Ehrenamtspreis: Abschlussabend in der Filderhalle Vorbilder, die mit Musik begeistern

Von Ursula Vollmer 

Alle zehn Finalisten des Ehrenamtswettbewerbs „Starke Helfer“ haben beim Abschlussabend in der Filderhalle eine Auszeichnung entgegengenommen.

Die Preisträger des Ehrenamtspreises. Foto: Ursula Vollmer
Die Preisträger des Ehrenamtspreises. Foto: Ursula Vollmer

Filder - Wilhelm Busch hat mit manchem Knittelvers den Nagel auf den Kopf getroffen. Aber hier irrte der Meister: „Willst du froh und glücklich leben, lass’ kein Ehrenamt dir geben!“, soll er gereimt haben. Eine Gesellschaft ohne jedes bürgerschaftliche Engagement, ohne uneigennützig erbrachten Einsatz, ohne „Starke Helfer“? Welch trübe Aussicht – und zum Glück auch für jene Menschen kaum vorstellbar, die am Montag im Kleinen Saal der Filderhalle im Mittelpunkt standen.

„Sie sind die Hauptpersonen des heutigen Abends“, sagte Franz Scholz, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen (KSK) zu den erwartungsfrohen Gästen, „um Ihr ehrenamtliches Engagement geht es. Wir wollen es ins rechte Licht rücken und Ihnen für Ihre Ausdauer und Begeisterung danken.“ Die KSK hatte gemeinsam mit der Filder-Zeitung zur Abschlussveranstaltung des Ehrenamtswettbewerbs „Starke Helfer“ geladen, der 2012 bereits zum neunten Mal ausgeschrieben worden war und in diesem Jahr unter einem schwungvollen Motto stand: „Für Musik begeistern“.

„Musizieren ist wie Lachen“

Aufgerufen zur Teilnahme waren alle Hobby- und Berufsmusiker, die in ihrer Freizeit das eigene Können und vor allem die Freude am Musizieren an Jung und Alt weitergeben. „Das ist wichtig in einer Gesellschaft, in der sich viele als unmusikalisch bezeichnen und das Fach Musik als eines der ersten gestrichen wird, wenn es gilt, im Schuletat Kosten einzusparen“, betonte Scholz. Dabei sei Musizieren wie Lachen: „Es bewegt, rührt an, tut gut“. Völlig zu Recht stellte er am Montag deshalb einen „vergnüglichen und wohltuenden Abend“ in Aussicht.

Das Beeindruckende am diesjährigen Ehrenamtsmotto war nämlich nicht nur das vielfältige Engagement, das sich im Bereich der Filder-Zeitung in zwei Dutzend Bewerbungen offenbart hatte, sondern ebenso die faszinierende Bandbreite der einzelnen Einsendungen. Natürlich lag es auf der Hand, zumindest die älteren Musiker um einen Beitrag zum Rahmenprogramm zu bitten, während alle singbegeisterten Kinder da wohl schon dem nächsten Tag entgegen schlummerten.

„Schlagzeilen“ mit der Zeitung

Zum Auftakt sorgte die Gruppe offbeat mit ihrer Rhythmus-Percussion „Schlagzeilen“ für ein Publikum, das gebannt den Atem anhielt: Sieben Schüler der Waldorfschule Bonlanden unter Leitung von Hella Kettnaker ließen für diese Komposition Zeitungsseiten knistern und flüstern, stampften dazu kräftig im Takt und machten so Musik ohne Noten im herkömmlichen Sinn.

Über diese originelle Zweitnutzung einer Zeitung freute sich auch Norbert J. Leven, der Redaktionsleiter der Filder-Zeitung, der die Preisträger einzeln nach vorne bat und gemeinsam mit Franz Scholz Geldpreise und Urkunden übergab. Die Jury hatte sich die Rangfolge nicht leicht gemacht und das Preisgeld von 5000 Euro schließlich aufgeteilt: Drei Projekte wurden mit je 400 Euro bedacht, sie teilen sich den dritten Platz. Jeweils 500 Euro kommen den vier Zweitplatzierten zugute, und an jeden der drei „Sieger“ fließen 600 Euro (siehe nebenstehende Zusammenfassung der einzelnen Projekte).

Patenschaften von Abgeordneten

Als Tüpfelchen auf dem „i“ kommen Patenschaften von Ministerpräsident Winfried Kretschmann sowie den beiden Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold (SPD) und Judith Skudelny (FDP) hinzu, die ohne Kenntnis der Platzierung ihre Unterstützung angekündigt haben.

Auch Rolf Weinmann und sein Orchester Concave gehören zu den glücklichen Nutznießern. Die Musiker des Akkordeon-Orchesters verbinden ihr Können gern mit sozialem Mehrwert, indem sie häufig Benefizkonzerte zu Gunsten lokaler Einrichtungen geben. „Ich möchte jugendlichen Musikern Mut machen, an sich selbst zu glauben und sich als Teamplayer im Orchester zu beweisen“, sagte der Ensembleleiter, bevor die Musiker ihren Instrumenten ebenso zartperlende wie mitreißend-voluminöse Klänge entlockten. Vor allem die furiose Tritsch-Tratsch-Polka brachte manches Knie zum Wippen.

Dank für Unterstützer

Als weiteres Highlight präsentierte das Jugendmusikorchester unter der Leitung von Yoshikazu Arafune sein Können. Lars, ein junges Orchestermitglied, kündigte gut gelaunt Lieblingsstücke an wie Schostakowitschs „Walzer Nr. Zwei“, „Michaels Klarinette“ oder Elgars packendes „Pomp and Circumstance“. Das Orchester zeigte sich bestens gewappnet für eine Japanreise, die 2014 ansteht. Um auch Anfängern das Mitmachen zu ermöglichen, schreibe ihr Mann einzelne Teile einer Partitur oft um, berichtete Regine Arafune und dankte gleichzeitig allen Unterstützern.

„Darum geht es: den vielen Ehrenamtlichen aus unserer Nachbarschaft ,Dankeschön‘ zu sagen“, hatte Franz Scholz schon zuvor bekräftigt, „nicht nur den Preisträgern, sondern stellvertretend allen, die für andere da sind. Sie alle sind Vorbilder.“