Echterdingens Torhüter Yule Tröger Der Fabian Bredlow der Verbandsliga

Die Nummer zwei des TV Echterdingen, Yule Tröger (links), steht öfter im Tor als der eigentliche Stammkeeper. Foto: Archiv Günter Bergmann

Yule Tröger stellt sich als Ersatztorwart beim TV Echterdingen in den Dienst der Mannschaft, durfte zuletzt aber immer öfter ran.

Lokalsport: Patrick Steinle (pst)

Wenn die Fußballer des TV Echterdingen an diesem Samstag (14 Uhr) bei den Sportfreunden Schwäbisch Hall zur Verbandsliga-Partie gastieren, dann wird sich Yule Tröger wie gewohnt zuerst sein Trikot in die Hose stecken, bevor er seine Torwarthandschuhe anzieht. Der Kleidungsstil ist quasi schon ein Markenzeichen des Ersatzkeepers. Schlabberlook? Mag er nicht. Der Hintergrund: Der 26-Jährige arbeitet nicht nur als sportlicher Leiter in einem Fitnessstudio, sondern legt sich selbst gerne das eine oder andere Mal auf die Hantelbank und stemmt Gewichte von mehr als 120 Kilogramm. Seine aus diesem Krafttraining resultierenden breiten Schultern bringt er nur in einem XL-Trikot unter, was bei einer Körpergröße von 1,83 Metern doch etwas lang ist.

 

In letzter Zeit sehen die Anhänger des TV Echterdingen das in die Hose gesteckte Torwarttrikot häufiger, denn Tröger ist ein gefragter Mann. Neunmal stand er in dieser Saison bereits in der Liga auf dem Feld, die eigentliche Nummer eins Tim Becker zweimal seltener. Letzterer laborierte mehrfach an Verletzungen; derzeit setzt ihn eine Steißbeinprellung außer Gefecht. Schon in der vorigen Aufstiegssaison war Becker nach einem Kreuzbandriss lange raus, doch Tröger überzeugte als mustergültiger Ersatzmann in 20 Partien.

Becker war schon immer vor Tröger gesetzt

Beide kamen 2021 in die Goldäcker. Von Beginn an hatte der bereits zuvor verbandsliga-erprobte Becker die Oberhand, doch Tröger nahm die Situation an. „Da muss man seine Position reflektieren“, sagt er, der zuvor lediglich auf Bezirksebene im Raum Esslingen, wo er aufgewachsen ist, spielte. „Mit Negativität kommt niemand weit, und mir macht Fußballspielen auch Spaß, wenn ich keine Einsätze bekomme.“ Tröger nimmt seine angestammte Reservistenrolle sportlich, zudem sei das Verhältnis zu Becker super. „Ich sehe das entspannt und bin dann auch nicht eingeschnappt, wenn ich nicht spiele“, sagt der Fan des 1. FC Kaiserslautern.

Tim Becker (rechts) stand zuletzt am 18. Oktober gegen Calcio auf dem Platz. Foto: Günter Bergmann

Aber, so Tröger: „Wenn ich langfristig in die Röhre schaue, wird es natürlich blöd.“ Einen Wechsel schließt er derzeit aus, auch weil es ihm im Verein gefällt und das Vertrauen des Teams stimmt. „Für die Mannschaft ist es egal, wer im Tor steht; es besteht eine große Leistungsdichte zwischen Tim und mir“, sagt Tröger, der seine soliden Auftritte zuletzt – unter anderem hat er beim 1:0 gegen Weiler kein Gegentor zugelassen – als Bewerbung für einen dauerhaften Startelfplatz nutzen möchte. „Wenn ich in den nächsten Spielen wieder gut performe, dann werden die Trainer noch einmal überlegen müssen, wen sie aufstellen.“ Der Keeper wittert also seine Chance, könnte es beispielsweise Fabian Bredlow vom VfB Stuttgart nachmachen, der in der vergangenen Saison Florian Müller den Rang ablief.

Echterdingens Coach Rizzo lobt seine Nummer zwei

Aller Hoffnung entgegen sagt sein Trainer Antonino Rizzo allerdings: „Wenn Tim Becker fit ist, ist er die Nummer eins.“ Tröger bliebe also wieder nur die Zuschauerrolle, was seine Leistung und sein Standing nicht schmälern soll. „Ich bin froh, ihn im Kader zu haben. Yule ist immer parat, wenn er gebraucht wird und stellt sich in den Dienst der Mannschaft“, lobt Rizzo. „Er ist ein absolut sympathischer Typ, der sich selbst nie zu wichtig nimmt, was gut für das Teamgefüge ist.“

Steht Tröger zwischen den Pfosten, hat der Coach „keine Bauchschmerzen“, im Gegenteil. Zu seinen Stärken zählt das Stellungsspiel und die Lufthoheit. Flanken fängt er regelmäßig ab. „Da kann ich mit meinem Körper gut in den Zweikampf gehen“, erklärt Tröger selbst. Diese Fähigkeit will der Mann mit dem Trikot in der Hose dann auch an diesem Samstag beweisen – und die Meinung des Trainers ja vielleicht doch noch einmal ändern.

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