InterviewEin Gespräch über den Wald im Strohgäu Der Regen reicht nur für dreckige Schuhe

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Im Heimerdinger Wald haben die Eichen den heißen Sommer relativ gut überstanden. Der Niederschlag zum Jahresende lindert die metertiefe Trockenheit im Boden kaum. Der Borkenkäfer spielte keine große Rolle, berichtet der Förster Steffen Frank.

Steffen Frank mit seinem Hund Dana – in einer Schonung, in der auch Nordmanntannen für Weihnachten heranwachsen, Foto: factum/Weise
Steffen Frank mit seinem Hund Dana – in einer Schonung, in der auch Nordmanntannen für Weihnachten heranwachsen, Foto: factum/Weise

Ditzingen/Hemmingen - Wenig Wasser im Wald – das hat sich unterschiedlich ausgewirkt. Zwischen Heimerdingen, Hemmingen und Ludwigsburg sind die meisten Bäume mit dem trockenen Sommer gut zurecht gekommen. Ein Gespräch zwischen Eiche und Tanne zum Jahresschluss.

Herr Frank, wie haben Eiche, Fichte, Buche und Co. den Stress des extrem heißen und trockenen Sommers 2018 überstanden?

Wir haben in diesem Frühjahr viele Eichen gepflanzt, weil sie das wärmer werdende Klima gut vertragen. Es ist erstaunlich, wie sich diese jungen Bäume trotz des ausgebliebenen Regens gehalten haben. Anfang August haben die großen Buchen schon ihre Blätter auf Herbstfärbung gesetzt. Diese Stressreaktion führt dazu, dass der Baum weniger Wasser braucht. Wir müssen warten, ob sie im nächsten Frühjahr wieder so austreiben wie früher. Die großen Eichen hingegen haben normale Herbstfärbung ohne frühzeitigen Blattfall gezeigt.

Sind große alte Bäume wegen Trockenheit abgestorben?

Erst zum Schluss des Jahres ist mir aufgefallen, dass die Kiefer ziemlich gelitten hat; obwohl sie eigentlich ein tiefes Wurzelsystem hat und deshalb Trockenheit gut vertragen sollte. Dies ist aber nur an tiefgründigen Stellen so, wenn also genügend Erdreich vorhanden ist. Kiefern auf steinigem Untergrund weisen nicht selten Trockenschäden auf. Auf solchen Standorten ist der Boden nicht so lange feucht; er trocknet oben aus, weil das Wasser rasch nach unten sickert. Dann leiden die Bäume.

In den vergangenen Tagen hat es lange geregnet. Damit ist das Problem Trockenheit wohl erledigt. Oder?

So denken viele. Die Wahrheit aber ist eine andere: Der Regen, den Sie meinen, war eigentlich nur ein müdes Getröpfel – wenn man es im Verhältnis zu dem sieht, was fehlt. Die Böden sind metertief ausgetrocknet, bis jetzt ist nur die oberste Handbreit feucht. Das reicht für dreckige Schuhe, aber nicht viel weiter. Um genügend Feuchtigkeit in die Tiefe des Bodens zu bekommen, muss es wochenlang ganz leicht regnen.

Es gab doch aber auch Schädlinge, nicht nur extreme Trockenheit.

Die Schäden durch den Borkenkäfer an der Fichte blieben überschaubar. Wir haben befallene Fichten rasch geschlagen und aus dem Wald genommen. Auch da sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.

Mussten Sie mehr Bäume fällen als geplant?

Nein. Wir haben vorgesehene Einschläge von gesundem Holz verschoben. Das geschlagene befallene Holz war gerade soviel, wie wir ursprünglich vorhatten zu fällen.

Wie hat sich die extreme Trockenheit sonst noch ausgewirkt? Ist Unterholz abgestorben, sodass Wild jetzt weniger Deckung hat?

Nein. Das Unterholz bilden Bäume der nächsten Baumgeneration. Die haben normalerweise schon tiefe Wurzeln. Da gibt’s keine Probleme.

Hat sich der fehlende Regen auf das Wild ausgewirkt?

Wild trinkt nicht aus Pfützen, es nimmt seinen Wasserbedarf aus der Nahrung. Das Gras war eigentlich immer grün. Das Wild hatte genügend feuchtes Frischfutter.

Nochmals zu den Bäumen. Hatten Sie in den Jungbaumschonungen mehr Ausfälle als in normalen Jahren?

Die Eichen haben mich positiv überrascht. Wir stellen unsere Nachpflanzungen zeitlich um. Das haben wir früher ausschließlich im Frühjahr gemacht, jetzt pflanzen wir eher schon im Herbst. Wurzeln wachsen, wenn der Boden nur sechs Grad hat. Wir können von Oktober an pflanzen. Auch das hilft den jungen Bäumen am Anfang.

Wie setzt sich der Wald in Ihrem Revier in Ditzingen und Hemmingen zusammen?

85 bis 90 Prozent sind Laubbäume, der Rest sind Nadelbäume, vor allem Fichten und Douglasien. Die Fichte wird aussterben, die Douglasie das Rennen unter den Nadelhölzern machen. Bei den Laubhölzern haben Eiche und Buche jeweils etwa 35 Prozent. Das heißt: In Hemmingen, Ditzingen oder Münchingen ist jeder dritte Baum eine Eiche, dazu kommen ebenso viele Buchen. Alle anderen Baumarten verteilen sich auf den restlichen Anteil.

Müssen Sie Konsequenzen aus der extremen Witterung ziehen? Die soll ja vielen Vorhersagen nach auch in den nächsten Jahren warm und trocken sein.

Wir müssen langfristig denken. 50 Jahre sind ja für einen Förster eigentlich nichts. Eichen werden 200 Jahre alt. Wir müssten jetzt abschätzen, wie das Klima in 200 Jahren ist. Das ist aber nicht möglich. Es wird sicherlich nicht kühler und feuchter, sondern eher trockener und wärmer, gerade im Sommer. Wir pflanzen die Baumarten, die mit der Klimaveränderung am besten klarkommen. Das ist bei uns die Traubeneiche.

Haben Sie damit schon angefangen?

Ja. Wir ersetzen damit die Eschenbestände. Die gehen uns wegen des Eschentriebsterbens ein.

Zurück zum Borkenkäfer. Waren in diesem Jahr Schädlinge stark verbreitet?

Der Borkenkäfer befällt die Fichte. Da wir davon aber nur zehn Prozent im Bestand haben, tun wir uns leichter, als wenn das Revier nur aus Fichten besteht. Wir hatten den Käfer gut im Griff. Wir sind jede Woche durch die Fichtenbestände gegangen. Man erkennt den Schädling leicht an braunem Bohrmehl am Fuß des Baumes oder in Spinnweben. Dann ist der Baum befallen, er muss von uns rasch gefällt und aus dem Wald entfernt werden.

Es gibt das Konzept, wie im Nationalpark Harz, den Borkenkäfer nicht als Feind zu betrachten, sondern als Helfer des Försters: Er bringt die Fichten zum Absterben, man sägt sie um, lässt sie liegen und dann die nachwachsenden Laubbäume hochwachsen.

Das kann man in nadelholzreichen Beständen machen. In unserem laubholzgeprägten Bereich ist das nicht sinnvoll. Einzelne abgestorbene Bäume, die der Borkenkäfer verlassen hat, lassen wir als Lebensraumbaum stehen, beispielsweise für den Specht. Auch mehrere abgestorbene Bäume auf einem Fleck dürfen als Totholz stehen bleiben. Das nützt. Wenn es wärmer und trockener wird, tut dies der Fichte nicht gut, sie wird weiter reduziert werden.

Wie lange lebt die Fichte normalerweise?

Etwa 80 bis 100 Jahre, wir haben seit 30 Jahren keine mehr gepflanzt. Wir schauen, dass die vorhandenen weiterleben und wir sie irgendwann gut verkaufen können. Denn sie werden gebraucht, beispielsweise von Zimmerleuten für Dachstühle. Bevor dafür Fichten aus Nord- oder Osteuropa importiert werden, bieten wir dieses Holz lieber selber am Markt an. Wir wollen unsere Fichten und andere Nadelhölzer planmäßig nutzen.

Heißt das: Durch die Mischstruktur, durch das seltene Vorkommen von gefährdeten Fichten ist es wenig wahrscheinlich, dass hierzulande der Wald großflächig abstirbt?

Jedenfalls geringer als im Reinbestand.