Eine Stadt muss sparen Ludwigsburg fehlen 15 Millionen Euro

Die Raumwelten werden wohl bald Geschichte sein. 2022 hatten sie im Ludwigsburg Museum eine Pop-up-Ausstellung mit Installationen zum Ausprobieren. Foto: Simon Granville

Die Stadtverwaltung will moderner werden und nimmt interne Abläufe in den Blick. Wo kann Zeit und damit Geld gespart werden?

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Einfach ist anders. 15 Millionen Euro muss die Stadt Ludwigsburg bis 2027 einsparen – sonst wird der Haushalt in vier Jahren aller Voraussicht nach nicht genehmigt. Der gute Abschluss im Jahr 2022 mit einem Plus von knapp 20 Millionen Euro verschafft der Kommune zwar ein Jahr mehr Luft, aber das war es dann auch schon. Deshalb ist für Oberbürgermeister Matthias Knecht eines klar: Zwei Drittel der 95 Bauvorhaben, die vom Gemeinderat zwar noch nicht aufs Gleis gesetzt worden sind, aber auf der Wunsch-Agenda stehen, werden es nicht in die Umsetzung schaffen.

 

Um die Millionen-Einsparung zu schaffen, möchte die Stadt zwei Hebel ansetzen: eine stringente Haushaltskonsolidierung kombiniert mit einer Modernisierung der Verwaltung. Denn: Verbesserte interne Prozesse sparen Zeit und am Ende auch Geld.

Beide Vorhaben münden in das auf fünf Jahre angesetzte Projekt WIN LB, für das eine eigene Geschäftsstelle geschaffen wird. WIN LB steht für Wirtschaftlich innovativ neu denken. Geleitet wird die Geschäftsstelle, vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderates am Mittwoch, von Patrick Sekinger. Sekinger ist bis dato stellvertretender Leiter des Fachbereichs städtische Liegenschaften. Seine Stelle wird nachbesetzt. Ihm zur Seite gestellt werden vier Mitarbeiter. Bis Ende 2024 wird auch Rödl & Partner mit im Boot sein. Das externe Unternehmen ist bereits Partner im laufenden Risikomanagement-Prozess.

Man wolle, betont Knecht, Prozesse neu denken, mutig sein und auch eine Kultur schaffen, die Fehler zulasse. Um eine Veränderung des Verwaltungsaufbaus gehe es jedoch nicht, betont der Stadtchef. In den Prozess einbezogen werden soll die Bevölkerung. Durch Transparenz und Offenheit könnten Fragen geklärt, aber auch Sorgen genommen werden. Denn die gibt es. Auch innerhalb der Mitarbeiterschaft, die sich aktiv mit Vorschlägen für ein effizienteres Arbeiten einbringen kann und soll.

Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben, versichert der OB. Jeder, der bei der Stadt arbeite, könne es weiter tun, vielleicht aber an anderer Stelle. Sicher sei jedoch, dass Stellen reduziert werden müssen. Eine konkrete Zahl zu benennen, hält Knecht zum jetzigen Zeitpunkt für nicht seriös. „Realistisch werden es mindestens um die 100 sein.“

Im Gemeinderat ist laut Knecht die Sorge zu spüren, dass die Stadt durch das Projekt an Lebensqualität verliere. Doch das werde nicht passieren, versichert er. Ludwigsburg zähle nicht nur zu den größten Kommunen im Land, sondern sei auch unter den Top 5, was die Angebotsvielfalt im sportlichen und kulturellen Bereich angeht. Nichtsdestotrotz müsse man genau schauen, was man sich auf Dauer noch leisten könne. Das werde nicht einfach, sind sich Matthias Knecht, Stadtkämmerer Harald Kistler und Susanne Karstedt, Leiterin des Fachbereichs Organisation und Personal einig.

Ausstieg aus der Film- und Medienfestival gGmbH?

Eine Einsparungsmöglichkeit hat die Verwaltung schon ausgemacht. Die Stadt möchte zum 31. Dezember 2024 aus der Film- und Medienfestival gGmbH austreten – vorbehaltlich der Zustimmung des Gremiums am Mittwochabend. Mindestens 175 000 Euro kostet die Mitgliedschaft jedes Jahr. „Das macht für uns dauerhaft keinen Sinn, weil es in Stuttgart wirkt, nicht in Ludwigsburg und wir das Naturvision Festival hier als Marke etablieren wollen“, sagt Knecht. Der Austritt würde in der Konsequenz auch das Ende der Veranstaltung Raumwelten, einer Plattform für Szenografie, Architektur und Medien, in Ludwigsburg bedeuten. Für Knecht verschmerzbar. „Raumwelten ist kein Fest für die Stadt, das von großen Teilen der Bürgerschaft wahrgenommen wird.“

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