Ellie Brauer aus Waldenbuch Eine Kommissarin in Israel: Die Erfindung der Olivia Pfeffer

Hat was gesehen von der Welt: Ellie Brauer hat intensiv Zeit in Israel verbracht – und viele Erlebnisse in ihrem Buch verarbeitet. Es ist nicht ihr erstes. Foto: Caroline Holowiecki

Schweden-Krimis, Nordsee-Krimis, Italien-Krimis: Spannende Geschichten gibt es aus aller Herren Länder. Die Waldenbucher Autorin Ellie Brauer schickt ihre Kommissarin jedoch nach Israel. Verlage waren davon zunächst nicht begeistert.

Der Blick auf die 60ies-Regalwand im Wohnzimmer lässt es zunächst nicht vermuten. Die Fächer des hippen Möbelstücks sind so gut wie leer, doch Ellie Brauer ist eine Leseratte. Spannungsreiche Geschichten haben es ihr angetan. Ob Schweden-Krimi, Nordsee-Krimi, Italien-Krimi oder Krimi, der auf Mallorca spielt: „Ich lese alles querbeet. Für mich ist das wie Netflix schauen.“ Doch eines ist der 55-Jährigen bei ihrer Lektüre aufgefallen: Die Ermittler sind meist männlich und tragen ein persönliches Trauma mit sich herum. „Wieso gibt es nicht mal eine Ermittlerin mit den gleichen Problemen, die du und ich haben?“, fragte sie sich – und begann zu schreiben.

 

Klinken putzen bei Verlagen

Das Ergebnis kann die Waldenbucherin seit wenigen Tagen in ihren Händen halten. „Kein Urlaub ohne Mord“ ist dieser Tage im Piper-Verlag erschienen. Im Zentrum steht die Münchner Kommissarin Olivia Pfeffer, die im Israel-Urlaub plötzlich mit einem Kriminalfall konfrontiert ist. Dass die Geschichte so erscheint, dafür musste Ellie Brauer Klinken putzen. Bei Verlagen, Lektoren und Buchagenten sei die Kombi launiger Kriminalroman und Israel zunächst nicht angekommen. Der Schreibstil sei toll, die Figuren und der Plot seien toll – aber Israel? Es gebe doch so viele Sehnsuchtsorte für einen humorvollen Urlaubskrimi, den Gardasee oder Skandinavien. „Wenn man nicht auf die ganz harte Thriller-Schiene geht, ist Israel nicht das klassische Land“, sagt die Autorin.

In Waldenbuch ist Ellie Brauer aufgewachsen. Bis heute lebt sie mit ihrem Lebensgefährten im Obergeschoss des Elternhauses im Ortsteil Glashütte. Vom Balkon hat sie einen sagenhaften Blick über die Häuser und die Hügel. Ihr Herz hat Ellie Brauer aber an Israel verloren. Sie spricht von einem „fantastischen Urlaubsland“. Die freie Werbetexterin liebt das Reisen, hat die Karibik oder Südamerika erkundet. Strandfotos zieren ihre Wände. „Die Welt ist so groß, ich würde mir wünschen, ich könnte mein ganzen Leben lang reisen, reisen, reisen.“

Der Nahostkonflikt bleibt außen vor

Gut zehn Jahre lang habe sie in Nordisrael ihren Zweitwohnsitz gehabt, in Nahariya nahe der libanesischen Grenze. Das ist jener Ort, wo auch ihr Buch spielt. „Früher kannte ich Israel nur aus dem Religionsunterricht“, erzählt sie. Später habe sie das Land durch eigene Anschauung als kulturell besonders vielfältig und modern kennengelernt.

Ist Toffifee eigentlich koscher, und was erleben die Bademeister am sogenannten Banana-Beach? Skurrile Szenen, die die Romanheldin in Israel erlebt, haben sich so oder so ähnlich tatsächlich zugetragen, sagt Ellie Brauer. „Ich habe alles verarbeitet, es gibt viele Parallelen.“ Lokalkolorit findet man im Buch reichlich, Details zur politisch durchaus angespannten Lage im Land und zum Nahostkonflikt habe sie aber bewusst versucht wegzulassen. Es sei ihr eher darum gegangen, auch mal die Leichtigkeit zu zeigen, „dass die Leute eine unglaubliche Lebensfreude ausstrahlen“.

„Aus Versehen“ gewonnen

„Kein Urlaub ohne Mord“ ist nicht Ellie Brauers erstes Buch, aber das erste, das ihren Namen trägt. Ihr Debütroman „Bittermandel Honigherz“ ist unter dem Pseudonym Ada Lewis erschienen. Die Weihnachtsromanze habe sie eigentlich für einen Wettbewerb geschrieben und gehofft, dadurch auf eine Shortlist zu kommen, um später womöglich leichter einen Verlag für ihre Krimiideen zu finden. Aber dann habe sie „aus Versehen“ gewonnen. „Ich dachte, die Zielgruppe erwartet Namen wie Ada Lewis“, sagt sie lächelnd. Grundsätzlich sei es wahnsinnig schwierig für Autoren, Verlage zu finden, immerhin bekämen die pro Jahr Tausende Manuskripte zugeschickt.

Umso mehr freut sich Ellie Brauer, dass ihre Ermittlerin Olivia Pfeffer nun in der Welt ist. „Der zweite Band ist geschrieben“, sagt sie, das Manuskript liege dem Verlag bereits vor. Darin kommen dann auch Stuttgart und Tübingen vor, „und eine kurze Szene spielt in Waldenbuch“. Wenn es nach der Schriftstellerin geht, soll Olivia Pfeffer noch viele Abenteuer erleben. Ideen habe sie jedenfalls genug. „Ich muss mir nur jedes Mal einen Mord und ein Motiv überlegen.“

Darum geht’s im Buch

Inhalt
„Kein Urlaub ohne Mord. Olivia Pfeffer ermittelt“ ist am 27. April im Piper-Verlag erschienen. Die Inhaltsangabe liest sich so: Kriminalkommissarin Olivia Pfeffer hat genug vom Münchner Dauerregen und ihrem tristen Singledasein. Kurzentschlossen fliegt sie ins sonnige Israel, um sich in einem Kibbuz von den Strapazen ihres Jobs und dem Scheitern ihrer letzten Beziehung zu erholen. Ihre Auszeit scheint perfekt zu sein, bis ein Kind spurlos verschwindet. Als kurz darauf der Bademeister stirbt, mit dem Olivia noch am Morgen geflirtet hat, und ein weiteres Kind vermisst wird, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Angebot
Erhältlich ist der 352 Seiten starke Krimi im klassischen Buchhandel. Auch Ellie Brauers Debütroman ist 2021 bei Piper erschienen. „Bittermandel Honigherz“ ist eine weihnachtliche Romanze im Stil der Bridget-Jones-Reihe.

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