Einzelhandel in Stuttgart Sporthandel vor neuem Wettlauf

Von Hildegund Oßwald 

Der Outdoor-Spezialist Globetrotter eröffnet 2014 eine Filiale im Tübinger Carré. Das treibt die Branche in der Stadt um. So mancher fürchtet einen harten Verdrängungswettbewerb.

m Tübinger Carré will der Outdoor-Spezialist Globetrotter von September 2014 an auf 6000 Quadratmetern Am Tübinger Carré will der Outdoor-Spezialist Globetrotter von September 2014 an auf 6000 Quadratmetern Freizeitartikel verkaufen. Foto: Stollberg
m Tübinger Carré will der Outdoor-Spezialist Globetrotter von September 2014 an auf 6000 Quadratmetern Am Tübinger Carré will der Outdoor-Spezialist Globetrotter von September 2014 an auf 6000 Quadratmetern Freizeitartikel verkaufen. Foto: Stollberg

Stuttgart - Wer in Stuttgart beim Einkaufsbummel Sportartikel sucht, der hat eine bessere Auswahl als ­andernorts. Hier ist das Angebot mit 41 000 Quadratmetern Verkaufsfläche laut Fachleuten im Städtevergleich besonders groß. Und es wird noch deutlich größer werden. In den ehemaligen Eberhard-Passagen, die jetzt Tübinger Carré heißen, hat dieser Tage der Umbau für das neue „Erlebnishaus“ von Globetrotter begonnen.

Der große Outdoor-Spezialist will zwar erst im September 2014 eröffnen, aber die  Konkurrenz ist bereits heute aufgeschreckt und nervös. Denn einen schlagartigen ­Zuwachs in der Größenordnung von 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche hat es im hiesigen Sporthandel seit Langem nicht mehr gegeben. Und mit dem neuen Einkaufszentren Milaneo wird auch das Feld kleinerer Sportfilialisten in 2015 weiter wachsen. „Das wird einen harten Verdrängungswettbewerb geben, alle können da nicht überleben, denn so viele neue Kunden werden ja nicht nach Stuttgart kommen, woher auch“, sagt ein Händler, der als Kassandra lieber nicht genannt sein will.

Offiziell freilich geben sich die Mitbewerber sportlich-kämpferisch, frei nach dem Motto: Konkurrenz belebt das Geschäft und bringt neue Kunden in die Stadt. „Wir sind hier der Marktführer und wollen das nicht nur bleiben, sondern ausbauen“, sagt der Geschäftsleiter von Sport Scheck, Michael Gysin. Globetrotter sei auf Outdoor-Aktivitäten wie Trekking, Camping oder Touren spezialisiert, man selbst habe aber ein Vollsortiment für alle Sportarten. Auch Breuninger betont, es gebe wegen des eigenen Schwerpunkts auf Mode und Lifestyle „nur wenige Überschneidungspunkte“, wie der Pressesprecher Christian Witt es formuliert.

Globetrotter geizt mit Details zum Haus in Stuttgart

Die kleineren Mitbewerber und direkten Outdoor-Konkurrenten setzen bei aller Sorge vor der großen Konkurrenz auf deren Strahlkraft auch zu eigenen Gunsten. Vor allem die Geschäfte in der oberen Königstraße sehen ihren Standort attraktiver werden. „Wenn sich mehr Leute für Bergsport begeistern, können wir als Spezialisten für hochalpine Touren auch davon profitieren“, sagt Marco Riedle von Bergland Alpin Sport in der Calwer Passage. Die Sparte Camping dagegen werde man vielleicht verkleinern müssen. „Da können wir nicht konkurrieren.“ Bernd Woick sieht eher auf die großen Läden Probleme zukommen denn auf sein Geschäft. „Wir sind viel zu klein, als dass wir uns nicht im Sortiment umstellen und andere Marken neu aufbauen könnten“, sagt er. Denn Globetrotter setze vor allem auf eigene Hausmarken. Gleichwohl sei zu befürchten, dass beim Umsatz alle Federn lassen müssten.

Globetrotter geizt noch mit Details zum Haus in Stuttgart, das einmal die viertgrößte Filiale unter insgesamt neun sein werde, so die Firmensprecherin Michèle Knaup. Mit 7000 Quadratmetern ist die Kölner Filiale nach Angaben des Unternehmens die größte, in München sind es 6500, in Dresden 6200 Quadratmeter. Man werde in Stuttgart das komplette Gebäude unweit des Tagblattturms bespielen, das rückgebaut und entkernt werde, was die lange Bauzeit erklärt.

Echte Bäume und Eiskammern

Wie die Kundschaft dereinst animiert werden soll, dazu will man noch nichts Konkretes sagen. „Es wird viele tolle Highlights wie in anderen Filialen geben“, so Knaup. Dort reicht das Erlebnisangebot von echten Bäumen und Vogelgezwitscher bis zu Eiskammern zum Test von Daunenschlafsäcken und Wasserbecken zum Kajakfahren auf Probe. Neben der Größe des Angebots sind es diese Erlebniszulagen, die die Konkurrenten das Fürchten lehren.

Letzteres war es auch, was seinerzeit die Konkurrenz erzittern ließ, als Sport Scheck mit seiner 5000-Quadratmeter-Filiale unweit der unteren Königstraße den hiesigen Handel aufmischte. Das war im Jahr 2002. Seitdem teilen sich die großen Anbieter Breuninger, die Kaufhof-Tochter Sportarena und Karstadt mit Sport Scheck den größten Teil des Kuchens, das angestammte Sporthaus Entress wurde in die Knie gezwungen und musste 2005 schließen. Die letzten Jahre wiederum waren vom Zuzug vieler kleinerer Markenfilialen geprägt.

Jetzt kommt 2014 wieder ein großer Konkurrent dazu. Wie immer in solchen Situationen dürfte die Konkurrenz mit Umbauten und Umstrukturierungen im Sortiment darauf reagieren – und trotzdem weniger in den Kassen haben. „Globetrotter wird den Sportmarkt in Stuttgart und auch in der Region aufwirbeln, das werden alle merken“, sagt die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes Baden-Württemberg, Sabine Hagmann. „Das sind Erlebniswelten, die es hier bisher noch nicht gibt.“

Für den City-Manager Hans H. Pfeifer steht schon vor der Eröffnung von Globetrotter fest: „Wir werden ein Überangebot bekommen wie in anderen Branchen auch.“ Gleichwohl begrüßt er den Neuzugang für den Standort an sich. Pfeifer: „Das zieht mehr Leute an und tut der Tübinger Straße und der oberen Königstraße gut.“




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