Ehrenamt in Filderstadt Vassiliki Mornhinweg hilft Frauen bei der Integration

Vassiliki Mornhinweg ist von der Bürgerstiftung geehrt worden. Foto: Caroline Holowiecki

Vassiliki Mornhinweg aus Harthausen weiß, wie es ist, als Ausländerin in einem fremden Land Fuß fassen zu müssen. Seit 2009 engagiert sie sich für Frauen und Kinder mit einer ähnlichen Geschichte. Nun wurde sie von der Bürgerstiftung dafür geehrt.

Ein paar Knicke hat sie abbekommen, doch sie hat sie noch, die Anzeige aus dem Filderstädter Amtsblatt. 2009 ist sie erschienen. „Mitarbeiterin gesucht für Sprach- und Integrationsprojekt“, so lautet die Überschrift. Vassiliki Mornhinweg hütet das Stückchen Papier in einer Mappe. Diese Anzeige hat nicht nur ihr eigenes Leben verändert, sondern auch das etlicher Frauen und Kinder.

 

2009, da ist Vassiliki Mornhinweg gerade nach einem langen Berufsleben als Industriekauffrau in Rente gegangen. „Ich wollte weiterhin etwas Sinnvolles machen“, sagt sie, da sei ihr die Anzeige gerade recht gekommen. Gesucht wurde jemand fürs Projekt „Wir trinken Tee und sprechen Deutsch“. Dort unterstützt die 80-Jährige aus Harthausen bis heute Frauen aus den verschiedensten Ländern nicht nur beim Spracherwerb, sondern auch dabei, im deutschen Alltag Fuß zu fassen. Zweieinhalb Stunden nimmt sich Vassiliki Mornhinweg jeden Freitag Zeit. In Sielmingen kommen Polinnen, Albanerinnen oder Afghaninnen zusammen, um gemeinsam ihr Deutsch zu verbessern. „Durch Kontakt kommt die Sprache, das kommt nicht aus Büchern. Ich weiß es aus Erfahrung.“

Vassiliki Mornhinweg stammt aus Griechenland. 1970 kam sie zu ihrer Tante nach Bonlanden, um ihre Deutschkenntnisse zu verfeinern. Drei Monate sollte der Aufenthalt dauern – er dauert bis heute an, denn ein gewisser Siegfried entdeckte die Athenerin beim Maitanz. Wenig später folgte der Heiratsantrag. „Ich bin mit zwei Koffern gekommen und geblieben“, sagt sie und schaut zum Gatten. Bald 54 Jahre ist das Paar verheiratet, und es hat zwei Kinder. So romantisch alles klingt, leicht hatte es Vassiliki Mornhinweg nicht immer. „Ich bin auch gemobbt worden.“ Der Teint der Südländerin ist dunkel, der Akzent gut hörbar. „Du merkst, dass du fremd bist“, sagt sie.

Patenschaften für Familien

Das Erlebte bringt Vassiliki Mornhinweg ehrenamtlich ein, und dies nicht nur beim Frauen-Deutsch-Treff. Von 2017 bis 2020 engagierte sie sich bei der Hausaufgabenbetreuung in der Grundschule in Bernhausen, übte dort vornehmlich mit Kindern mit Migrationsgeschichte. Auch als Dolmetscherin hat sie sich eingebracht. Bisweilen hat sie richtige Patenschaften für Familien übernommen. Mit zwei Mädchen aus Ghana, die große Probleme in der Schule hatten, lernte Oma Vicky jahrelang täglich. 18 und 19 sind ihre einstigen Schülerinnen heute – und machen bald ihre Fachhochschulreife. „Es ist mein ganzer Stolz“, sagt Vassiliki Mornhinweg, bevor ihre Stimme bricht.

Für ihr Engagement wurde sie nun von der Bürgerstiftung Filderstadt als „Stille Heldin“ ausgezeichnet. Der Titel wird jedes Jahr an Menschen verliehen, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich einbringen. Vassiliki Mornhinweg freut sich. Viele Nachbarn hätten sie angesprochen. Am meisten aber freut sie sich, wenn sie ihre Frauen trifft und hört, wie es ihnen geht. Eine arbeitet im Kindergarten, eine im Hotel, eine beim Bäcker. Es sind Lebenswege, die sie gelenkt hat. „Ich weiß, die Frauen haben Vertrauen zu mir, weil sie wissen, was ich sage, habe ich erlebt.“

Die Filderstädterinnen dieses Jahres

Heldinnen
Die Bürgerstiftung Filderstadt hat jetzt zum fünften Mal die Ehrung „Filderstädter des Jahres -Stille Helden“ verliehen. Die Auszeichnung geht dieses Jahr an drei Frauen. Wir stellen die Preisträgerinnen in loser Folge vor, die sich alle in besonderer Weise ehrenamtlich engagieren.

Ehrung
Die Bürgerstiftung hatte die Frauen im Rahmen des Neujahrsempfangs der Stadt Filderstadt geehrt.

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