Ende einer Institution Letzter Vorhang des Teatro Piccolo

Von Martin Haar 

Theatermacher Martin Seeger verabschiedet sich nach 30 Jahren Teatro Piccolo mit einer großen Botschaft: „God is too big to fit under one religion.“

Das Teatro Piccolo erzählt Geschichten, die man in der Summe das Alte Testament nennt, und die doch nie zu altern scheinen. Foto: Olaf Krüger
Das Teatro Piccolo erzählt Geschichten, die man in der Summe das Alte Testament nennt, und die doch nie zu altern scheinen. Foto: Olaf Krüger

Stuttgart - Normalerweise heißt es: Hinterm Regenbogen geht’s weiter. In diesem Fall ist nach dem Regenbogen Schluss. Für den Regisseur des Teatro Piccolo, Martin Seeger, endet mit dem Stück „Unterm Regenbogen“ eine 30-jährige Ära. Der Gründer und Macher der spiel- und theaterpädagogischen Initiative im Evangelischen Jugendwerk (ejus) geht in den Ruhestand. Für einen Nachfolger hat das Werk, das einen Jahresetat von 1,86 Millionen Euro hat, kein Geld. Zuletzt hieß es aus der ejus-Geschäftsführung, man gebe das Projekt zwar nicht gerne auf, aber man könne es einfach nicht mehr schultern.

Damit fällt beim Stück „Unterm Regenbogen“ wohl der letzte Vorhang für Martin Seeger. Das Stück soll die Zuschauer zu einem musikalisch-theatralischen Spätsommerabend einladen. Martin Seeger beschreibt den Inhalt so: „Unterm Regenbogen ist ein Streifzug durch die Geschichten des Alten Testaments, verbunden mit einem Plädoyer für ein versöhnliches Miteinander der drei Weltreligionen aus Abrahams Schoß, sprich dem Judentum, dem Christentum und dem Islam.“

Aufruf zur Toleranz

Die Idee zum Stück ist nicht ganz neu und erinnert stark an Lessings „Nathan der Weise“, wo in der Ringparabel auch der Toleranzgedanke unter Gläubigen der drei Buchreligionen hochgehalten wird. Das Motto lautet daher auch bei Martin Seeger: „God is too big to fit under one religion – Gott ist zu groß, dass er sich in eine Religion zwängen ließe.“ „Augenzwinkernd fantasieren wir über die Schöpfung und sorgen uns ziemlich um ihre Geschöpfe. Wir zelebrieren das Hohe Lied der Liebe, und stellen fest, dass aus streicheln schnell straucheln werden kann, wenn sich Herz auf Schmerz reimt, Lust auf Frust und Kuss auf Schluss“, beschreibt Seeger sein Stück und ergänzt: „Wir servieren Schmankerl aus dem kulturellen Erbe der christlichen, jüdischen und arabischen Welt, und wir spielen noch einmal ein Best of aus unserem Kultstück Äpfel, Linsen, Götterspeisen, das wir nach 12 Jahren gebührend verabschieden wollen.“

Für Martin Seeger ist jedenfalls ein krönender Abschluss nach 30 Jahren segensreicher Zeit, in der er seinem Publikum und den Mitwirkenden auf spielerische Art und Weise die Botschaft des Evangeliums nahe gebracht hat.

Keine Lösung mit Geschäftsführern

Er selbst verabschiedet sich ohne Groll, obwohl er gerne auf Honorarbasis weitergemacht hätte. Doch mit beiden Geschäftsführern, Jörg Titze und Martin Gutbrod, war offenbar keine Einigung über solch ein Engagement zu erzielen.

„30 Jahre künstlerische Leitung beim teatro piccolo – eine tolle Zeit, viel erlebt und vermeintlich viel gelernt“, resümiert Seeger, „aber mit dem Theater ist es wie mit der Liebe: Man bleibt immer ein Anfänger.“

Sonderthemen