Ebersbach hilft Nepal Viele Familien sind ohne Obdach

Von Sabine Riker 

Die Schulen und Wohnheime des Ebersbacher Nepal Schulprojekts haben dem Erdbeben standgehalten. Trotzdem befürchtet Astrid Vöhringer, dass vieles zerstört wurde. Zusammen mit der Stadt sammelt sie nun Geld- und Sachspenden für ihre Schützlinge.

Die Hilfsbereitschaft ist groß. Nicht nur Ebersbacher bringen Sachspenden in das Rathaus. Foto: Horst Rudel
Die Hilfsbereitschaft ist groß. Nicht nur Ebersbacher bringen Sachspenden in das Rathaus. Foto: Horst Rudel

Ebersbach - Tagsüber ist sie unruhig, nachts schläft sie kaum – seit dem Erdbeben in Nepal steht Astrid Vöhringer aus Ebersbach-Weiler noch immer unter Schock. „Es ist alles kaputt in Kathmandu“, sagt sie mit tonloser Stimme. Und noch immer reißen die aktuellen Schreckensmeldungen aus dem Himalayastaat nicht ab. Immerhin scheinen die Wohnheime und Schulen des Vereins Nepal Schulprojekt, dessen Initiatorin und Vorsitzende Astrid Vöhringer ist, dem Beben standgehalten zu haben. „Wir haben die Häuser erdbebensicher gebaut, aber bestimmt gibt es trotzdem viel zu reparieren“, sagt sie.

Kein Lebenszeichen vom Bienendorf

Die größte Sorge Astrid Vöhringers gilt den Menschen. Obwohl sie inzwischen erfahren hat, dass ihre Freunde in Nepal wohl noch alle leben, treibt sie in jeder Sekunde die Frage um, wie es ihnen wohl geht. Ob sie, wie so viele, aus Furcht vor weiteren Beben im Freien schlafen – oder aber, weil ihre Häuser zerstört sind. „In Dadhikot müssen viele Familien unserer Schüler im Freien campieren, ihre Ziegelhäuser sind einfach weggesackt“, erzählt sie. Und sie denkt an den Mann, der die sechs Bienenvölker des Vereins betreut. Er hat sich als einziger noch nicht gemeldet. „Ich erreiche ihn auch nicht auf seinem Mobiltelefon. Das Bienendorf befindet sich in der Nähe des Epizentrums des Bebens“, sagt Astrid Vöhringer und verstummt. In ihrem Schweigen schwingt alles mit, was sie in diesen Tagen bewegt: Entsetzen, Sorge, Hoffnung.

Erst Ende März ist Astrid Vöhringer aus Nepal zurückgekehrt. Bei einem mehrwöchigen Aufenthalt hat sie sich vom Fortschritt der Projekte in Dadhikot, im Kathmandu-Tal und in Humla überzeugt und mit den vom Verein ins Leben gerufenen Dorfkomitees besprochen, was als nächstes ansteht. Jetzt würde sie am liebsten gleich wieder nach Kathmandu fliegen, um sich selbst ein Bild von der Katastrophe zu verschaffen – und um einfach da zu sein. „Die Menschen müssen sehen, dass ich komme, dass sie nicht alleine sind“, sagt sie.

Warten auf den ersten Flug

Doch zurzeit ist überhaupt nicht an eine Reise nach Nepal zu denken. Der Flughafen in Kathmandu ist ohnehin überlastet, die einzige Landebahn ist beschädigt. „Ich denke, das wird schon noch zwei Wochen dauern, bis ich fliegen kann“, sagt sie. Bis dahin will sie möglichst viele Sach- und Geldspenden für ihre Schützlinge in Nepal auftreiben. Unterstützt wird sie von der Stadt Ebersbach. Dietmar Vogl, der Beauftragte für bürgerschaftliches Engagement, hat den Fahrradraum des Rathauses leer geräumt. Dort können noch am Montag und Dienstag Sachspenden abgegeben werden. Benötigt werden Planen, Decken, isolierende Unterlagen und Medikamente.

Die ersten Sachen sind schon abgeliefert worden. „Als erstes kam jemand aus Eislingen und brachte ein Zelt und einen Schlafsack“, erzählt Dietmar Vogl. Außerdem hat eine Firma 100 Planen gespendet. Ein Kleiderverwerter wird die Hilfsgüter pressen, damit die Spedition Schenker, einer der Hauptsponsoren des Vereins, möglichst viel nach Nepal verfrachten kann. Auch bei Astrid Vöhringer kommen hilfsbereite Menschen vorbei. „Heute hat mir jemand 500 Euro gebracht, einfach so“, erzählt sie.

„Ich habe einen Schutzengel gehabt“

Sie hofft, dass der Verein die zusätzlichen Ausgaben durch das Erdbeben stemmen kann, ohne geplante Projekte wie einen Gesundheitsposten verschieben zu müssen. Gerade diese Naturkatastrophe zeige, wie wichtig eine medizinische Grundversorgung sei. „Die Leute dort haben wirklich gar nichts, sie können nichts aus eigener Kraft bewirken.“ Astrid Vöhringer schweigt erneut. „Normalerweise wäre ich jetzt noch dort“, sagt sie dann. „Doch diesmal bin ich früher geflogen. Ich habe wohl einen Schutzengel gehabt.“