EM 2024 in Stuttgart Warum der Bahnhof ein Problem sein könnte

Kommen sie wieder? Schweizer Fans bei der WM 2006 Foto: dpa/ Norbert Försterling

Es wird ernst. In knapp vier Wochen weiß man, welche Mannschaften in Stuttgart ihre EM-Spiele austragen. Die Touristiker bereiten sich auf alle Alternativen vor. Eines allerdings bereitet ihnen Kopfzerbrechen.

Die Zahl klingt ungeheuerlich. Aber die Kunde, die aus Schottland dringt, wird von mehreren Menschen bestätigt. Anscheinend wollen 150 000 Schotten ihre Fußball-Nationalmannschaft im nächsten Juni zur Europameisterschaft nach Deutschland begleiten. Das klingt nach Überstunden in den hiesigen Brauereien. Nicht nur bei Hofbräu und Dinkelacker werden sie hoffen, dass die Schotten nach Stuttgart gelost werden. Auch dem Tourismusdirektor Armin Dellnitz würde das gefallen.

 

Wo wird gelost?

Am 2. Dezember wird in der Elbphilharmonie in Hamburg ausgelost, welche Mannschaften in welcher der zehn Gastgeberstädte spielen. In Stuttgart sind fünf Spiele, vier Gruppenspiele und ein Viertelfinale; es könnten theoretisch also zehn verschiedene Mannschaften in der MHP-Arena antreten. Natürlich hat Dellnitz eine Wunschliste. Auf der steht die Schweiz ganz oben. Kommen die Eidgenossen nicht ohnehin? Aus touristischer Sicht können es offensichtlich nie genug Besucher sein, die hier ihre Franken ausgeben.

Wer kommt?

Aber da gehe es nicht nur um Übernachtungen und Besuch der Spiele, sagt Dellnitz, „wir hoffen auf viele Gäste, die Teil der EM sein wollen“. Sprich, die die Atmosphäre erleben möchten, in der Stadt sein wollen und auf den Schlossplatz zum Fanfest gehen. Aus diesem Grund schadet es auch nicht, dass Österreich schon qualifiziert ist, die Wege sind kurz genug auch für einen Tagesausflug. Was auch für das Elsass gilt. Auch Frankreich ist ebenso wie Spanien, Schottland, Frankreich, England, die Türkei, Belgien, Österreich und Portugal bereits qualifiziert.

Was erhofft man sich?

Unterwegs war man schon in manchen Ländern, die die Touristiker gerne als „Märkte“ beschreiben. In der Schublade hat man natürlich Kampagnen, wie man sich dort präsentieren will und wird. Wenn nach der Auslosung feststeht, wer in Stuttgart spielt. Wenig überraschend werden dabei eine zentrale Rolle die Bilder von der WM 2006 spielen, vom proppevollen Schlossplatz.

Dellnitz: „Diese WM hat einen riesigen Sprung für die Touristik gebracht und ist für die internationale Bekanntheit von unschätzbarem Wert gewesen.“ Die Zahl der Gäste aus dem Ausland sei hernach deutlich gestiegen. So haben etwa die Schweiz und Holland in Stuttgart gespielt, beide brachten Zigtausende Fans mit. Was in den Jahren danach zu mehr Besuchern aus diesen Ländern führte.

Wie entwickeln sich die Übernachtungszahlen?

Auch die EM 2024 werde nicht nur ein sportliches Großereignis sein. Stadt, Region und Land könnten sich präsentieren wie bei kaum einer anderen Gelegenheit. Was höchst willkommen ist, denn die Pandemie hat die Tourismusindustrie bis ins Mark getroffen. Die Übernachtungszahlen im ersten Halbjahr 2023 liegen immer noch neun Prozent unter jenen von 2019, bei den internationalen Gästen betrage der Rückgang 20 Prozent, heißt es bei Stuttgart Marketing.

Wie war es 2006?

Zeit aufzuholen. Dabei soll die EM helfen. Wichtiger noch als ein ausgefeiltes Programm sei, dass die Gäste sich wohlfühlen. „Es geht um die Atmosphäre, die die Stadt ausstrahlt.“ Die vier Wochen Sonnenschein von damals, die kann man sich wünschen, aber nicht bestellen. Umso wichtiger sei jenes Gefühl, das die WM 2006 begleitet hat, jener Mix aus Freude und Stolz, Besucher von überallher zu empfangen – und auch die typisch schwäbische Verblüffung darüber, dass man ein guter Gastgeber und die Stadt tatsächlich liebenswert sein kann.

Was ist das Problem?

Das größte Problem allerdings ist, dass der erste Eindruck momentan kein guter ist. Viele Fans werden am Hauptbahnhof ankommen. Weil die Bahnhofshalle gesperrt ist, werden sie sich vorkommen wie ein moderner Theseus im Labyrinth des König Minos, allerdings nicht auf der Suche nach dem Minotaurus, sondern nach der Innenstadt. Rechts rum? Links rum? Wo bitte geht es zur S-Bahn? Zur Stadtbahn? Auf die Königstraße? Das ist schon für Einheimische eine Herausforderung und ein Ärgernis.

Was kann man tun?

„Das lässt sich nicht wegreden“, sagt Armin Dellnitz, „wir müssen dafür sorgen, dass die Leute sich vom ersten Moment an willkommen fühlen“. Man werde sich demnächst mit den Anliegern des Bahnhofs zusammensetzen und überlegen, wie man die Ankunft dort und die Wege zu einem Erlebnis mache. Ideen gebe es, aber noch nichts, was man verraten könne. Man darf gespannt sein, denn den Bahnhof aufzuhübschen, das würde auch die Stuttgarter freuen, nicht nur die Schweizer und Holländer. Wobei sich beide Teams erst qualifizieren müssen. Aber sie sind auf einem guten Wege. Was wiederum die Touristiker freut. Denn kaum etwas wäre aus ihrer Sicht schlimmer, als dass die deutschen Fans wieder ihr Spottlied singen könnten: „Ohne Holland fahren wir zur EM!“

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