Jedes Jahr wird von der Europäischen Union der Titel “Kulturhauptstadt Europas” verliehen. Welche Städte dürfen sich in diesem Jahr so nennen? Welche trugen den Titel in den letzten Jahren? Und was heißt „Kulturhauptstadt Europas“ überhaupt?

Digital Desk: Lotta Wellnitz (loz)

Bodø in Norwegen, Tartu in Estland und Bad Ischl in Österreich sind die Kulturhauptstädte 2024. Im kommenden Jahr wird dann auch Deutschland eine solche stellen – und zwar Chemnitz. Nach Westberlin (1988), Weimar (1999) und Essen (2010) ist sie die vierte deutsche Stadt, die diesen renommierten Titel trägt.

 

In der gut 250.000 Einwohnerstadt in Sachsen soll es dann unter anderem einen Marathonlauf geben, der Sport und Kultur verbindet. Dazu soll die Laufstrecke zur längsten Bühne der Welt werden und etwa alle 1000 Meter Musik erklingen, wie die Organisatoren Anfang April mitteilten. Dabei soll etwa Beethovens 9. Sinfonie gespielt werden, auch Chöre, Bands und DJs sollen Musik machen. Aber was hat es mit dem Titel Kulturhauptstadt überhaupt auf sich? Und welche Städte in Europa tragen diesen Titel?

Was der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ den Städten bringt

Der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ wird in jedem Jahr von der Europäischen Union (EU) vergeben, seit 2004 an mindestens zwei Städte. Die Initiative „Kulturhauptstädte Europas“ (ECOC) wurde 1985 entwickelt und bis heute an mehr als 60 Städte vergeben.

Die Benennung soll laut EU unter anderem dazu beitragen, den Reichtum, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes in Europa herauszustellen und ein besseres Verständnis der Bürger Europas füreinander zu ermöglichen.

Der begehrte Titel bietet den jeweiligen Städten die Möglichkeit, ihr Image zu verbessern, den nachhaltigen Tourismus zu fördern und ihre lokale und regionale Entwicklung durch Kultur anzukurbeln. Gleichzeitig stärke er die Vernetzung auf europäischer Ebene, so die EU auf ihrer Internetseite.

Das ganze Jahr über werden die ausgewählten Städte und ihre Regionen kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen und Aufführungen organisieren, um den Reichtum und die Vielfalt der Kulturen in Europa zu feiern. Die EU unterstützt die Aktivitäten finanziell. Der Titel selbst ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert. Hinzu kommen Mittel der Kommune, der Region und des Landes, um das umfangreiche Kulturhauptstadt-Programm für ein Jahr auf die Beine zu stellen.

Wie Städte als „Kulturhauptstadt Europas“ ausgewählt werden

Eine Stadt bewirbt sich über ihr Land, Kulturhauptstadt zu werden. Das Auswahlverfahren hat eine Vorlaufzeit von sechs Jahren. Für die Bewerbung müssen die Städte ein Kulturprogramm mit einer starken europäischen Dimension vorlegen, dass die aktive Beteiligung ihrer Einwohner und Gemeinden fördert. Heißt: Die Stadt muss erklären, dass sie viel für die Kultur macht.

Die Bewerbungen werden erst von einer europäischen Jury begutachtet, in der sind auch zwei nationale Expertinnen und Experten. Nach einem Feedback an die Städte gehen sie in Überarbeitung. Danach gibt die Jury ihr abschließendes Votum ab, das eine Empfehlung ist. Der jeweilige EU-Mitgliedsstaat ernennt dann „seine“ Kulturhauptstadt Europas. Hierzulande müssen die Kulturminister das Votum bestätigen.

Genaueres zur Bewerbung hat etwa die Kultur Stiftung der Länder hier zusammengefasst: Kulturhauptstadt FAQs – Die Bewerbungskriterien

Das sind alle Kulturhauptstädte Europas

Stand heute gehören mehr als 60 Städten zu denen, die bereits als Kulturhauptstädte ausgewählt wurden. Von 1985 bis 1999 hieß der Titel noch Kulturstadt Europas.

Eine Übersicht der jeweiligen Städte:

  • 1985: Athen (Griechenland)
  • 1986: Florenz (Italien)
  • 1987: Amsterdam (Niederlande)
  • 1988: West-Berlin (Deutschland)
  • 1989: Paris (Frankreich)
  • 1990: Glasgow (Vereinigtes Königreich)
  • 1991: Dublin (Irland)
  • 1992: Madrid (Spanien)
  • 1993: Antwerpen (Belgien)
  • 1994: Lissabon (Portugal)
  • 1995: Luxemburg (Luxemburg)
  • 1996: Kopenhagen (Dänemark)
  • 1997: Thessaloniki (Griechenland)
  • 1998: Stockholm (Schweden)
  • 1999: Weimar Deutschland
  • 2000: Avignon (Frankreich), Bergen (Norwegen), Bologna (Italien), Brüssel (Belgien), Helsinki (Finnland), Krakau (Polen), Prag (Tschechien), Reykjavík (Island), Santiago de Compostela (Spanien)
  • 2001: Porto (Portugal), Rotterdam (Niederlande)
  • 2002: Salamanca (Spanien), Brügge (Belgien)
  • 2003: Graz (Österreich)
  • 2004: Lille (Frankreich), Genua (Italien)
  • 2005: Cork (Irland)
  • 2006: Patras (Griechenland)
  • 2007: Luxemburg zusammen mit der Großregion Saar-Lor-Lux Luxemburg, Hermannstadt (Rumänien)
  • 2008: Liverpool (Vereinigtes Königreich), Stavanger (Norwegen)
  • 2009: Linz (Österreich), Vilnius (Litauen)
  • 2010: Essen zusammen mit dem Ruhrgebiet („RUHR.2010“), Pécs (Ungarn), Istanbul (Türkei)
  • 2011: Turku (Finnland), Tallinn (Estland)
  • 2012: Guimarães (Portugal), Maribor (Slowenien)
  • 2013: Marseille (Frankreich), Košice (Slowakei)
  • 2014: Umeå (Schweden), Riga (Lettland)
  • 2015: Mons (Bergen) (Belgien), Pilsen (Tschechien)
  • 2016: Breslau (Polen), San Sebastián (Spanien)
  • 2017: Aarhus (Dänemark), Paphos (Zypern)
  • 2018: Leeuwarden (Niederlande), Valletta (Malta)
  • 2019: Matera (Italien), Plowdiw (Bulgarien)
  • 2020/2021: Galway (Irland), Rijeka (Kroatien) – EU schlug Verlängerung wegen Corona-Pandemie vor
  • 2022: Novi Sad (Serbien), Kaunas (Litauen), Esch an der Alzette(Luxemburg)
  • 2023: Timișoara (Rumänien), Eleusis (Griechenland), Veszprém (Ungarn)
  • 2024: Tartu (Estland),Bad Ischl (Österreich), Bodø (Norwegen)
  • 2025: Nova Gorica (Slowenien), Chemnitz (Deutschland) chemnitz2025.de
  • 2026: Trenčín (Slowakei), Oulu (Finnland)
  • 2027: Liepāja (Lettland), Évora (Portugal), eine Stadt noch unbekannt
  • 2028: Budweis (Tschechien), Bourges (Frankreich)

Infos zu den einzelnen Städten liefert die EU hier: Ausgewiesene Kulturhauptstädte Europas

Kulturhauptstadt Europas 2025

Um die deutsche Teilnahme für den Titel im kommenden Jahr hatten sich Chemnitz, Dresden, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Nürnberg, Gera und Zittau beworben. In die zweite Bewerbungsrunde im Dezember 2019 schafften es Chemnitz, Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg. Ausgewählt wurde dann im Oktober 2020 Chemnitz.