Eklat in Leonberg Die Suspendierung ist der einzige Weg

Anfang Juli hat die Feuerwehr Leonberg noch unbeschwert das 150-jährige Bestehen der Abteilung Warmbronn gefeiert. Foto: Jürgen Bach/ 

Rettungskräfte müssen viel aushalten. Doch das entschuldigt das Handeln der fünf Feuerwehrleute keinesfalls, meint unser Redakteur.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Es ist eine Ironie des Schicksals: Ausgerechnet jene Männer, die jetzt beschuldigt werden, nationalsozialistische Parolen in die Nacht gebrüllt zu haben, sind vor einigen Wochen noch bei einem Einsatz in einem Flüchtlingsheim dabei gewesen und haben Leben gerettet. So wie es ihre Aufgabe ist – und wofür Feuerwehr und andere Rettungskräfte in weiten Teilen der Bevölkerung zu Recht Respekt und Anerkennung genießen.

 

Das Ehrenamt, gerade jenes, bei dem es häufig um Leben und Tod geht, ist in den vergangenen Monaten verstärkt in den Blickwinkel geraten. Angriffe und Pöbeleien gegen Sanitäter und Rettungskräfte rufen Fassungslosigkeit hervor, werden doch genau jene Menschen beschimpft oder gar verletzt, die Leben retten, oft Schreckliches mitansehen und verarbeiten müssen. Die im Ernstfall unter einem gehörigen Druck stehen und in der schlimmsten Konfusion, häufig umzingelt von Flammen, womöglich das Schreien von Verletzten in den Ohren, militärisch präzise funktionieren müssen. Um Schlimmeres zu verhindern, um zu retten, was zu retten ist.

Macht das etwas mit einem? Ja, das macht etwas mit einem. Der Druck, das Erlebte, müssen raus. Es gibt Gesprächskreise, die einzelnen Hilfsorganisationen tauschen sich aus. Ja, und man trinkt auch mal einen. Wer würde das diesen engagierten wie mutigen Menschen verdenken? Doch das, was in der Nacht zum Samstag in Leonberg passiert ist, hat nichts mit Dampf ablassen zu tun.

Wenn der Staatsschutz wegen Volksverhetzung ermittelt, geht es nicht um ein paar rechte Sprüche unter dem Einfluss von reichlich Alkohol. Wenn offenbar Begriffe wie „Sieg Heil“ fallen, zeigt das, dass zumindest bei einem Teil der Leute, die in dem Einsatzwagen waren, ein Gedankengut verinnerlicht ist, mit dem die Grenzen deutlich überschritten werden. Dass dazu noch, man muss es so nennen, die Blödheit kommt, menschenverachtende Parolen per Lautsprecher in die Nacht zu grölen, macht es nur schlimmer. Katastrophal aber wäre, würde es sich nicht um Blödheit, sondern ein gezieltes Sendungsbewusstsein handeln.

Betroffene müssen ihr Handeln überdenken

Es ist zu früh, all das seriös beurteilen zu können. Die Leonberger Feuerwehrführung hat mit der sofortigen Suspendierung schnell gehandelt und den einzig gangbaren Weg beschritten. Alles andere wäre eine Zumutung für all die anderen Menschen, die Tag und Nacht für die Allgemeinheit bereitstehen und bisweilen ihr Leben einsetzen. Nicht zuletzt ist die Suspendierung für die Betroffenen eine Chance, ihre eigenes Handeln zu überdenken. Die sollten sie nutzen.

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