Energieentwicklung in Rutesheim Nahwärmenetz soll wachsen

Auf den Dächern von Rutesheim ist noch viel Photovoltaik-Potential. Foto: Simon Granville

Rutesheim macht sich fit für die energetische Zukunft und will über die Jahre ein Nahwärmenetz aufbauen – vorwiegend mit erneuerbaren Energiequellen.

Die erste Idee eines Rutesheimer Nahwärmenetzes keimte ursprünglich mit der Planung des neuen Wohnquartiers auf dem ehemaligen Bosch-Areal. Schnell war klar, dass man das Thema Energie in die eignen Hände nehmen wollte. Der Entschluss, ein eigene Heizzentrale zu bauen, stand. Der Eigenbetrieb Stadtwerke ist bereits gegründet. Warum nicht direkt schauen, in welchen städtischen Quartieren der Aufbau einer Nahwärmeversorgung sinnvoll ist?

 

Susanne Widmaier sah die Enttäuschung in manchen Gesichtern der etwa hundert Interessierten geschrieben, die in den Rutesheimer Bürgersaal gekommen waren. „Sie haben große Erwartungen und es tut mir leid, dass ich Ihnen noch keinen genauen Zeitplan präsentieren kann“, sagte die Bürgermeisterin am Ende der Informationsveranstaltung und der sich anschließenden Diskussion zum Thema kommunale Wärmeplanung. Die Stadt möchte in den kommenden Jahren festlegen, wo Wärmenetze ausgebaut werden können und setzt dabei auf möglichst erneuerbare Energiequellen wie Photovoltaik, Abwärme, Wind, Biogas oder Holzhackschnitzel. Eine große Aufgabe, die sich über einen langen Zeitraum erstrecken wird.

Ist-Stand über den Wärmeverbrauch

Die Ingenieurgesellschaft MbH Energie- und Versorgungstechnik (IBS) aus Bietigheim-Bissingen hatte von der Stadt den Auftrag bekommen, den Ist-Stand über die aktuellen Energieträger und den aktuellen Wärmeverbrauch in der Stadt zu ermitteln. Über Schornsteinfegermeister und Energieversorger sind Daten von Privat- und Geschäftsgebäuden eingeflossen – die nur für diese Zwecke genutzt und später wieder gelöscht werden. Die ersten Ergebnisse stellte nun Daniel Löffler von der Konzept- und Projektentwicklung der Öffentlichkeit vor. Demnach wird in Rutesheim aktuell 62 Prozent der Wärme aus Gas gewonnen, 28 Prozent aus Öl sowie jeweils vier Prozent aus Strom und Holz. „Ziel ist es, in Rutesheim bis zum Jahr 2040 eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung zu erreichen, der Ausbau eines Wärmenetzes lohnt sich allerdings nur dann, wenn möglichst viele Eigentümer in einem Straßenzug mitmachen“, sagte Löffler. Pro Jahr könnten zwei Kilometer Wärmenetz ausgebaut werden. Rutesheim hat insgesamt 35 Straßenkilometer.

Fakt ist: Nicht erst seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine beschäftigt sich die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat, welche erneuerbaren Energiequellen künftig in der Stadt erschlossen werden können, um unabhängiger von externen Energiequellen wie Gas oder Öl zu werden. „Die kommunale Wärmeplanung ist allerdings mit dem neuen Heizungsgesetz der Bundesregierung noch dringlicher denn je“, sagte Widmaier. Ziel der Gesetzesnovelle ist es, die Wärmewende in Deutschland schneller voranzutreiben. Und hier sind auch die einzelnen Städte gefordert. Für Kommunen mit mehr als 20 000 Einwohnern ist eine Wärmeplanung Pflicht. Rutesheim zählt, inklusive Perouse und Heuweg, zwar nur 11 000 Einwohner, hat sich aber ebenfalls freiwillig zu einer kommunalen Wärmeplanung entschlossen, muss aber 20 Prozent der Kosten selbst tragen.

Warten auf das Wärmenetz?

Die ermittelten Daten der Ingenieurgesellschaft sind erste Richtwerte. „Ziel sollte es auch sein, den Wärmeverbrauch mithilfe energetischer Modernisierung der Gebäudehüllen und der Optimierung der Technik zu reduzieren und die Heizung auf erneuerbare Energien umzustellen“, sagte Daniel Löffler. „Wir werden nicht jedes einzelne Haus an das Wärmenetz anschließen können“, sagte Widmaier. „Modernisieren wir unsere Heizung besser jetzt oder warten wir auf das Wärmenetz?“ Detaillierte Publikumsfragen wie diese kann Susanne Widmaier noch nicht beantworten. „Das Interesse an einem Wärmenetz ist groß, doch die Realisierung hängt von so vielen Faktoren ab.“

Erste Schritte sollen der Bau der Heizzentrale nahe des Schulzentrums, die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf den Sporthallen im Bühl sowie das Nahwärmenetz des Wohnquartiers auf dem ehemaligen Bosch-Areal sein. Alles andere wird sich wie Mosaiksteinchen zu einem Ganzen fügen.

Am Montag, 16. Oktober, findet um 19 Uhr in der Aula im Schulzentrum eine Informationsveranstaltung für alle Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer angrenzend an die Robert-Bosch-Straße statt.

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