Florin Andrei und Claudius Krafft vom Bauhof sind die Weihnachtsbaum-Jury: Sie suchen die Bäume fürs Stadtgebiet aus. Foto: stefanie schlecht/Stefanie Schlecht
Die Weihnachtsbäume in Böblingen und Sindelfingen werden von Bauhof-Mitarbeitern mit viel Liebe ausgesucht. Dabei bekommen sie die verrücktesten Angebote aus der Bevölkerung, die den Nadelbaum aus dem Vorgarten loswerden will. Auch das Thema Transport kann nur als abenteuerlich bezeichnet werden.
Die letzten Tage vor Weihnachten sind für viele Menschen hektisch und vollgepackt mit Einkäufen in der sprichwörtlichen letzten Minute. Aber halt – es wäre zu schade, wenn nicht der eine oder die andere kurz innehalten würde, um wenigstens kurz die festlich beleuchteten Weihnachtsbäume in den dunklen Straßen in Böblingen oder Sindelfingen zu bestaunen. Die Bäume zu finden und aufzustellen, verlangt dem Bauhof-Personal nämlich ganz schön viel ab. Sieben der stattlichen Gewächse haben sie für die beiden Städte besorgt, doch in diesem Jahr war es eine ganz schön knappe Sache: Den richtigen Baum zu finden, ist nämlich alles andere als einfach.
Auch krumme Bäume finden Verwendung und werden zu Reisig für Weihnachtsschmuck weiterverarbeitet. / Stefanie Schlecht
Von Ende Oktober bis Ende November sind Claudius Krafft und Florin Andrei vom Zweckverband technische Betriebsdienste, der für die beiden Städte Böblingen und Sindelfingen zuständig ist, damit beschäftigt, den beiden Kommunen das perfekte Tannengrün zu organisieren. Die Bäume, die sie aufstellen, kommen zum größten Teil aus den Gärten von Privatpersonen. Um die richtigen Exemplare zu finden, betreiben sie viel Aufwand: Zuerst müssen sie die einzelnen Adressen anfahren und schauen, ob der betreffende Baum überhaupt passt: Ist er vielleicht zu groß? Zu klein? Zu breit? Zu kahl? Zu nah am Haus? Ist es zu kompliziert, um ihn zu fällen? „Als wir Mitte November noch nicht alle Bäume zusammen hatten, wurde es uns schon bange“, erzählt Claudius Krafft. Mithilfe einer Pressemitteilung rührte die Stadt Böblingen allerdings nochmals die Werbetrommel, woraufhin sich rund 15 neue Kandidaten meldeten, die der Meinung waren: ihr Baum sei der richtige.
Mit bis zu fünf Personen rückt der Bauhof gewöhnlich aus, um einen potenziellen Weihnachtsbaum zu fällen. In einem Arbeitskorb wird ein Kollege bis zur Spitze des Baumes hochgefahren, an der dann ein Seil befestigt wird, bevor unten am Stamm die Säge angesetzt wird. So wird der Baum weniger gefällt als „weggehoben“. Ideal sind Exemplare mit einer Höhe von bis zu zwölf Metern, die in Vorgärten – oder möglichst in Straßennähe – stehen. Um gut durch die Straßen navigieren zu können, darf der Baum auch nicht zu breit sein.
Mit einem zwölf Meter langen Weihnachtsbaum durch die Stadt
Dass wahrscheinlich nur wenige Leute jemals einen Weihnachtsbaum-Transport durchs Stadtgebiet gesehen haben, liegt daran, dass die Bauhof-Mitarbeiter diesen zu Zeiten planen, zu denen die meisten Menschen bereits schlafen. Es ist ja schlimm genug mit einem regulären Pkw im Stau zu stehen – mit einem zwölf Meter langen Weihnachtsbaum im Böblinger Stadtverkehr festzustecken, würde das vorweihnachtliche Stressbarometer sogar für die Bauhof-Mitarbeiter zu weit nach oben schnellen lassen.
Um die Wege möglichst kurz zu halten, beschränkt sich der Bauhof in seiner Auswahl meist auf Bäume im Stadtgebiet – Angebote aus Steinenbronn, Leinfelden-Echterdingen oder Gärtringen kommen meist nur in Ausnahmesituationen in Frage. Auch ein paar kuriose Angebote schlagen zur Weihnachtszeit beim Bauhof auf: Beispielsweise war ein mehr als 30 Meter hoher Mammutbaum mit einem Stammdurchmesser von rund zwei Metern im Angebot – der war dann doch eine Nummer zu groß.
Beim Stellen der Bäume wird darauf geachtet, dass sie in den jeweiligen Stadtgebieten landen, aus denen sie auch kommen: Wer also beispielsweise den Dagersheimer Weihnachtsbaum bestaunt, kann sich sicher sein, dass der Baum auch ein Dagersheimer Gewächs ist.
Weihnachtsbaum oder Maibaum?
Doch selbst Bäume, die nicht unbedingt zum Weihnachtsbaum taugen, fällen die Bauhof-Mitarbeiter gelegentlich. „Die Äste werden dann als Reisig verwendet, um Weihnachtsbuden oder dergleichen zu schmücken“, erklärt Claudius Krafft. Wenn im Laufe des Januars die Bäume auf den öffentlichen Plätzen wieder abgebaut werden, geht es für ihn und seine Kollegen direkt weiter: Einige werden gleich fürs nächste Jahr inspiziert und gegebenenfalls reserviert. Und wenn Weihnachten vorbei ist? Einige Bäume landen in der Häckselmaschine, andere bekommen jedoch ein zweites Leben: Der Dagersheimer Weihnachtsbaum wird beispielsweise zugeschnitten, eingelagert und hat ein paar Monate später seinen zweiten Auftritt als Maibaum. Das ist Recycling der besonderen Art.