Eine Liebeserklärung Ti amo, Stadtbad Heslach!
Wo die Dusche noch Brause heißt: Unser Autor könnte nicht glücklicher darüber sein, dass das Stadtbad Heslach wieder geöffnet hat. Eine Liebeserklärung.
Wo die Dusche noch Brause heißt: Unser Autor könnte nicht glücklicher darüber sein, dass das Stadtbad Heslach wieder geöffnet hat. Eine Liebeserklärung.
Mit Hallenbädern war es in der Region Stuttgart ja eine Zeitlang so wie jetzt mit den Bürgerbüros oder Menschen bei einem Marsimoto-Konzert: Fast alle dicht. Im Sommer ist das ja immer weit weniger schlimm. Da bin ich einfach im Frühtau nach Botnang gezogen, um mich im kleinen Freibad des ASV in die Rentnerriege einzureihen und meine Bahnen zu ziehen, während der Tag erwachte.
Ab September ist aber eben Schluss mit der Freiluftsaison. Keine große Sache, geht man eben ins Heslacher Stadtbad. Das ging die letzten eineinhalb Jahre aber nicht, weil es umfassend saniert wurde. Dann irgendwann endlich die Entwarnung von Technik-Bürgermeister (was es nicht alles gibt) Dirk Thürnau. Der sagte wortwörtlich: „Ab dem 19. September ist in Heslach Schwimmen und Saunieren zu sozialverträglichen Preisen an sechs Tagen für die Öffentlichkeit möglich. Mit diesem Angebot leisten wir auch einen wertvollen Beitrag zum Gemeinwohl.“
Ich sage: Danke Dirk! Dann packe ich meine Badesachen, laufe zum legendären 42er, rolle durch den legendären Schwabtunnel und betrete an einem sehr frühen Mittwochmorgen endlich wieder das legendäre Stadtbad Heslach. Alles legendär einfach. Erinnerungen fluten mich als würde ich vom Fünfer einen Seemann direkt in meinen Kopf machen. Früher habe ich hier im Medienhaus gegenüber gearbeitet, war dann davor oder danach oft im Stadtbad schwimmen. Sehr (zu?) oft im Anschluss dann noch in der Gaststätte am Stadtbad. Good times.
Heute auch endlich wieder good times. Es gibt ja viele Gerüche, die sofort ein Meer an Assoziationen freisetzen. Popcorn ist Kino, Zwiebelsuppe meine Oma und so weiter. Es gibt aber kaum einen Geruch, der so stark ist, wie der Hallenbadgeruch, wenn man an einem kalten Tag frisch von draußen zur Tür reinkommt. Wärme, Chlor, Nässe, Schwimmen lernen, tauchen, Arschbombe, Rauschen in den Ohren. Einzigartig.
Wie das Stadtbad auch. Kurzer Exkurs: Das Ding wurde 1929 im Stil der neuen Sachlichkeit erbaut. Bauhaus-Vorläufer, eher zweckmäßig also, weißte Bescheid. Damals gab es hier ein 50-Meter-Becken, einzigartig in Deutschland. Donnerwetter. Zwischen 1989 und 1992 wurde schon mal saniert, jetzt also wieder. Ist aber dennoch wiederzuerkennen, die Grande Dame des nassen Ertüchtigungssports. Die Umkleidekabinen sind teilweise noch die ganz alten, die irgendwie leise „Badeanstalt“ wispern und an Damen in Badekappen und Herren in sonderbaren Badeanzügen denken lassen. Außerdem: Die Dusche, die heißt hier immer noch Brause. Und das macht mich irgendwie sehr, sehr glücklich.
Schwimmen natürlich auch, und darum geht’s hier. Vier fuffzich kostet der Einzeleintritt, bei einer Zehnerkarte gibt’s wie beim Döner den elften Eintritt gratis. Apropos Döner: Der war auch mal bei vier fuffzich. Wild. Früh morgens zieht hier ein Querschnitt der schwimmenden Gesellschaft seine Runden. Jung und alt, schnell und langsam. Die konzentrierte Kraulerin, die in regelmäßigem Tempo eine Bahn nach der anderen zieht, der Übereifrige, der immerzu auf seine Uhr schaut, die Gemächlichen.
Seit ich „21 Bahnen“ von Caroline Wahl gelesen habe, ziehe ich immer genau diese Anzahl von Bahnen. Und sehe dann mal weiter. Ihre Protagonistin macht das aus ganz anderen Gründen als ich, aber das ist okay, denn im Hallenbad darf jede:r genau so schwimmen wie sie oder er will. Nur nicht quer. Anders als im Freibad geht es hier im Stadtbad dennoch zu. Es ist alles etwas ruhiger, etwas konzentrierter. Wenn ich mich auf das Plätschern und Rauschen des Wassers einlasse, bin ich ganz weit weg und doch bei mir. Klingt schrecklich nach Kalenderspruch, ist aber so. Danach ab in die Brause, in die Umkleide, föhnen, zurück in die Welt. Macht aber nichts. Ich kann ja jederzeit zurückkommen. Für 21 Bahnen. Danach zurück in den 42er. Zahlenmagie einfach.