Energiekonzern EnBW legt Bilanz vor EnBW: Hohe Schulden, wenig Eigenkapital

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Auch wenn der Energiekonzern bei der Bilanzvorlage die Erfolge seiner Umbaubemühungen betont, sprechen die Zahlen eine beunruhigende Sprache. Der Vorstand gibt sich dennoch optimistisch, dass die Restrukturierung bald Früchte tragen wird.

Der EnBW-Windpark Baltic 2 hat 2015 den Betrieb aufgenommen. Foto: dpa
Der EnBW-Windpark Baltic 2 hat 2015 den Betrieb aufgenommen. Foto: dpa

STUTTGART - Die Zahlen, die die EnBW am Dienstag in Stuttgart vorgelegt hat, sind wenig erbaulich: Der Verlust ist mit 1,8 Milliarden Euro auf Rekordniveau gestiegen, der Umsatz um 8,5 Prozent auf nur noch 19,4 Milliarde Euro gefallen. Die Schulden betragen mittlerweile zehn Milliarden Euro, und die Eigenkapitalquote liegt bei nur noch 8,3 Prozent. „Das ist nichts, womit wir auf Dauer zufrieden sein können“, sagte Finanzvorstand Thomas Kusterer bei der Bilanzvorlage. Eine Notwendigkeit, das Kapital des Konzerns zu erhöhen, sieht er aber nicht. Stattdessen zeigt er sich überzeugt, dass ein steigendes operatives Ergebnis die Quote verbessern wird. Und steigen soll das Ergebnis, so hoffen Kusterer und der EnBW-Vorstandsvorsitzende Frank Mastiaux, möglichst schon von diesem Geschäftsjahr an.

Möglich machen soll dies das Umbauprogramm, das Mastiaux im Jahr 2013, wenige Monate nach seinem Amtsantritt, auf den Weg gebracht hat: Bis zum Jahr 2020 sollen die dominierenden Ergebnisquellen die Netze und die erneuerbaren Energien werden, flankiert vom Vertrieb, der deutlich wachsen, und von Erzeugung und Handel, die deutlich an Bedeutung verlieren sollen. Hintergrund ist unter anderem, dass die Energiewende die konventionelle Stromerzeugung zunehmend unrentabel macht. Entsprechend ist das Ergebnis im Bereich Erzeugung und Handel 2016 um mehr als die Hälfte zurückgegangen, das der Netze um ein gutes Drittel gewachsen.

Das Sparen geht weiter

Im Zuge des Umbaus will die EnBW zwischen 2013 und 2020 gut 14 Milliarden Euro investieren und Beteiligungen im Wert von gut fünf Milliarden Euro verkaufen. Bisher, so Mastiaux, seien acht Milliarden Euro investiert worden und 3,5 Milliarden durch Desinvestitionen erlöst. Getrennt hat sich die EnBW zuletzt von der Propower GmbH mit dem Heizkraftwerk Eisenhüttenstadt und von ihren Anteilen an dem Oldenburger Versorger EWE. Investiert wurde in alle Wachstumsbereiche, nicht zuletzt in die Leipziger Gasgesellschaft VNG, aber auch in diverse Vertriebsaktivitäten wie Schnellladesäulen für die Elektromobilität und erneuerbare Energien, wo sich die EnBW mittlerweile unter anderem zu den Top-3-Entwicklern von Windparks in Deutschland zählt.

Zudem hat der Vorstand dem Konzern in drei Runden – zuletzt 2016 – Sparprogramme in Höhe von 1,4 Milliarden Euro verordnet. „Damit werden wir jeden dritten beeinflussbaren Euro im Konzern eingespart haben“, sagte Kusterer.

Die Mitarbeiter müssen auf Gehalt verzichten

Im laufenden Jahr müssen sowohl die Konzerneigner als auch die Mitarbeiter mitsparen: Denn es wird keine Dividende geben, und die Belegschaft muss auf 6,3 Prozent des Einkommens jährlich verzichten – vorerst für vier Jahre. 40 Millionen Euro Sparsumme soll der Verzicht der Mitarbeiter dem Konzern bringen, bezifferte Kusterer. Weiteres Sparpotenzial will die EnBW durch den 2016 beschlossenen Ausstieg aus dem Großkundenvertrieb heben.

Der Umbau zum umweltfreundlichen Energieversorger kommt voran: Seit 2014 hat die EnBW sieben Kraftwerksblöcke zur Stilllegung angemeldet, die sie allerdings im Rahmen der Reserverkraftwerksverordnung zur Verfügung halten muss. Zugleich geht der Ausbau der Windenergie weiter. Alleine im Meer, also offshore, stünden 2000 Megawatt Leistung zur Realisierung an, berichtete Mastiaux.

Es bleibt schwierig für die EnBW

Zugleich, daran ließen Mastiaux und Kusterer keinen Zweifel, bleibt das Umfeld für die EnBW schwierig. Das beginnt bei den niedrigen Strompreisen, geht weiter über das Niedrigzinsumfeld, das vor allem die Pensionsrückstellungen negativ beeinflusst, den zunehmenden Trend zur so genannten Dekarbonisierung der Energieerzeugung bis hin zu geopolitischen Unsicherheiten wie beispielsweise in den USA, Großbritannien und der Türkei.

Vor allem die Lage am Bosporus beobachten die Karlsruher gespannt – denn dort hat die EnBW gemeinsam mit dem Partner Borusan vor allem in Windenergieanlagen an Land investiert und setzt große Erwartungen in die Weiterentwicklung des dortigen Geschäftes. „Wir sehen uns das sehr genau an“, sagte Kusterer, „bisher stellen wir aber keine negativen Einflüsse der poltischen Gesamtsituation fest.“