Ein Erfahrungsbericht Heirat mit Hindernissen – Schlangen an der Botschaft

Deutsche Botschaft, Peking, Nordeingang, Ecke Xindong Lu zwischen der kanadischen Botschaft und der Vertretung der EU-Kommission. Geöffnet wird um acht, die ersten Menschen stehen meist schon gegen vier Uhr an. Natürlich müssen die Unterlagen für das Visum hier persönlich vom Antragsteller abgegeben werden. Viele Unterlagen. Mitten drin im Papierstapel auch das „Antragsformular und Zusatzerklärung für einen längerfristigen Aufenthalt“ – oder kurz und einprägsam: RK-1200. Mitten drin in der Menschenmenge: eine Reihe von windigen Gestalten, die einem noch schnell eine Krankenversicherung für das Reiseland verkaufen wollen. Manch ein Zeitgenosse mag die vergessen haben. Die braucht man schließlich auch noch, ebenso wie den Nachweis, Grundkenntnisse der deutschen Sprache in einem Kurs erworben zu haben. Aber warum der Staat in seinem Formular RK-1200 in dreifacher Ausfertigung handschriftlich die Erklärung benötigt, dass der Antragsteller nicht vor­-bestraft ist, bleibt ein Rätsel. So wie manch anderes ein Rätsel bleibt: Ist es für den Fortbestand der Bundesrepublik tatsächlich entscheidend, dass der Vermieter die Quadratmeterzahl der künftigen Wohnung mit seiner Unterschrift bestätigt? Wieso braucht die Ausländerbehörde neben den drei letzten Gehaltsabrechnungen eine schriftliche Bestätigung des Arbeitgebers, bevor sie ihren Segen erteilt? Und warum, bitte schön, benötigen alle drei Passbilder der Antragstellerin auf ein deutsches Visum einen blütenweißen Hintergrund?

Mit der EU ist alles noch schwieriger geworden

Je mehr Europa zusammenwachse, desto mehr schotte es sich nach außen ab, hat Hiltrud Stöcker-Zafari in den letzten Jahren beobachtet. Die Hochzeit mit visumpflichtigen Ausländern sei komplizierter geworden. Da ist es ein schwacher Trost, dass Franzosen oder Dänen ähnliche Regeln wie Deutschland aufgestellt haben, angereichert mit landestypischen Besonderheiten. Anregungen für den Gesetzgeber, den Weg für multinationale Beziehungen einfacher zu gestalten, hat Stöcker-Zafari genug. Ganz oben auf dem Wunschzettel steht ein Punkt, der vielen Paaren schon vor der Hochzeit Kopfzerbrechen bereitet. „Man muss eine Möglichkeit schaffen, dass die Paare auch ­ohne Hochzeit in Deutschland länger zusammenleben können, um sich besser kennenzulernen“, sagt Stöcker-Zafari. Mehr als 90 Tage kann derzeit niemand bleiben, und ob das dafür notwendige Touristenvisum für solch einen langen Zeitraum ausgestellt wird, ist eine ganz andere Frage. Oft ist das nicht der Fall.

Epilog: Wie anfangs erwähnt, wir haben es geschafft. Heiratserlaubnis bekommen, ­Visa erhalten, Hochzeit gefeiert. Eine sehr schöne übrigens. Aber der Staat rächt sich. Natürlich gibt die Hochzeitsurkunde allein der visumpflichtigen Ausländerin nicht das Recht, beim Inhaber des deutschen Reisepasses zu bleiben. Dafür braucht es einen Aufenthaltstitel. Den hat die Ausländerbehörde bis letzten Herbst nahezu unentgeltlich in den Pass gestempelt. Nun gibt es ein extra Plastikkärtchen dafür. Der Service der Bundesdruckerei ist für 110 Euro zu ­haben. Wer nun einwendet, es sei ja angenehmer, ein Plastikkärtchen mit sich zu führen als immer einen Reisepass, der hätte ja schon recht. Im Prinzip. Allerdings ist das Plastikkärtchen nur in Verbindung mit dem Reisepass gültig.

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