Eine Liebeserklärung an die Aussicht Ti amo, Karlshöhe
344 Meter, doch der Aufstieg lohnt sich – sogar im Hochsommer. Für unsere Autorin ist die Stuttgarter Karlshöhe viel mehr als nur eine Aussichtsplattform: nämlich ein Kurzurlaub fürs Gehirn.
344 Meter, doch der Aufstieg lohnt sich – sogar im Hochsommer. Für unsere Autorin ist die Stuttgarter Karlshöhe viel mehr als nur eine Aussichtsplattform: nämlich ein Kurzurlaub fürs Gehirn.
Einmal raus aus der Stadt, bitte! Die Karlshöhe ist ein, ach was, der Aussichtspunkt im Stuttgarter Süden. Ein Spot für erste Dates, zum Lesen, Bier trinken und ein grüner Zufluchtsort inmitten der Betonwüste. Sie verbindet den Westen mit dem Süden, hat eine laute und eine weniger laute Seite, einen Biergarten, ist umgeben von der Villa Gemmingen, dem Gustav-Siegle-Anwesen sowie verwinkelten und verwunschenen Gärten.
Achtung, kurze Geschichtslektionen: Die Karlshöhe war ursprünglich mal ein Steinbruch. Die hier abgetragenen Steine wurden unter anderem im Alten Schloss und im Ulmer Münster verwendet. Im Krater des ehemaligen Steinbruchs liegt heute übrigens ein Spielplatz. Super, jetzt könnt ihr beim nächsten Aufstieg direkt mit Stuttgart-Wissen punkten, lieben wir!
Apropos Aufstieg: Meine liebste Route ist neben der Stäffeles-Tour über die Hasenbergsteige, der Jean-Améry-Weg. Benannt nach dem österreichischen Schriftsteller und Widerstandskämpfer, führt dieser Pfad Serpentinen-artig zum Athenebrunnen von Bildhauer Karl Donndorf. Ihr merkt schon, es wird poetisch!
Im Mittelpunkt der neoklassizistischen Brunnenanlage ist die Statue der Göttin Athene im Moment ihrer Geburt zu sehen. Gegenüber der Blick über Stuttgart-West. Hier komme ich gerne hin, um zu Atmen – auf Parkbänken unter satten Baumkronen oder in der verschlungenen Parkanlage. Urlaub fürs Gehirn, die Stadt nur wenige Minuten entfernt, mit der Abendsonne im Gesicht. Genau das Richtige für die Tage, an denen alles zu viel erscheint. Realitätsflucht, aber im Schneckentempo – denn der Weg hat es im Sommer schon in sich. Für die langanhaltenden innere Ruhe also bitte die Pausen nicht vergessen.
Etwas belebter wird es natürlich Richtung Süd: Klar, immerhin gibt’s hier auch einen Biergarten mit Blick auf den Stuttgarter Fernsehturm – inklusive Panorama über Stuttgart-Mitte und -Süd. Kein Wunder ist die Karlshöhe auch ein beliebter Etappenstopp auf dem Blaustrümpflerweg.
Ihr merkt schon, dieser Ort hat wirklich alles, was man braucht: Aussicht, frische Luft, viel Grün und natürlich: Hunde. Außerdem, wie bereits erwähnt, finden hier sehr viele erste Dates statt, die ich natürlich stets diskret und aus der Entfernung wahrnehme – nicht beobachte, hust. Hach, hier liegt einfach Liebe in der Luft.
Das allerbeste an der Karlshöhe ist für mich jedoch, dass mein zweitliebster Ort der Stadt, nämlich das Städtische Lapidarium im Park der ehemaligen Villa Ostertag-Siegle, nur einen Abstieg weit entfernt ist. Die Parkanlage in der Mörikestraße ist als Freilichtmuseum eine Art „steinernes Bilderbuch“ der Stadtgeschichte.
Im Jahre 1905 legte Karl von Ostertag-Siegle diesen nach Vorbildern italienischer Renaissancegärten an. Dort ließ er eine Vielzahl von Fragmenten römischer Antiken anbringen, die er auf seinen Reisen erworben hatte. Also mit viel Fantasie befindet man sich hier kurz einmal in Italien. Und wenn wir schon mal bei Italien sind: Karlshöhe, ti amo! Du bist „belissima“.