Elterngeld Die Ampel spart an der falschen Stelle

Besonders die Wochen nach der Geburt sind für Familien oft anstrengend. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Für Eltern, deren Kinder ab April geboren werden, wird der Elterngeldbezug eingeschränkt. Keine gute Entscheidung, meint Hauptstadtkorrespondentin Rebekka Wiese.

Berliner Büro: Rebekka Wiese (rew)

Wenn Paare Eltern werden, ändert sich ihr Leben radikal. Besonders die ersten Wochen nach der Geburt sind ein Ausnahmezustand. Das Wochenbett dauert für Mütter rund sechs bis acht Wochen, so lange brauchen sie in der Regel, um sich von Schwangerschaft und Geburt zu erholen. Gab es Komplikationen oder einen Kaiserschnitt oft auch noch länger. Damit die Erholung gelingt, ist es besonders wichtig, dass Mütter Unterstützung bekommen, am besten durch den Partner.

 

Umso unverständlicher ist die Entscheidung der Bundesregierung, diese erste Zeit mit dem neugeborenen Kind zu erschweren. Denn künftig dürfen beide Elternteile nur noch maximal einen Monat gleichzeitig das Elterngeld beziehen. Bislang konnten Eltern frei entscheiden, ob sie die maximal 14 Monate im Elterngeld gleichzeitig oder abwechselnd nehmen. Eltern, deren Kind ab April geboren wird, haben diese Wahl nicht mehr.

Man darf nicht vergessen, wie der Beschluss zustande kam: Im Haushaltsstreit der Ampel-Koalition ging es darum, Geld einzusparen. Wenn die Regierung jetzt argumentiert, sie wolle Paare darin bestärken, die Elternzeit gerechter untereinander aufzuteilen, macht sie sich unglaubwürdig. Zu offensichtlich ist der Sparzwang, dessen Auswirkungen nun junge Eltern zu spüren bekommen.

Sparmaßnahme an der falschen Stelle

Was stimmen mag: Viele Familien nutzten die gemeinsamen Monate für eine lange Reise, nicht für die Eingewöhnung im Familienleben zu Hause. Ein solcher Urlaub ist zwar legitim – muss aber nicht durch den Staat finanziert werden. Um dem vorzubeugen, hätte es eine bessere Lösung gegeben: eine Begrenzung des gleichzeitigen Elterngeldbezugs auf zwei oder drei Monate.

Dass niemand auf die Idee kam, sich mit den Bedürfnissen junger Familien auseinanderzusetzen, spricht dafür, dass die neue Regelung eben nicht in ihrem Sinne erdacht wurde. Es ist eine Sparmaßnahme – an der falschen Stelle.

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