz im beheizten Märchen- und Literaturzelt sein kürzlich erschienenes Vogelbestimmungsbuch „Der Federführer“ und frühere Bücher vor.




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