Eindrücke aus dem Jugendstrafvollzug in Baden-Württemberg Freier Strafvollzug im Kloster

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Deutlich freier geht es im Projekt Chance in Creglingen zu. Im ehemaligen Kloster Frauental verbüßen 15 Häftlinge aus Adelsheim ihre Strafe in freier Form. Es gibt keinen Zaun, keine Mauer, doch sind klare Grenzen gezogen. „Wenn wir durch den Durchgang zwischen der Klosterkirche und dem Gemeindehaus gehen, dann kommt die Polizei. Dann ist das Flucht“, sagt Dominik. „Wer gegen die Regeln verstößt muss zurück nach Adelsheim“. Dominik hält sich an die Regeln und sitzt statt in der Zelle im von Gefangenen eigenhändig restaurierten Gemeinschaftsraum des Klosters bei Kaffee und Kuchen. Im Kreis von einem Dutzend Besuchern und noch einmal so vielen Mitgefangenen und Mitarbeitern des Projekts Chance.

Dominik weiß den Unterschied zu schätzen. Der 19-Jährige saß bereits in Konstanz in Untersuchungshaft und kurz in Adelsheim. Der junge Singener kam vor 14 Monaten nach Creglingen zum „Projekt Chance“ des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland (cjd) – ohne Schulabschluss, ohne Ausbildung, dafür mit jeder Menge auf dem Kerbholz. „Körperverletzung, mehr als 80 Diebstähle, räuberische Erpressung“, zählt Dominik auf.

Jetzt hat er den Hauptschulabschluss geschafft, „mit 2,7“, wie er lächelnd berichtet, und er kennt sich mit Malerarbeiten aus. „Draußen hätte ich niemals den Schulabschluss hingekriegt“, schätzt er seine Lage ein. Jetzt, wenige Tage vor seiner Entlassung, hat er einen Lehrvertrag in der Tasche und stellt sich darauf ein, dass er in Konstanz mit seiner Freundin und dem 16 Monate alten Sohn ein geregeltes Leben führen will.

Zum ersten Mal rechtschaffen müde

Den strukturierten Tagesablauf hat Dominik in Creglingen gelernt. Hier ist der Tag vom Joggen morgens um sechs durchgetaktet bis zum Schlafengehen. Dominik war eigentlich erst in Creglingen zum ersten Mal abends rechtschaffen müde. „Draußen wusste ich nicht, was ich machen soll, ich hatte kein Hobby, nichts“. Er hing mit seinen zahlreichen Cousins rum, beging die Einbrüche und sagt, er sei spielsüchtig gewesen.

In Creglingen restaurieren die jungen Strafgefangenen das Kloster. Abschnitt für Abschnitt, von Maurerarbeiten über das Verlegen von Holzböden bis zum Verputz. Das erhält das Kloster und weckt das Selbstvertrauen der Jugendlichen. Dominik scheint förmlich zu wachsen, als er beim Rundgang durch das Kloster die Malerwerkstatt präsentiert. „Wir sind hier in meinem Betrieb, ich bin hier quasi der Chef“. Der 19-Jährige hat alle Stufen der Hierarchie im Projekt Chance durchlaufen und es bis zum Tutor für andere Jugendliche gebracht. „Chillen gibts bei uns nicht“, sagt er. Man müsse sich anstrengen und das wichtigste sei eine Ausbildung.

Dominik gibt sich entschlossen, seine Malerlehre in Freiheit durchzuziehen. Sollte die Einsicht nicht ausreichen, hilft eventuell die Auflage. Der 19-Jährige wird auf Bewährung entlassen. „Die ist futsch, wenn ich meine Lehre abbreche“.

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