Eiermann-Campus in Stuttgart Altes IBM-Areal ist für Planer harte Nuss

Von Josef Schunder 

Neue Baurechte auf dem ehemaligen IBM-Areal in Vaihingen sollen die Rettung von vier Kulturdenkmalen wirtschaftlich machen. Das erweist sich aber als immer schwieriger. Fachleute fordern für ein lebendiges Viertel viele Wohnungen, die CDU will nur wenige.

Die Suche nach einem Konzept, das den Erhalt der Eiermann-Gebäude  erlaubt, erweist sich als immer schwieriger. Foto: Zweygarth
Die Suche nach einem Konzept, das den Erhalt der Eiermann-Gebäude erlaubt, erweist sich als immer schwieriger. Foto: Zweygarth

Stuttgart - Die Denkmale auf dem ehemaligen IBM-Areal in Vaihingen erhalten und die Sanierung mit Hilfe von neuen Baurechten finanzieren lassen – das ist die Strategie der Stadt Stuttgart. Die Umsetzung wird aber schwierig. Wie schwierig, ist am Dienstag deutlich geworden. Da befasste sich im Rathaus der Städtebauausschuss damit. Die Architekten, Landschaftsplaner, Ingenieure und Stadträte wirkten dabei zeitweise ratlos.

Der Wohnsoziologe Tilman Harlander sagte gegen Ende der Sitzung: 2000 Einwohner auf diesem Campus mit vier denkmalgeschützten Bauwerken nach Entwürfen von Egon Eiermann wären „viel zu wenig“, wenn man zwischen Bäumen und reichlich Straßen am Autobahnkreuz Stuttgart ein lebendiges Stadtquartier schaffen wolle. Die kritische Masse von Einwohnern und Beschäftigten müsse möglichst hoch sein. Landschaftsplaner Frieder Luz sah es ähnlich. Architekt Carl Fingerhuth riet aber auch noch dringend zu bodennahen und attraktiven Wohnformen, etwa in einer Gartenstadt mit Gebäuden von maximal drei Etagen. Diverse andere Mitglieder erklärten eine verkehrliche und grünplanerische Vernetzung dieser Insellage mit der Umgebung für nötig.

CDU will maximal 25 Prozent Wohnen

Sehr deutlich wurde, dass sich kommende Woche die tektonischen Spannungen noch verstärken dürften – wenn der Umwelt- und Technik-Ausschuss Vorgaben für vier Architekturbüros liefern soll, die nach der ersten Runde des städtebaulichen Ideenwettbewerbs ihre Modelle verbessern sollen. Diese Entwürfe sehen zwischen 52 und 83 Prozent der Bruttogeschossflächen für Wohnen vor und würden dafür schon in den Waldbestand eingreifen. Die 700 bis 1120 Wohnungen, die sich daraus ergeben, würden aber auch nur etwa 2000 Einwohner ergeben.

CDU-Fraktionschef Alexander Kotz will weniger Einwohner. Er fordert, die Wohnflächen zu Gunsten von Gewerbeflächen auf 25 Prozent zu begrenzen. Dies sei das Ergebnis eines Kolloquiums und eines Grundsatzbeschlusses gewesen. Der Grundstückskäufer, der viele Wohnungen vermarkten möchte, habe das gewusst.

Die Stadtverwaltung hat viele Probleme. Eines davon: Ausgleichsmaßnahmen für Baumfällungen wären mangels geeigneter Flächen in Stuttgart nicht möglich.

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