Ein Garten für jede Jahreszeit Romantischer Staudengarten

Sitzplatz unterm Walnussbaum: Ursula Haubers Staudengarten gibt es jede Menge Möglichkeiten, sich auszuruhen und allerlei hübsche Dinge, die die Gärtnerin auf Flohmärkten aufgestöbert hat. Foto: Frank M. von Berger

Lesenswert aus dem Plus-Archiv: Besuch bei einer Frau, die nie gärtnern wollte und dann doch einen prachtvollen Garten angelegt hat. Ursula Haubers Reich liegt in der Nähe von Freiburg – harte Kanten und Ecken sucht man vergebens.

Freiamt-Niedertal - Ein charmantes Gartentor lädt die Besucher ein. Gleich daneben ragt ein von Rosen berankter Obelisk zwischen bunt blühenden Stauden hervor, die auch schon mal keck über den Gartenzaun hängen. Ein paar Schritte weiter plätschert ein dekorativer Wandbrunnen an der Hauswand. Zahlreiche Ausblicke in verschiedene Gartenräume locken weiter in den Garten von Ursula Hauber im badischen Freiamt-Niedertal, knapp 30 Kilometer nordöstlich von Freiburg.

 

„In meiner Jugend habe ich mich immer vor der Gartenarbeit gedrückt. Bloß nie einen Garten pflegen müssen, habe ich mir damals geschworen!“ Ursula Hauber muss heute lachen, wenn sie daran denkt. Sag niemals nie – denn inzwischen ist sie, wie sie selbst sagt, unheilbar mit dem „Gartenvirus“ infiziert. Ihr romantischer Staudengarten liegt idyllisch in einem sonnigen Tal am Brettenbach, umgeben von Weiden und Wiesen.

„Früher war der jetzige Garten eine Wiese, die für Viehfutter gemäht wurde“, sagt Ursula Hauber. „Ich weiß noch, wie ich an einem heißen Sommersonntag Ende der 1980er Jahre auf dieses gelb verbrannte Stück Land schaute, auf dem unser Ältester spielte. Kein Schatten weit und breit – ich dachte, dass es nicht wirklich schön aussieht. Nach und nach habe ich die Wiese dann bepflanzt und schließlich in einen Staudengarten verwandelt.“

Zu gießen gibt es eine Menge

Die Autodidaktin entdeckte damals ihren grünen Daumen, knüpfte erste Kontakte zu Pflanzenfreunden und lernte die Kunst der Gartengestaltung durch Gartenbesuche und den Austausch mit Gleichgesinnten. Schließlich wurde sie Mitglied der Gesellschaft der Staudenfreunde und eine echte Pflanzenkennerin. Gartenreisen, zunächst in die Niederlande, später auch nach England, brachten Ursula Hauber auf immer neue Ideen für den eigenen Garten.

Inspirationen bekommt sie durch Zeitschriften, aber vor allem durch den Austausch mit anderen Pflanzenfreunden. Gartenreisen unternimmt sie gern, jetzt aber meist in der kalten Jahreszeit, weil die Pflege des Gartens eine längere Abwesenheit im Sommerhalbjahr nicht zulässt. „England ist auch im Winter sehenswert, vor allem zur Schneeglöckchenblüte“, verrät die Liebhaberin dieser kleinen Zwiebelgewächse.

Ihren Garten pflegt sie übrigens allein. Ihr Mann unterstützt sie jedoch auf ganzer Linie und hilft beispielsweise im Sommer beim Gießen. Und zu gießen gibt es eine Menge, denn überall im Garten und rund ums Haus verteilt sind unzählige Pflanzgefäße, teils mit Stauden, teils mit einjährigen Sommerblumen bepflanzt.

Eine Gartenlaube und ein „Bienenhäusle“

In vielen Töpfen wachsen Funkien (Hosta). „Darin sind sie besser vor Schneckenfraß geschützt“, erklärt sie. Wenn die schleimigen Plagegeister zu lästig werden, streut sie ein für den Biolandbau zugelassenes Schneckenkorn – übrigens das einzige Pflanzenschutzmittel, das sie verwendet.

Ein Teil des rund 1700 Quadratmeter großen, vorwiegend sonnigen Gartens befindet sich in Hanglage, was für die Gestaltung eine Herausforderung und ein Glücksfall ist. An der höchsten Stelle thront ein altes, gemütlich als Gartenlaube eingerichtetes Imkerhaus, liebevoll das „Bienenhäusle“ genannt. Von dort aus hat man einen schönen Überblick über den Garten. Mehrere Terrassen führen hinunter auf eine große Rasenfläche, wo ein lauschiger Sitzplatz unter der Schatten spendenden Krone eines Walnussbaums zum Verweilen einlädt.

Die Wege im Garten sind schmal und gewunden, harte Kanten und Ecken sucht man in „Ursulas Garten“, wie die Schöpferin ihr Reich nennt, vergebens. Immer wieder finden sich schöne Blickfänge: alte Zinkgefäße, Gießkannen aus Omas Zeiten, Getöpfertes und allerlei hübsche Dinge, die Ursula Hauber auf Flohmärkten aufgestöbert hat.

Pastelltöne und harmonische Farbverläufe

Ein besonderer Hingucker ist der große, runde Steinbrunnen, den die Gartenenthusiastin während einer Urlaubsreise in südlichen Gefilden entdeckt hat – und natürlich gleich mit passenden Pflanzen bestückte. Die filigranen Blüten des Spanischen Gänseblümchens (Erigeron karvinskianus) bilden einen aparten Kontrast zu der dekorativen Brunnenschale.

Im Frühjahr ist der Garten dank zahlreicher Zwiebelblüher lebhaft bunt. Später überwiegen Pastelltöne und harmonische Farbverläufe. Knalliges Gelb ist dann nicht mehr erwünscht. Bei der Bepflanzung legt die Staudenkennerin nicht nur Wert auf Blütenfarben und -formen, sondern auch auf Blattschmuck. Pflanzen mit geschlitztem oder gefiedertem Laub, glänzende oder wollig behaarte Blätter sowie Ziergräser lassen die Beete auch dann interessant aussehen, wenn mal gerade nichts blüht.

Nur panaschierte Sorten, also solche mit weiß- oder gelbbuntem Laub, verwendet Ursula Hauber selten. „Die machen so ein unruhiges Gartenbild“, findet sie. Am liebsten hat sie übrigens kleine, eher unspektakuläre Stauden wie Storchschnabel-Arten (Geranium), die um die Hauptakteure im Beet charmant herumwuseln.

Dahlien im Herbst

Jetzt, im Spätsommer und Herbst, sind es vor allem Astern, Dahlien und Gräser, die dem Garten noch einmal zu einem Höhepunkt verhelfen. Auch das sich verfärbende Laub der Pflanzen, etwa das der Scheinrebe (Ampelopsis), und der dekorative Fruchtschmuck vieler Gehölze ziehen die Blicke auf sich.

Ursula Hauber öffnet ihren Garten gern auch für Besucher. Und das nicht nur für die Aktion „Tag der offenen Gartentür“ des Landkreises Emmendingen, bei der sie seit mehr als zehn Jahren teilnimmt. „Ursulas Garten“ ist zudem an vielen anderen Tagen gegen einen kleinen Obolus für Gäste geöffnet. Wann genau, erfährt man über die hauseigene Website.

Mit den Jahreszeiten wechselt das Aussehen der Anlage, sodass sich ein Besuch eigentlich die ganze Saison über lohnt. Besucher können dann außer der Pflanzenvielfalt und dem romantischen Ambiente auch Kaffee und selbst gebackenen Kuchen im Garten genießen. Vielleicht nehmen sie zudem auch die eine oder andere Inspiration für den eigenen Garten mit nach Hause.

Garten im Winter

Ein Garten sollte auch im Winter nicht kahl aussehen, meint Ursula Hauber. Für ein ganzjährig schönes Gartenbild empfiehlt sie die Verwendung immergrüner Gehölze, etwa Spindelsträucher (Euonymus). Davon gibt es viele immergrüne Arten und Sorten mit attraktivem Laub. Auch Gräser haben im winterlichen Garten einen hohen Zierwert, wenn man sie nicht schon im Herbst, sondern erst im zeitigen Frühjahr zurückschneidet. Und frostbeständiger Gartenschmuck bleibt bei Ursula Hauber auch im Winter draußen – so bietet der Garten rund ums Jahr schöne Blickfänge.

Besuch im Garten

Informationen zu einem Gartenbesuch unter http://ursulas-garten.de/, Niedertal 8, 79348 Freiamt.

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