Ehrenamt Vesperkirche ist Fürsorge auf Zeit

Von Klaus Nonnenmacher 

Am 6. Januar öffnet die Stadtkirche ihre Pforten. Bis zum 18. Februar wird dort täglich von 11.30 bis 13.30 Uhr ein warmes Essen nebst Kaffee und Kuchen angeboten.

Rund 200 Gäste täglich werden voraussichtlich in der Stadtkirche bewirtet. Foto: Rudel/Archiv
Rund 200 Gäste täglich werden voraussichtlich in der Stadtkirche bewirtet. Foto: Rudel/Archiv

Göppingen - Es geht weiter wie gewohnt.“ Für Wolfgang Baumung, dem Organisator der Vesperkirche von der Wohnungslosenhilfe Haus Linde ist das die beste Nachricht. Vor Jahresfrist stand die Zukunft der Vesperkirchen noch Spitz auf Knopf, es wurde gemunkelt, dass auch die Vesperkirchen von einem neuen Gesetz zur Umsatzbesteuerung betroffen seien. Das hätte bedeutet, dass man einen Teil der Umsätze versteuern müsste, also zusätzlichen finanziellen und bürokratischen Aufwand. „Es scheint aber so, dass es uns vorerst nicht betrifft“, sagt Baumung. Nicht zuletzt, weil man nach wie vor keinen Festpreis für das warme Essen erhebe, sondern eine Richtlinie für die Spende vorgebe.

Bis zu 200 Gäste pro Tga werden bewirtet

So ist alles für den neuerlichen Ansturm auf die Armenspeisung gerüstet. „Die Dienstpläne sind geschrieben, die ersten Einkäufe getätigt“, sagt Baumung. Rund 8000 Essen, etwa 200 pro Tag, so viele wie in den Vorjahren, werden voraussichtlich in den kommenden sechs Wochen in der zur Mensa umfunktionierten Stadtkirche ausgegeben. Mehr als 70 ehrenamtliche Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Neu wird dieses Jahr die behindertengerechte Außentoilette sein, die dem gemeinnützigen Verein zur Auflage gemacht worden war. „Ansonsten rechnen wir mit anhaltenden Gästezahlen und setzen auf Bewährtes“, sagt Baumung.

Dazu zählt die Maxime, dass weniger mehr sein kann. Zwar erhalte er viele Angebote von Musikern, die die Vesperkirche untermalen wollten. „Insgesamt stellen wir aber fest, dass viele unserer Gäste es schätzen, wenn es etwas ruhiger zu geht. Deshalb versuchen wir solche Dinge auch gering zu halten. Das Schöne sind ja die Tischgespräche, die Begegnungen zwischen den Menschen“, erklärt Baumung. Arm und Reich säßen miteinander zu Tisch. Viele Besucher kämen gerne vorbei, weil sie sonst alleine zu Hause säßen. In der Vesperkirche könne man sich ungezwungen einer Tischgesellschaft anschließen.

Nach sechs Wochen ist schon wieder Schluss

Etwas Programm gibt es allerdings: Der Eröffnungsgottesdienst am 6. Januar wird vom Radio SWR4 begleitet und einmal lassen es sich auch die Profi-Handballerinnen von Frisch Auf nicht nehmen, die Gäste gemeinsam zu umsorgen.

Dass aus der ursprünglich als Armenspeisung gedachten Vesperkirche längst ein Art Gemeinde auf Zeit geworden ist, die im Übrigen dank eines engagierten, festen Spenderkreises ihr Angebot aufrechterhalten kann, freut die Organisatoren. „Es bräuchte aber wohl streng genommen auch mehr Angebote dieser Art über das ganze Jahr hinweg“, mahnt Wolfgang Baumung.

Im Kreis Göppingen gibt es derlei lediglich als Treff der Heilsarmee in Geislingen sowie montags, mittwochs und freitags im Koala, der Anlaufstelle für drogenkonsumierende Menschen in Göppingen, und überdies freitags im Heaven-Underground, dem Café eines gleichnamigen Vereins der vier Göppinger Freikirchen nahe der Fußgängerzone. „Was fehlt, ist mindestens noch eine Tagesstelle für Wohnungslose“, sagt Baumung.