Einzelhandel in Baden-Württemberg Wie die Politik das Weihnachtsgeschäft beleben soll

Mit einer festlichen Dekoration (wie hier im Vorjahr in Stuttgart) und einem attraktiven Weihnachtsmarkt sollen die Kunden in die Innenstadt gelockt werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Einzelhandel in Baden-Württemberg zeigt sich hoffnungsfroh vor den umsatzstärksten Wochen des Jahres. Er hat aber auch klare Wünsche an die Politik und Kommunen, damit diese dazu beitragen.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Trotz aller negativen Einflussfaktoren will sich der Einzelhandel im Land die Stimmung nicht ganz verderben lassen: Nach einer Umfrage des Handelsverbandes Baden-Württemberg erwarten 46 Prozent von fast 300 Teilnehmern ein Umsatzplus im diesjährigen Weihnachtsgeschäft; immerhin 36 Prozent rechnen aber auch mit einem Rückgang im Vergleich zu 2022. Das Bild ist volatil, denn die meisten Händler stellen fest, dass die Menschen immer kurzfristiger einkaufen, wie die Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann sagt.

 

Die Politik soll mehr Stärke und Sicherheit ausstrahlen

In seinem Segment herrsche „relativ viel Optimismus im Hinblick auf die Wochen, die vor uns liegen“, sagt Thomas Breuninger, Geschäftsführer des Haushaltswarenhändlers Tritschler. „Den Optimismus teilen wir.“ Denn „die Konsumenten kaufen überlegter ein in diesem Jahr“. Viel Wert werde auf qualitativ gute, nachhaltige Produkte gelegt.

Christian Klemp, Geschäftsführer des Modehauses Zinser, erwartet eher ein gleichbleibendes Geschäft mit positiver Tendenz. Die Händler spürten aber eine „grundsätzliche Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der politischen Lage“, betont er. Die Politik zeige keine Führung und strahle keine Sicherheit aus. „Das, so glaube ich, drückt am allermeisten auf die Konsumstimmung – ganz unabhängig vom Thema Inflation.“

Die Kommunen sollen für eine festliche Atmosphäre sorgen

Auch Michael Endress, Geschäftsführer des Motorgerätehandels Endress, setzt auf eine bessere Stimmung und Orientierung in der Bevölkerung. Die Menschen suchten nach Gemeinschaft auf den Weihnachtsmärkten und in den Innenstädten. Daher „ist eine schöne Dekoration mit viel Licht in den Zentren für uns ganz wichtig“. Es gebe eine eindeutige Korrelation zwischen dem Leben in der Innenstadt und den Umsätzen der Geschäfte dort. In einigen Kommunen sei jedoch in den Vorjahren an der Beleuchtung und den Weihnachtsmärkten gespart worden. „Da wünschen wir uns einfach, dass es wieder auf das Niveau von vor ein paar Jahren zurückkommt.“

Vermiest das Wetter das große Geschäft?

Hermann Hutter, Verbandspräsident und Spielwarenhändler, sieht eine Unsicherheit in der besonders kurzen Adventszeit – speziell wenn dann noch „Wetterkapriolen“ die Menschen aus dem Umland davon abhalten könnten, in die großen Zentren zu kommen.

Unterschiedlich profitieren die Händler von Black Friday und Black Week – also von der derzeitigen Rabattschlacht zum Auftakt des Weihnachtsgeschäfts. Hutters Unternehmen macht immerhin 30 Prozent des Umsatzes bei Endverbrauchern online. Insofern „haben wir schon einen starken Black Friday gemerkt, der bei uns ungefähr viermal so stark gewesen ist wie die Tage vorher“. Der Black Friday sei zwar vor allem ein Thema im Elektroniksektor, doch würden die Verbraucher allgemein mehr Anstöße für ihre Einkäufe bekommen und gingen „dann vielleicht in die Stadt mit dem Wissen, was sie sich in den Tagen vorher online angeschaut haben“. Von dieser Aufmerksamkeit profitiere dann auch der stationäre Handel.

Der Black Friday wirkt sich nur teilweise aus

Breuninger schildert, dass „wir stationär nichts von der Black Week merken“ – in den Geschäften sei vorige Woche eher normal eingekauft worden. „In unserem Online-Shop merken wir es aber tatsächlich.“ Da werde zu denselben Preisen wie stationär, also ohne Rabatte, in der Black Week stärker eingekauft. Die Textilbranche vermeldet einen rundum positiven Effekt: „Die Black Week hat einen positiven Einfluss auf unsere stationäre Entwicklung, aber auch auf unseren Onlineshop“, sagt Klemp.

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