Eklat um Chinas U 20 Darum hat ein Stuttgarter nun Angst vor China

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Chinas U-20-Nationalelf droht bei ihrer Premiere in der Fußball-Regionalliga mit Spielabbruch – auch wegen eines Aktivisten aus Stuttgart, der nun nicht recht weiß, ob er sich freuen oder Sorgen machen soll.

Die tibetanischen Fahnen am Spielfeldrand gefallen den Fußballgästen aus China gar nicht. Foto: dpa
Die tibetanischen Fahnen am Spielfeldrand gefallen den Fußballgästen aus China gar nicht. Foto: dpa

Mainz/Stuttgart - Dem Mann, der kurz vor seinem Ruhestand die Fußballwelt in Aufruhr versetzt hat, wird am Tag danach immer unwohler in seiner Haut. Die Sonntagszeitungen und Online-Portale sind voll mit Berichten über seinen Ausflug nach Mainz, die Bilder laufen im Fernsehen – ein solches mediales Echo hat er nicht erwartet. „Bitte lassen Sie meinen Namen unerwähnt“, sagt der 65-Jährige am Ende des Gesprächs, „China ist mächtig.“

Am Samstag ist der Politaktivist aus Stuttgart zum ersten Auftritt der chinesischen U 20 in der Regionalliga Südwest gefahren, um auf dem Sportplatz des TSV Schott Mainz gemeinsam mit fünf Mitstreitern auf die Unterdrückung Tibets durch China aufmerksam zu machen. „Wir wollten nicht provozieren, wir wollten nur Flagge zeigen“ – im wahrsten Sinne des Wortes: Unweit der Eckfahne hängen sie pünktlich zum Anpfiff Tibet-Fahnen über die Absperrungen und ihre Schultern.

Kommt die Anweisung an Chinas Fußballer „von ganz oben“?

Etwa 20 Minuten dauert es, dann wird das Fußballspiel zum Politikum. Ein Chinese aus dem Publikum versucht vergeblich, die Fahnen zu entreißen, es gibt ein Gerangel, das Nationalteam aus Fernost verlässt den Rasen und weigert sich weiterzuspielen, so lange die Farben Tibets am Spielfeldrand hängen. Der beteiligte Aktivist aus Stuttgart vermutet, der Aktion sei „eine Anweisung von ganz oben“ vorausgegangen, „sonst hätte es nicht so lange gedauert“.

Zur völligen Eskalation und zum Spielabbruch will es der Mann, schon vor Jahren zum Buddhismus konvertiert und ein entschiedener Gegner von Gewalt, nicht kommen lassen: „Die anderen Zuschauer wollten schließlich nur ein Fußballspiel sehen.“ Die Freunde Tibets rollen ihre Fahnen wieder ein und machen sich, freundlich eskortiert vom Sicherheitsdienst, Anfang der zweiten Spielhälfte auf den Weg zum Parkplatz.

Ihr Ziel haben die Tibet-Aktivisten in Mainz übererfüllt

Das Ziel, die Tibet-Frage vor breitem Publikum zu thematisieren, ist ohnehin bereits übererfüllt. Die Mahnwachen, die die Tibet-Initiative Deutschland alle zwei Wochen in der Stuttgarter Innenstadt abhält, finden meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Besser hätte es nicht laufen können“, sagt der Aktivist nach der Rückkehr aus Mainz, „es steht 1:0 für Tibet.“

Mit 0:3 verliert die chinesische Auswahl ihre Premiere beim Tabellenvorletzten der Regionalliga – doch ist es nicht die Niederlage, die bei Nationaltrainer Sun Jihai für den größten Unmut sorgt: „Unser Team ist nach Deutschland gekommen, um sich im Fußball zu verbessern und Erfahrungen zu sammeln. Ich hoffe, dass es künftig um Fußball geht und um nichts anderes.“ Doch kann der DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann nichts versprechen. Zwar wolle man „auch ein guter Gastgeber“ sein und sei daher „nicht glücklich über diese Vorkommnisse“. Jedoch: „Die Proteste können wir nicht verbieten. Es gibt in Deutschland das Recht auf freie Meinungsäußerung.“

Weitere Aktionen auf der Fußball-Bühne sind vorerst nicht geplant

Zumindest der Aktivist aus Stuttgart will es sich künftig verkneifen, die Fußballbühne für sein Anliegen zu nutzen. „Ich bin kein Freund davon, noch mehr Öl ins Feuer zu gießen“, sagt er. Daher wolle er kein Spiel mehr von Chinas U-20-Mannschaft besuchen – „es sei denn, ich werde von meinen Mitstreitern überstimmt“.

Am Samstag tritt der chinesische Nachwuchs beim FSV Frankfurt an.