InterviewEmmanuel Macrons Europaberaterin „Auch die Deutschen müssen sich bewegen“

Die liberale Europaabgeordnete Sylvie Goulard berät den französischen Präsidentschaftsfavoriten Emmanuel Macron in allen europapolitischen Fragen. Foto: dpa
Die liberale Europaabgeordnete Sylvie Goulard berät den französischen Präsidentschaftsfavoriten Emmanuel Macron in allen europapolitischen Fragen. Foto: dpa

Bei der Stichwahl um das französische Präsidentenamt hoffen viele Deutsche auf Emmanuel Macron. Aber auch unter einem Staatschef Macron müsste man sich in Berlin auf eine neue Politik in Paris einstellen, wie das Gespräch mit seiner Beraterin Sylvie Goulard zeigt.

Korrespondenten: Christopher Ziedler (zie)
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Berlin – - Madame Goulard, ihr Kandidat Emmanuel Macron hat mit Europa im Wahlkampf gepunktet. Wie kommt das?
Für Emmanuel Macron ist es von Anfang an ein „Risiko“ gewesen, als Proeuropäer aufzutreten. Es ist natürlich befremdlich, das im Land des EU-Gründungsvaters Robert Schuman sagen zu müssen, aber die verbreitete EU-Skepsis ist nun mal eine Tatsache. Im ersten Wahlgang ist Macron für seinen Mut belohnt worden, nun hoffen wir natürlich, dass dies auch im zweiten der Fall sein wird.
Was macht denn seine proeuropäische Haltung konkret aus?
Er ist ein überzeugter Europäer und setzt in seiner Umgebung auf überzeugte Europäer. Vor allem aber verschweigt er gegenüber den Wählern nicht die Tatsache, dass die Souveränität in Europa geteilt ist. Wir haben freiwillig und aus guten Gründen in manchen Bereichen Befugnisse an die europäische Ebene abgegeben, weshalb eben längst nicht mehr allein auf nationaler Ebene entschieden wird. Wir merken aber auch, dass sie das Eingeständnis eines Politikers verwirrt, nicht alles im Alleingang regeln zu können – schließlich wird ihnen seit Jahren das Gegenteil erzählt.
Wie wichtig würde er die deutsch-französische Achse nehmen?
Das können Sie schon daran erkennen, dass er sich im Wahlkampf zwei Mal Zeit genommen hat, um nach Berlin zu reisen. Ich selbst habe mich noch einmal mit Finanzminister Wolfgang Schäuble getroffen. Auf die im französischen Wahlkampf oft gehörte Frage, was er gegen die deutsche Dominanz und Angela Merkel unternehmen werde, hat er geantwortet, dass er zusammen mit Angela Merkel Europa gestalten und zu einer Erneuerung der europäischen Integration beitragen wollen. Abgesehen davon sind wir ohnehin der Überzeugung, dass die deutsch-französische Freundschaft über Parteigrenzen hinweg funktioniert, so wie bei Helmut Kohl und Francois Mitterrand. Die Deutschen werden sich für Angela Merkel oder Martin Schulz entscheiden, beide sind aber sowieso überzeugte Europäer. Eine Gefahr für Europa wie Marine Le Pen besteht in Deutschland Gott sei Dank nicht.
Marine Le Pen hat gerade angedeutet, dass sie vielleicht doch nicht aus dem Euro aussteigen würde. Wäre die von ihr ausgehende Gefahr dann überhaupt so groß?
Ihre Standhaftigkeit und Ihre Kohärenz werden dadurch nicht größer. Ein paar Tage vor der Wahl weiß keiner, was sie wirklich vorhat. Mit dem Geld der Sparer und der Zukunft unserer Wirtschaft spielt man nicht so! Am gleichen Tag hat sie den Euro für „tot“ erklärt und angekündigt, sie würde letztendlich nicht aus der Eurozone austreten, weil 68 Prozent der Franzosen dagegen sind. Wie der Rattenfänger von Hameln spielt sie die Musik, die die Menschen bezaubert, aber letztlich nur verführt.
Machen sich die Deutschen, macht sich die Bundesregierung vielleicht Illusionen über Macron? Nur weil er als Proeuropäer gilt, dürfte er ja kaum alles abnicken, was aus Berlin kommt?
Sicherlich nicht. Das Thema ist ja nicht, dass Frankreich unter Macron auf jede eigenständige Analyse oder Interessensbekundung verzichten würde. Es geht um eine Partnerschaft, eine gleichberechtigte Partnerschaft. Wir würden uns in der weder zu etwas zwingen lassen, noch andere zu etwas zwingen – denn so kann Europa nicht funktionieren. Wir brauchen einen neuen Mannschaftsgeist.




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