Einkaufszentrum in Leonberg Das sind die Perspektiven des Leo-Centers

Im Leo-Center ist die Deko auf das nahende Osterfest abgestimmt. Foto: Simon Granville

Trotz der Leerstände glaubt der ECE-Regionalchef an eine gute Zukunft der Shoppingmall. Eine realistische Einschätzung, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Nein, blauäugig ist Axel Diewald gewiss nicht. Seit 31 Jahren arbeitet er bei ECE, jenem Konzern, der europaweit allein 196 Einkaufszentren, dazu Hotels und andere Gewerbe-Immobilien betreibt. Die Gründerfamilie Otto hat in der Gruppe das Sagen, Chef ist Alexander Otto, jüngster Sohn des Patriarchen Werner Otto, der 1965 eine Vermögensverwaltung ins Leben gerufen hatte.

 

Otto? Richtig: Es handelt sich um die Familie des im vergangenen Jahrhunderts deutschlandweit bekannten Otto-Versands aus Hamburg, der schon Warenpakete verschickte, als der damals noch unbekannte Markenname Amazon allenfalls für eine verkürzte Form des südamerikanischen Stroms Amazonas hätte gehalten werden können.

Wer bei ECE in leitender Funktion tätig ist, der weiß, dass es vor allem um zwei Dinge geht: Erfolg und Geld. Auch dem für den ganzen Südwesten Deutschlands verantwortlichen Regionaldirektor Diewald darf unterstellt werden, dass ihn die Gewinnoptimierung seines Hauses besonders umtreibt, wofür er ja wiederum auch bezahlt wird.

Anders ausgedrückt: Der erfahrene Kaufmann wird sich kaum von nostalgischen Gefühlen leiten lassen, wenn es um die Zukunft einzelner Einkaufszentren geht. Das verleiht einer Aussage, die er jetzt im Gespräch mit unserer Zeitung gemacht hat, eine besondere Bedeutung: „Ich glaube an Leonberg“, sagt Axel Diewald und begründet dies vor allem mit der hier nach wie vor stark vorhandenen Kaufkraft. Nicht nur in Leonberg selbst, vor allem nebenan in Gerlingen, wie auch in vielen anderen Kommunen im Umkreis leben etliche Menschen, die, wie es so schön heißt, sich etwas leisten können.

Kundinnen wünschen sich mehr Fachgeschäfte

Doch gerade von diesen hat das Leo-Center in den vergangenen Jahren zahlreiche verloren. Nicht nur die durch Corona ausgelöste Krise in Handel und Gastronomie macht auch den Shoppingmalls schwer zu schaffen. Schon vorher hatten besonders die Kundinnen den Wegfall etlicher hochwertiger Fachgeschäfte beklagt.

Im Gegenzug sind die Filialen hipper Trend-Ketten für ein jüngeres Publikum bisher im Leo-Center unterrepräsentiert. Nicht nur das: Die Zahl der Leerstände sind seit langem ein großes Thema. Einheitliche Öffnungszeiten, einst ein Erfolgsgarant, kann das Centermanagement in Zeiten von Umsatzkrisen und Personalmangel nicht in vollem Umfang durchsetzen. Gerade, dass der nach wie vor zentrale Frequenzbringer Karstadt die eisernen Rollos bereits um 19 Uhr herunterlässt, ist einem abendlichen Einkaufsbummel nicht eben zuträglich.

Zukunft von Karstadt wieder ungewiss

Überhaupt Karstadt: Zweimal war die Leonberger Filiale auf den letzten Drücker von der Schließungsliste verschwunden, auch weil ECE dem Galeria-Konzern offenbar entgegengekommen ist. Nun hatten Personal wie Kunden auf ruhigere wie bessere Zeiten gehofft. Doch nach der Benko-Pleite ist die Zukunft wieder völlig ungewiss.

Dass sich Leute wie Axel Diewald und die Leonberger Centermanagerin Nadine Fensterer intensive Gedanken machen, was im Fall der Fälle auf den vier Karstadt-Etagen geschehen könnte, davon darf man ausgehen. Es gibt Stimmen, die neue Angebote auf diesen wichtigen Flächen einem „Weiter so“ mit Karstadt vorziehen würden. Andererseits ist das traditionelle Warenhaus eine feste Größe weit über Leonberg hinaus.

Ruhe wird in einem der ältesten ECE-Häuser Deutschlands in absehbarer Zeit also nicht einkehren. Ruhe im Sinne von Stillstand wäre auch der falsche Weg. Nicht nur Axel Diewald weiß: Handel ist Wandel.

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