Eine Stadt verändert sich Die City erfindet sich neu – das sind Stuttgarts größte Baustellen

Der Abriss des Gebäudes in der Königstraße 51 am Hirschbuckel hat begonnen. Foto: Andreas Rosar

Marktplatz, Schlossgarten, Breuninger-Parkhaus, Kronprinz Carré: Stuttgart entwickelt sich rasant – und die City wird bald ziemlich anders aussehen. Wir zeigen, wo sich die Innenstadt jetzt verändert.

Gefühlt an jeder Ecke in Stuttgart wird gebaut – unabhängig vom Milliardenprojekt Stuttgart 21. „Die Dynamik in den vergangenen Jahren hat deutlich zugenommen“, bestätigt Baubürgermeister Peter Pätzold. Die Stadt entwickelt sich rasant. Pro Jahr werden rund 20 000 Baustellen gezählt – von der kleinen Straßensanierung bis zum Großbauprojekt. Das sei nicht außergewöhnlich und „auch wichtig, da es deutliche Verbesserungen mit sich bringt“. Ein genauer Blick lohnt sich daher.

 

Von 1 bis 9: die größten Baustellen in der Innenstadt. Foto: stzn

1 Haus des Tourismus

Foto: Max Kovalenko

Als eines von vielen Vorhaben sticht an zentraler Stelle der Umbau des einstigen Modehauses Breitling zum Haus des Tourismus am Marktplatz ins Auge. Bis Ende Oktober 2024 soll das rund 18 Millionen Euro teure Projekt Schaufenster und Ideengeber für Tagesausflüge oder einen Kurzurlaub in Stuttgart und der Region oder im Land werden. Bei aller Bautätigkeit gilt es für die Stadt, den Spagat zwischen dringend benötigtem Wohnraum sowie Gewerbe- und Handelsflächen zu schaffen. Ein besonderes Augenmerk muss sie zudem auf die marode Infrastruktur, Spielplätze und die Schulsanierung legen. Dabei spielen der Fachkräftemangel, explodierende Kosten wie auch die gerade in Stuttgart langwierigen Genehmigungsverfahren eine Rolle. „Immer wieder müssen wir Investoren und Bauherren um Geduld bitten“, sagt Pätzold. Die rege Bautätigkeit bringt viel Arbeit mit sich und erfordert Geduld von den Bewohnern – um Stuttgart auf Dauer weiterzuentwickeln.

2 Ehemaliges Schuhhaus Bletzinger

Foto: Max Kovalenko

Das renommierte Schuhhaus Bletzinger am Marktplatz ist seit 2021 Geschichte. Die VIW GmbH Esslingen, ein Spezialist im Umbau von denkmalgeschützten Gebäuden, hat das Gebäude gekauft. Neben einer Kernsanierung der Bestandsflächen soll das Gebäude um drei Geschosse erhöht werden. Zur Vermietung kommen bis zu 740 Quadratmeter Laden- und bis zu 700 Quadratmeter Büroflächen.

3 Mobility-Hub, Haus für Film und Medien

Foto: Max Kovalenko

Der Bau des Mobility-Hub und des Hauses für Film und Medien anstelle des heutigen Breuninger-Parkhauses im Bohnenviertel an der Hauptstätter Straße hat große verkehrliche Auswirkungen und bereits im Vorfeld reichlich Diskussionsstoff geliefert. Noch in diesem Frühjahr soll der Startschuss erfolgen, mindestens bis 2026 muss die Rampe der B 14 zum Charlottenplatz für den Verkehr gesperrt werden. Die Umleitung – die Stadt rechnet mit immerhin 4000 Autos am Tag – soll über die kleine Esslinger Straße hinter dem Parkhaus geführt werden. Dagegen regt sich Widerstand, vor allem von Gewerbetreibenden vor Ort, die um ihre Zukunft bangen. Eine vom Gemeinderat angeregte Umleitung über den Wender am Gebhard-Müller-Platz lehnte die Stadt ab.

4 Rund um das Schlossgartenhotel

Foto: Max Kovalenko

Die LBBW Immobilien-Gruppe will bis 2028 rund 700 Millionen Euro in das Schlossgartenhotel und die Gebäudereihe Königstraße 1–3 investieren. Der Bestand soll weitestgehend erhalten bleiben. Das Schlossgartenhotel erhält eine neue Fassade. Zudem ist auf dem Hoteldach Gastronomie geplant. Den Anfang des Großprojekts soll das Gebäude Königstraße 1 C machen. Hier rechnen die LBBW-Verantwortlichen in diesem Sommer mit der Baugenehmigung und einem Start der umfangreichen Maßnahmen. Das Haus, in dem einmal Karstadt untergebracht gewesen ist, wird ein Bürohaus mit großen begrünten Dachterrassen.

5 Two.One-Projekt

Foto: Max Kovalenko

Zwischen der Theodor-Heuss-Straße und der Calwer Straße in der Stuttgarter Innenstadt realisieren der Projektentwickler DQuadrat Real Estate und das Bauunternehmen Wolff & Müller ein großes Büro-, Geschäfts- und Wohnhaus. Das sechsgeschossige Two.One-Projekt vereint dabei auf einer Gesamtmietfläche von rund 6000 Quadratmetern gleich mehrere Nutzungen: Im Erdgeschoss sollen Gewerbe und Gastronomie einziehen, die fünf Obergeschosse darüber werden als Büroflächen vermietet. Ganz oben im fünften Obergeschoss sind zudem noch insgesamt vier Wohnungen mit Blick zur Calwer Straße vorgesehen. Baubeginn des Two.One-Projekts war Februar des vergangenen Jahres. Noch in diesem Jahr soll dann der Rohbau fertig sein. Die Mieter sollen spätestens bis zum Frühjahr 2025 einziehen können.

6 Kronprinz Carré

Foto: Max Kovalenko

Die Kronprinz Carré Objektgesellschaft mbH, eine Tochter der Stuttgarter CIG GmbH, entwickelt das Projekt „Kronprinz Carré“, Rotebühlplatz 2+4. Der Rohbau soll im Februar 2024 abgeschlossen sein. Die Übergabe an die Mieter ist Ende des dritten Quartals 2024 geplant. Die Vermietungsstruktur wurde optimiert, es wurde der Serviced-Apartment-Anbieter Numa Group für den Standort gewonnen. Vom ersten OG bis zum Dachgeschoss (sechs Vollgeschosse plus Dachgeschoss) entstehen 82 Apartments. Im Erdgeschoss und in Teilflächen des Untergeschosses ist Gastronomie und Nahversorgung geplant.

7 Königstraße 51

Foto: Andreas Rosar Fotoagentur Stuttgart

Der Abriss des Gebäudes in der Königstraße 51 am Hirschbuckel hat begonnen. Dort, wo einst die Schausteller- und Wasenlegende Walter Weitmann in Nachbarschaft zum Kaufhof-Komplex ihr Büro hatte und wo sich bis zum Jahr 2022 vor allem zu nächtlicher Stunde Pommes-Liebhaber vor der Fritty Bar tummelten, leisten aktuell die Abbruchbagger ganze Arbeit. Der Eigentümer des Gebäudes, die Firma Stinag, plant einen Neubau, der allerdings rund vier Meter höher als das alte Gebäude ist. Das Unternehmen zeigt sich zuversichtlich, dass das Projekt bereits im kommenden Jahr fertig sein wird.

8 „Vier-Giebel“

Foto: Max Kovalenko

Nach vielen Verzögerungen sollen in den nächsten Wochen endlich Baukräne auf dem Gelände Ecke Stein-/Eberhardstraße aufgestellt werden. Dann kann das LBBW-Projekt „Vier-Giebel“ starten. Neben Gastronomie und Einzelhandel (2100 Quadratmeter) im Erdgeschoss sollen in den ersten vier Obergeschossen auf rund 2200 Quadratmetern Büroflächen entstehen. In den beiden Geschossen darüber entstehen auf 2300 Quadratmetern rund 40 Wohneinheiten. Geplant sind 25 Stellplätze. Die LBBW rechnet mit zwei Jahren Bauzeit. Bei den Gastronomie- und Handelsflächen hat die Vermarktung bereits begonnen.

9 „Zwei hoch Fünf“

Foto: Max Kovalenko

Signa, das Immobilien- und Handelsimperium des Österreichers René Benko, musste im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden. Seitdem ist offen, wie es mit dessen Projekt „Zwei hoch Fünf“ in der Königstraße weitergehen soll. Bis auf Weiteres sind nach dem Abbruch des Gebäudes 2023 alle Arbeiten eingestellt worden. Der Neubau Ecke König-/Schulstraße umfasst 7300 Quadratmeter Büro- und Handelsfläche verteilt auf fünf Geschosse. Der Entwurf stammt vom Büro Steidle Architekten (München), das auf eine Holz-Hybrid-Bauweise mit raumhohen Glasfenstern und kaskadenartigen Lichthöfen setzt. Die Büroflächen zeichneten sich durch flexible Grundrisse aus. Neben Büros sind im Erdgeschoss Handel und Gastronomie geplant. Ein Verkauf des Projekts an die Münchener Dibag AG war kolportiert, aber nicht bestätigt worden.

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