Eintritt „wünschenswert“ Wieso Großbottwar in Stellenausschreibungen für die Feuerwehr wirbt

Dieser Satz taucht in jeder Stellenanzeige der Stadt Großbottwar auf. Foto: ehe

Die Stadt Großbottwar ermutigt in ihren Stellenannoncen zum Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr. Dabei mangelt es dort überhaupt nicht an Personal.

Ludwigsburg: Maximilian Kroh (kro)

Auf den ersten Blick liest sich die Stellenanzeige der Stadt Großbottwar völlig normal. Zum nächstmöglichen Zeitpunkt wird eine Teilzeitkraft im Vorzimmer des Bürgermeisters und Hauptamtes gesucht. Eine abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung sollte vorhanden sein, zudem werden „Klassiker“ wie schnelle Auffassungsgabe, Organisationsgeschick oder ein hohes Maß an Selbstständigkeit erwartet.

 

„Wir haben im Moment gar keinen Platz“

Und dann steht da noch ein Satz, recht weit unten und ganz unscheinbar, der schon deutlich weniger in eine handelsübliche Ausschreibung zu passen scheint: „Wünschenswert wäre außerdem die Bereitschaft zum Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr Großbottwar.“ Nun dürften die Großbottwarer Feuerwehrleute nicht einfach auf der Suche nach jemandem sein, der ihnen das Protokoll auf der Mitgliederversammlung schreibt (obwohl Protokollführung sogar eine der in der Stellenausschreibung angegebenen Aufgaben ist). Fehlt es der Truppe also derart an Mitgliedern, dass sie solch eher eigentümliche Wege der Anwerbung einschlagen muss? Die Antwort von Kommandant Martin Fähnle fällt ebenso überraschend aus: „Im Gegenteil. Wir haben im Moment gar keinen Platz, es gibt sogar eine Warteliste.“

Stattdessen ist der Satz schon seit Jahren fester Bestandteil der städtischen Jobanzeigen. „Wir haben das vor acht oder neun Jahren eingeführt, damals sah die Lage noch anders aus“, sagt Großbottwars Bürgermeister Ralf Zimmermann. Mittlerweile hat der Ausschreibungszusatz eher Symbolcharakter. „Wir zeigen dadurch, dass die Stadt hinter ihrer Wehr steht“, erklärt Zimmermann. Dementsprechend unterstütze man eine Mitgliedschaft der Mitarbeiter beim THW, dem Roten Kreuz oder ähnlichen Organisationen in gleichem Maße.

Einen praktischen Nutzen haben möglichst viele Feuerwehrleute in den Reihen der Stadtverwaltung aber auch. Denn wer Teil der Feuerwehr Großbottwar ist und im örtlichen Rathaus arbeitet, der ist auch schnell auf der Wache, wenn tagsüber der Alarm ringt und ein Einsatz ansteht. Tagesverfügbarkeit nennt man das im Feuerwehrjargon. „Da hätten wir zwar auch genügend Leute, aber mehr schadet nie“, findet Kommandant Fähnle.

Mitgliedschaft „wünschenswert“, aber kein Muss

Im Übrigen sei ein solcher Satz in einer städtischen Stellenausschreibung auch gar keine Großbottwarer Eigenheit, sondern tauche öfter mal auf, weiß Kreisbrandmeister Andy Dorroch. „Mitarbeiter der Stadt sind geradezu prädestiniert für den Einsatz bei der Feuerwehr“, sagt er. „Sie dienen ja dem gleichen Herren an anderer Stelle.“

Aber, da sind sich der Kreisbrandmeister und Bürgermeister Ralf Zimmermann einig, entscheidend sei vor allem ein Wort: „Wünschenswert“. Stadtangestellte bei der Feuerwehr seien gern gesehen und ein schönes Zeichen, dass die Stadt mit gutem Beispiel vorangehe. „Die Mitgliedschaft ist aber selbstverständlich keine Pflicht“, sagt Zimmermann. „Und es gibt bei der Bewerbung auch nicht automatisch Pluspunkte.“

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