Ehrenamt in Korntal-Münchingen Der frühere Bürgermeister ist zurück
Joachim Wolf ist der neue Vorsitzende des Tennisclubs Münchingen. In dieser Funktion kehrt er hin und wieder an seinen alten Arbeitsplatz zurück.
Joachim Wolf ist der neue Vorsitzende des Tennisclubs Münchingen. In dieser Funktion kehrt er hin und wieder an seinen alten Arbeitsplatz zurück.
Ungefähr ein dreiviertel Jahr nach seinem letzten Arbeitstag als Bürgermeister ist Joachim Wolf zurück in Korntal-Münchingen: Der 64-Jährige ist der neue Vorsitzende des Tennisclubs Münchingen. Er hat das Amt von Wolfgang Anton übernommen.
Joachim Wolf und seine Frau sind seit vier Jahren Mitglieder im TC Münchingen. „Wir haben uns dort seit Beginn an ausgesprochen wohlgefühlt“, erzählt er. Nachdem Wolfgang Anton nicht erneut zur Wahl angetreten war, habe man ihn gefragt, ob er seine Nachfolge übernehmen wolle. Das habe er „gerne zugesagt“, sei es doch schon länger seine Absicht gewesen, sich nach dem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt wieder ehrenamtlich zu engagieren. „Hier lag der Sport aufgrund meiner Vita und des familiären Umfeldes natürlich sehr nahe“, sagt Joachim Wolf. „Wir haben alle im Lauf der Jahre viel vom organisierten Sport profitiert, da wollte ich gerne etwas zurückgeben.“
Das Engagement im Tennisclub ist nur eine von mehreren Tätigkeiten des früheren Rathauschefs. „Es ist so einiges in Bewegung, und mir wird gewiss nicht langweilig“, sagt Joachim Wolf und lacht. Er erinnert sich an seinen Vorsatz, „im Vergleich zu den sehr intensiven zurückliegenden 16 Jahren einen Gang zurückzuschalten und mir deutlich mehr Freiraum für mein Privatleben zu schaffen“. Dieses Ziel wolle er „trotz der spannenden Herausforderungen auf keinen Fall aus den Augen verlieren“.
Dazu zählt auch seine Kandidatur für den Stuttgarter Gemeinderat und als Regionalrat. Joachim Wolf rangiert auf der Liste der Freien Wähler auf Platz vier beziehungsweise zur Regionalwahl auf Listenplatz zwei. „Ich muss meine verfügbaren zeitlichen Ressourcen sorgfältig verplanen“, sagt der promovierte Sportwissenschaftler aus dem Stuttgarter Westen in Bezug auf Ehrenamt und „meine kommunalpolitischen Ambitionen“. Der Wahlkampf komme nun langsam in die heiße Phase: Joachim Wolf muss verschiedene Termine wahrnehmen oder Wahlplakate vorbereiten und aufhängen. „Das nimmt natürlich nicht wenig Zeit in Anspruch. Und im Falle meiner Wahl wird der zeitliche Aufwand noch spürbar zunehmen.“
Ebenfalls ehrenamtlich ist Joachim Wolf im Handballverband Baden-Württemberg für das Präsidium im Bereich Finanzen und Verwaltung vorgesehen. Der Verband wird gerade gegründet und ist das Ergebnis der Fusion der bisherigen Verbände Württemberg, Südbaden und Nordbaden in 2025. „Ob meine Kapazitäten hierfür noch ausreichen, muss ich in den kommenden Wochen entscheiden, letztendlich auch in Abhängigkeit des Ausgangs der Kommunalwahlen.“
Denn der 64-Jährige ist mittlerweile auch selbstständiger Unternehmensberater. Seine Beratung fuße – „konsequenterweise“ – auf den Kompetenzen, die er sich im Laufe von insgesamt 24 Jahren in leitender kommunaler Funktion erst in Sindelfingen als Chef des Schul-, Sport- und Bäderamts und dann in Korntal-Münchingen erworben habe: „Privatwirtschaftlichen Unternehmen fehlt es oft an den nötigen Kenntnissen und Erfahrungen zu den spezifischen Rahmenbedingungen, unter denen Einrichtungen der öffentlichen Hand – vorrangig natürlich Kommunen – sie betreffende Entscheidungen etwa bei Bau- oder sonstigen Investitionsvorhaben, bei Grundstücksgeschäften oder anderen unternehmensstrategischen Weichenstellungen herbeiführen“, erläutert Joachim Wolf. Hier berate, koordiniere und unterstütze er an der jeweiligen Nahtstelle zwischen Unternehmen und Kommune.
Im Tennisclub Münchingen will Joachim Wolf derweil das „außerordentlich hohe Engagement“ der Mitglieder pflegen und, wo möglich, ausbauen. Schließlich sei es die wesentliche Basis für das „erfreulich lebendige Vereinsleben“. Als Vorsitzender hat er sich außerdem vorgenommen, vor allem die Jugend zu fördern und das Entwicklungskonzept zur Erweiterung der Trainings- und Wettkampfanlagen zu konkretisieren.
Der Verein hat vier Freiplätze. Das sei zu wenig. „Wenn wir nicht in absehbarer Zeit Perspektiven einer maßgeblichen Kapazitätserweiterung samt Winterspielmöglichkeit aufzeigen können, kann dies die langfristige Zukunft des TC Münchingen existenziell gefährden“, fürchtet Joachim Wolf – der nun hin und wieder an seinen alten Arbeitsplatz, das Rathaus, zurückkehrt. Wenngleich er dann auf der anderen Seite steht. Zu den Erweiterungsplänen führe der Verein bereits „gute und grundsätzlich positiv stimmende“ Gespräche mit der Verwaltungsführung der Stadt. Deren Unterstützung sei ein entscheidender Baustein für den Erfolg des Infrastrukturentwicklungskonzepts.
Kreistagswahl
Der Landkreis Ludwigsburg hat die Kandidatinnen und Kandidaten für die Kreistagswahl am 9. Juni bekanntgegeben. Unter ihnen sind zahlreiche (frühere) Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Im Strohgäu tritt aus Ditzingen Ulrich Bahmer an, aus Hemmingen Thomas Schäfer, beide CDU. Auch der Korntal-Münchinger Rathauschef Alexander Noak (parteilos) stellt sich zur Wahl. Über Langeweile im Rathaus könne er zwar nicht klagen, sagt er auf Anfrage und lacht. „Ich habe mir die Entscheidung tatsächlich auch nicht leicht gemacht, mich mit meiner Familie abgestimmt und gut abgewogen.“ Denn natürlich binde ein Sitz im Kreistag weitere Kapazitäten.
Sprachrohr
Aber: „Auf der anderen Seite bietet dieses Amt auch die Möglichkeit, die Interessen der Bürgerschaft direkt auf Landkreisebene zu vertreten. Hierzu sehe ich mich als Bürgermeister in gewisser Weise auch verpflichtet“, begründet Alexander Noak seine Kandidatur. Er sei der Überzeugung, dass gerade Bürgermeister aufgrund ihrer berufsbedingten Nähe zu den kommunal- und gesellschaftspolitischen Themen eine ganz wichtige Rolle als Vertreter und Sprachrohr für die Betroffenen einnehmen – was auch auf Landes- und Bundesebene nicht schaden würde. „Das betrifft ganz viele unterschiedliche Themen auf Kreisebene wie Flüchtlingsunterbringung, Ärzteversorgung, Umwelt- und Klimaschutz, Nahverkehr und Verteilung der Finanzmittel.“ Dass er parteilos und ungebunden bleibe, sei ihm wichtig gewesen. Deshalb kandidiert Noak auf der Liste der Freien Wähler.