Eiermann-Campus Vaihingen Stadträte wollen den neuen Stadtteil
Das Wohngebiet für 4000 Menschen auf dem Eiermann-Campus im Westen von Stuttgart-Vaihingen sowie die Verkehrsanbindung des neuen Quartiers sollen so rasch wie möglich gebaut werden.
Das Wohngebiet für 4000 Menschen auf dem Eiermann-Campus im Westen von Stuttgart-Vaihingen sowie die Verkehrsanbindung des neuen Quartiers sollen so rasch wie möglich gebaut werden.
Stadträte fast aller Fraktionen sind sich einig: Das Wohngebiet für knapp 4000 Menschen auf dem Eiermann-Campus im Westen von Stuttgart-Vaihingen wird auf jeden Fall gebaut, auch wenn der Investor Adler, dessen Mutterkonzern offenbar in finanziellen Turbulenzen steckt, ausfallen sollte. Deshalb werde es auch keine Abstriche an der Verbesserung des ÖPNV in Vaihingen geben. Für ihn werden dem Gemeinderat voraussichtlich im zweiten Quartal vertiefende Studien über Seil- und Stadtbahnlösungen vorgestellt.
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„Wir müssen die Hinweise auf die Finanzierungsprobleme des Investors ernst nehmen und dennoch die Planung des Baugebiets rasch abschließen“, sagt Jürgen Sauer (CDU). Das Bebauungsplanverfahren dauere viel zu lange. Man brauche das Wohngebiet dringend, nicht zuletzt im Hinblick auf die dort geplanten Studentenwohnungen. „Wir warten jetzt auf die Studienergebnisse einer möglichen Stadtbahnverlängerung, einer Seilbahn sowie zu einer optimierten Busverbindung zum Eiermann-Areal. Angesichts der Größe des Stadtteils brauchen wir für dessen ÖPNV-Anbindung dringend eine Lösung“, ergänzt der CDU-Stadtrat.
„Wir sind im Bebauungsplanverfahren, und wir hatten ja auch einen Wettbewerb, hinter dessen Ergebnissen ich nach wie vor stehe“, sagt Beate Schiener (Grüne). Sie gehe nach wie vor davon aus, dass das Gebiet komme, sei aber entsetzt über eine Klausel, die es Investoren erlaube, das Gebiet weiterzuverkaufen: „Mit jedem Verkauf wird alles teuerer, und das hat Auswirkungen auf den Wohnungspreis.“ Den ÖPNV dürfe man nicht erst angehen, wenn die Gebäude stünden: „Das muss Hand in Hand gehen.“ Die Grünen im Rathaus, sagt Beate Schiener, würden eine Seilbahn begrüßen: „Das wäre ein super innovatives Projekt. Wir müssen der begrenzten Straßen wegen in die Höhe gehen“, so die Grünen-Stadträtin.
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„Wir hätten es gerne gesehen, wenn die Stadt das Eiermann-Areal gekauft hätte, aber dafür gab es keine politische Mehrheit im Rathaus“, sagt Lucy Schanbacher (SPD). Jetzt müsse die Stadt ein Gebiet entwickeln, das ihr nicht gehöre: „Der einzige Hebel, den wir haben, ist der Bebauungsplan.“ Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Verwaltung Vereinbarungen mit einem Investor treffe, dem nicht mehr zu trauen sei: „Niemand will eine Situation wie mit den Fellbach-Towers, die jetzt halbfertig dastehen.“ Deshalb sei man noch weit davon entfernt, über den Kauf des Areals durch die Stadt nachdenken zu müssen, wenn es aber so weit käme, müsse man dafür im Rathaus die politische Mehrheit finden.
„Die Erschließung des Gebiets durch den ÖPNV muss auf jeden Fall kommen, denn irgendwer wird den Campus eines Tages bebauen. Wir brauchen deshalb einen vernünftigen Nahverkehrsplan, der Vaihingen vom Autoverkehr entschlackt“, sagt Matthias Oechsner (FDP). Seine Fraktion werde darauf drängen, die ÖPNV-Verbindung zum Campus zu verwirklichen: „Die Bebauung dort, durch wen auch immer, wird kommen, und es wäre schlecht, wenn es dann keinen öffentlichen Nahverkehr gäbe.“
Auch Stefan Urbat (Die Fraktion) ist sich sicher, dass der Eiermann-Campus bebaut wird: „Für das Gebiet ist alles vorgegeben, es kommt nur darauf an, wer es ausführt. Die Stadt könnte das auch in Eigenregie tun.“ Man müsse dafür den ÖPNV dringend verbessern: „So wie er jetzt ist, kann er nicht bleiben.“ Man müsse die vertiefenden Studien abwarten und dann entscheiden, wie er aussehen solle. „Meine Fraktion ist auch offen für eine Seilbahn. Eine Stadtbahn wäre eine gute große Lösung, aber es dauert sehr lange, bis sie fertig ist.“
„Wir sollten auf jeden Fall am Projekt festhalten, auf dem Campus ein Wohngebiet zu entwickeln, wir müssen ja nicht unbedingt am Investor festhalten“, sagt Deborah Köngeter (Fraktionsgemeinschaft Puls). Man bekomme dies auch ohne die wechselnden Investoren hin. Das Areal müsse mit ÖPNV erschlossen werden, „um uns das Wohnpotenzial und die ergänzenden Nutzungen wie Schule, Kitas und Arbeitsplätze zu erhalten.“ Der Ausbau des ÖPNV müsse mit der Reduzierung von Autoparkplätzen einhergehen. Deshalb solle man im Quartier das Carsharing voranbringen.
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„Man muss abwarten, was kommt“, sagt Michael Schrade (Freie Wähler). Für die Entscheidung über die Art des ÖPNV brauche man erst die Ergebnisse der vertiefenden Studien. Die Seilbahntrasse durchs Rosental sei hoch umstritten, und eine Stadtbahn mit Tunnel gebe eine jahrelange Großbaustelle. Was den Investor angehe, sei die Situation schwer einzuschätzen: „Ihm gehört das Gelände, und er entwickelt es. Die Stadt hat entschieden, dass dort Wohnbau stattfinden soll. Dass sie nun die Geschichte auf Eis legt, sehe ich nicht.“ Selbst wenn das Gelände weiterverkauft würde, brauche man einen Bebauungsplan, um das Ziel des Wohnungsbaus dort weiterzuverfolgen.