Das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium wird in den nächsten Jahren zum Musikgymnasium ausgebaut. Dort werden dann neben normalen Schülern auch hochbegabter Sänger und Musiker unterrichtet. Der Umbau kostet rund 34 Millionen Euro.

Digital Unit : Dominika Jaschek (dja)

Stuttgart - Eigentlich hätte der Gemeinderat in der vergangenen Woche den Grundsatzbeschluss zur Einrichtung eines Musikgymnasiums am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium fällen und den wohl 2015 beginnenden Ausbau im Umfang von 34 Millionen Euro beschließen wollen. Doch dann meldeten die Fraktionen Gesprächsbedarf an. Der Termin für den Gründungsfestakt in der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst war allerdings schon seit Monaten festgelegt. Und so wurde am vergangenen Freitag gefeiert, obwohl noch nicht alle Hürden genommen sind. „Ich bin mir sicher, dass der Gemeinderat das Musikgymnasium am Mittwoch beschließen wird“, beruhigte Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann die Gäste im Konzertsaal der Musikhochschule.

Das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium wird dreizügig – mit zwei regulären Zügen und einem Musikgymnasiumzug auf der Grundlage eines pädagogischen Konzepts, das das „Ebelu“, die Hochschule für Musik und darstellende Kunst sowie die Musikschule erarbeitet haben. Begonnen wird zunächst auf einer Baustelle. Das Schulgebäude wird saniert, die Turnhalle neu gebaut, außerdem gibt es Erweiterungsbauten in der Größenordnung von 750 Quadratmetern. „Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend. Ich bin stolz auf die bisherigen Erfolge“, lobte der Musikschuldirekter, Friedrich-Koh Dolge, alle -Beteiligten. Die Rektorin des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums, Karin Winkler, ergänzte: „Die Planungen begannen bereits 2007. Ich freue mich, dass wir nun die Pläne in die Realität umsetzen können.“

Spezieller Nachhilfeunterricht für Hochbegabte

Das Musikgymnasium wird das erste seiner Art in Baden-Württemberg sein. Ziel ist, hochbegabte Kinder zu fördern – sowohl musisch als auch schulisch – und ihnen so das Abitur und eine frühe musikalische Karriere zu ermöglichen. Um in den Hochbegabtenzug aufgenommen zu werden, müssen die Schüler eine Aufnahmeprüfung bestehen. „Wir bieten speziellen Nachführungsunterricht für die Schüler an, um Schwächen aufzuarbeiten oder fehlenden Lehrstoff nachzuarbeiten“, sagt Karin Winkler. Wenn die Schüler an Wettbewerben teilnehmen, versäumen sie den Unterricht. Diese Einheiten würden dann individuell nachgearbeitet. „Um die Kinder bestmöglich unterstützen zu können, muss man als Schule flexibel sein“, so Winkler.

Die Musikgymnasiasten werden zudem in speziellen Fächern von Dozenten der Hochschule für Musik unterrichtet. „Was sie dort lernen, ist bereits Stoff aus den ersten vier Semestern des Bachelor-Studiengangs“, erläutert Matthias Hermann, Prorektor der Hochschule. „Falls sie sich später für ein Studium entscheiden, werden ihnen diese Module angerechnet.“ Doch nicht nur spezielle Unterrichtsangebote machen das neue Musikgymnasium aus. „Die Kinder sollen sich in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten wohl fühlen.

Der Umbau kostet 34 Millionen Euro

Sie sind keine Exoten in der Klasse, weil sie hochbegabt sind“, sagt Karin Winkler. Zwar gibt es bereits seit 1970 einen Musikzug an der Schule, der auch stetig gewachsen ist, aber: „Die bisherigen Musik-Profilklassen sind mit dem neuen Musikgymnasium nicht zu vergleichen!“

34 Millionen Euro werden in den Umbau investiert. Die Interimsmaßnahmen für die sofortige Aufnahme des Musikschulbetriebs kosten weitere 3,2 Millionen Euro. Für das Abendgymnasium hat das aber die Folge, dass es an einen anderen Standort verlegt wird. Die Suche hat begonnen. Dass sich die Investition auszahlen wird, davon ließ sich Bürgermeisterin Eisenmann beim Festakt überzeugen. Das Nachwuchsvokalensemble des Gymnasiums bekam für die Interpretation von „Quando, quando, quando“ viel Applaus.

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Stuttgart Susanne Eisenmann