Etwas Besonderes liegt in der Luft: Am 9. Juni bezieht die Entourage der belgischen Fußball-Nationalmannschaft das Hotel. Drei Tage später wird das Team um den in Aichwald (Kreis Esslingen) aufgewachsenen Coach Domenico Tedesco anreisen. Andere Gäste können erst wieder Zimmer buchen, wenn die Elf aus dem Turnier ausgeschieden ist – oder aus dem Endspiel als Sieger vom Platz geht. Hoteldirektor Felix Sommerrock ist jedenfalls guter Dinge, dass das belgische Team am 14. Juli im Finale stehen wird.
Die Vorfreude auf die Gäste aus dem Nachbarland ist spürbar groß. Bei Sommerrock, seinem Vize Marcos Angas und dem ganzen Team. Schon seit Wochen flattert die belgische Fahne am Hoteleingang im Wind. Für die Europameisterschaft beworben hat sich das Hotel, das der Hofkammer des Hauses Württemberg gehört, vor sechs Jahren. Ein langer Vorlauf, der nicht ungewöhnlich ist. Vergangenes Jahr wurde für die Frauen WM im Jahr 2027 der Hut in den Ring geworfen – sofern Deutschland den Zuschlag für die Austragung des Turniers bekommt.
„Als ich vor fünf Jahren nach Ludwigsburg kam, haben wir die ersten Gespräche mit dem DFB geführt“, erinnert sich Sommerrock. Seit März 2023 haben dann mehrere Uefa-Delegationen das Vier-Sterne-Hotel unter die Lupe genommen. „Wir hatten unter anderem Abordnungen aus Italien, der Türkei, aus Rumänien und Frankreich im Haus. Es waren alles nette Gespräche.“ Mitte Januar konnten dann die Sektkorken knallen, nachdem sich die belgische Delegation für das Schlosshotel entschieden hatte.
Investitionen werden vorgezogen
Seitdem wird geplant und umgebaut. „Wir ziehen Investitionen und Planungen vor, die für die nächsten Jahren sowie auf der Agenda gestanden hätten“, erklärt Sommerrock. Zum Beispiel die Klimaanlagen. Bislang gab es nur Geräte in den öffentlichen Räumen, jetzt können auch die Zimmer gekühlt werden. Die Hofkammer hat dafür in Wärmepumpen investiert.
Apropos Zimmer. Auch sie wären in nächster Zukunft modernisiert worden – doch jetzt werden eben bis zum Einzug der Fußballstars aufgehübscht. Allerdings nicht ohne Rücksprache mit den belgischen Gästen. Zumindest was das Farbkonzept angeht. Aus dem zuvor schlichten Wandweiß wurde ein modern-dezenter Mix in grau und grün. Passende Kunst wollen die Belgier selbst mitbringen.
Die größte Herausforderung – gerade was die Zeitkomponente angeht – ist der Bau eines Außenpools. Vor zehn Jahren wurde das Hallenbad zugunsten eines Veranstaltungsraumes trockengelegt. Der Gedanke, den Geschäftsreisenden, Tagungs-, aber auch Wochenendgästen neben Sauna und Dampfbad auch ein Schwimmbad im Freien anbieten zu können, schwirrte schon länger durch Sommerrocks Kopf. Der Zuschlag bei der EM sei so etwas wie ein letzter Impuls gewesen, ihn gleich zu bauen. Das Erdloch ist bereits gebaggert, die zehn Meter lange Wanne soll demnächst geliefert werden.
Eine Bedingung sei der Pool seitens der Belgier aber nicht gewesen, stellt Sommerrock klar. „Sie hätten einen Aufstellpool mitgebracht – so wie die Schweizer im Waldhotel in Stuttgart.“Allerdings beteiligen sich die Gäste nun in gewisser Weise am Bau des Pools. „Das was sie für den Aufstellpool bezahlt hätten, fließt bei uns mit ein.“
Viel frischen Fisch
Neben Physiotherapeuten und dem Trainerteam bringt die Mannschaft einen Chefkoch und zwei Helfer mit. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Küchenmannschaft des Schlosshotels Urlaub machen kann. „Kochen wird vor allem unser Team“, sagt Sommerrock. Eine erste Liste liegt vor. Allerdings ohne Überraschungen. „Während Corona hatten wir den VfB eine Woche bei uns und auch sonst schon öfter Sportmannschaften, deshalb wissen wir, dass großen Wert auf weißes Fleisch, auf Kohlenhydrate und wenig Zucker gelegt wird.“
Eine Besonderheit gibt es dann aber doch. Kevin De Bruyne und seine Kollegen sollen auf Monrepos viel frischen Fisch serviert bekommen. „Also wirklich frischen Fisch – keine Tiefkühlware“, so Sommerrock. Gegessen wird der dann im Wintergarten, der auch noch einen neuen Anstrich bekommen wird. Und runde Tische statt der rechteckigen – so der Wunsch der Gäste.
Kommt auch der König?
Es gibt also noch einiges zu tun im Schlosshotel, doch Felix Sommerrock ist guter Dinge, dass alles klappt und hat sogar die leise Hoffnung, dass – im Falle eines erfolgreichen Turniers – der belgische König vorbeischaut. Überhaupt warten auf den Hotelier spannende Wochen, denn der 40-Jährige wird während der EM zum zweiten Mal Papa.
Der Seeweg und die Domäne sollen offen bleiben
Sicherheit
Das endgültige Sicherheitskonzept der Uefa liegt noch nicht vor. Dem ersten Entwurf nach wird das Hotel jedoch mit Sicherheitspersonal abgeriegelt und ein Teil der Eichenallee, also der Weg, der direkt an der Hotelterrasse vorbeiführt, gesperrt. Der Seeweg soll jedoch – Stand jetzt – offen bleiben. „Die Domäne kann nicht komplett abgesperrt werden“, betont Rainer Setzer von der Hofkammer. Schließlich wird auch das Restaurant Gutsschenke, das Weingut Herzog von Württemberg oder der Biergarten geöffnet sein: „Wir freuen uns unheimlich, dass es gelungen ist, uns in dem Auswahlverfahren durchzusetzen.“
Public Viewing
In der Holzhütte neben dem Biergarten sollen die EM-Spiele, die um 15 und 18 Uhr stattfinden gezeigt werden, kündigt Hotelchef Felix Sommerrock an. Spielt die deutsche Mannschaft abends um 21 Uhr wird auch dieses Spiel gezeigt – dasselbe gilt für Abendspiele der belgischen Mannschaft.