Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Stuttgart Was Eltern zur Inklusion meinen

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Mit der Inklusion von geistig Behinderten im G8 ist das Elly in Stuttgart Vorreiter. Elternvertreter zeigen sich vom Nutzen des gemeinsamen Lernens überzeugt.

Biolehrerin Christina Kurz kümmert sich um ihre Schüler. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Biolehrerin Christina Kurz kümmert sich um ihre Schüler. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Profitieren am Elly die geistig behinderten und die G8-Schüler voneinander? Davon sind nicht nur die Lehrer überzeugt, sondern auch die Eltern. Ismene Schell findet das Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Kindern „total wichtig“. Sie ist die Mutter von Lin, dem Mädchen mit Down-Syndrom, und eine der beiden Elternvertreterinnen.

„Ich möchte nicht, dass meine Tochter in einer Parallelwelt lebt“, sagt Schell. Es sei „sehr gut, dass Lin Anregungen kriegt von Regelkindern und dass sie diese Normalität mitkriegt“. Sie räumt ein: „Wir hatten ein bisschen Sorge, weil die Regelschüler vorher ja keinen Kontakt hatten mit behinderten Kindern.“ Aber die Sorge habe sich nicht bestätigt. „Lin fühlt sich sehr wohl.“ Sie werde auch zu Kindergeburtstagen eingeladen, und Klassenkameraden kämen zum Spielen zu ihr.

Elternvertreter: Auch Gymnasien sollen Inklusion machen

Weshalb aber das G8 und nicht, sagen wir mal, eine Werkrealschule oder eine Realschule? Da, so könnten Kritiker einwenden, wäre der Abstand nicht ganz so groß. „Der Abstand ist gar kein Thema“, sagt Schell. Die Leistung sei völlig irrelevant. „Ich find’s wichtig, dass sich auch die Gymnasien öffnen und sich nicht gesellschaftlich ausklinken.“ Dies habe weitere Folgen: „G8-Schüler werden später eher Entscheidungsträger als Werkrealschüler – das bringt die Inklusion weiter“, so Schell.

Auch Karin Jaschke, Elternvertreterin und Mutter eines G8-Kindes, hat das Elly wegen seiner innovativen Pädagogik gewählt und ist erfreut über das „umfangreiche und sehr engagierte Team“, das die 5a betreue und es geschafft habe, „die Kinder sehr entspannt in der neuen Situation ankommen zu lassen“. Jaschke ist sicher: „Die Vermittlung von Fachwissen bleibt keineswegs auf der Strecke, auch wenn so mancher Skeptiker gerade dies befürchten mag.“ Viel wichtiger als abruf- und messbares Faktenwissen sei doch, dass die Kinder das Lernen lernten, soziale Kompetenzen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

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