Energiewende in Baden-Württemberg Drehen sich Windräder auf der Alb dann nur für Stuttgart?

Die Windräder, die die Stadtwerke Stuttgart auf der Zollernalb planen, würden ausschließlich aufs Klimaziel der Landeshauptstadt einzahlen, teilt eine Sprecherin mit. Foto: Archiv Factum-Weise/ /Simon Granville

Die Stuttgarter Stadtwerke haben den Zuschlag für einen Windkraft-Standort auf der Zollernalb bekommen. Die Frage, die sich nicht nur hier stellt: Was haben Kommunen direkt daneben davon?

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Für die Stadtwerke Stuttgart ist es eine gute Nachricht: Sie haben in einer Ausschreibung des Hauses Hohenzollern den Zuschlag für einen möglichen Windkraft-Standort auf der Alb erhalten. Theoretisch denkbar seien acht Windräder, heißt es. Nun folgen eingehendere Prüfungen.

 

Sollte das Projekt gelingen: Haben die Bürger vor Ort auch etwas von den Stuttgarter Bestrebungen, die Erneuerbaren auf der Alb auszubauen? Diese Frage ist offenbar nicht abschließend geklärt. Und die Antwort ist bei Weitem nicht nur für den vorliegenden Fall relevant.

Ausbau vor allem in ländlichen Regionen?

Städte, zumal so große wie Stuttgart, haben größere Probleme beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Von daher werden sie – wie nun Stuttgart – den Ausbau in ländlichen Regionen forcieren. Doch was sagen Kommunen dazu, die an die Anlagen grenzen und in vielen Fällen bis auf den Anblick nichts davon haben?

Das Gebiet, das nun als Energiequelle für die Stadtwerke Stuttgart im Gespräch ist, verläuft entlang der Gemeindegrenze zwischen Grosselfingen, Haigerloch, Rangendingen und Hechingen. Hechingen ist die größte der vier Kommunen. „Die Stadt Hechingen und ihr Eigenbetrieb Stadtwerke kommentieren das zur Rede stehende Vorhaben nicht“, ist der karge Kommentar auf Nachfrage unserer Redaktion.

Stuttgarter haben Fuß in die Tür gestellt

Gesprächiger ist Almut Petersen. Sie sitzt für die Bunte Liste im Hechinger Gemeinderat, ist Geschäftsführerin einer Photovoltaik-Beteiligungsgesellschaft in Hechingen, und sie ist Vorsitzende des Aufsichtsrats der Bürgerwerke, einem deutschlandweiten Netzwerk von Energiegenossenschaften.

Die Nachricht, dass die Stuttgarter Stadtwerke auf der Zollernalb ihren Fuß in die Tür gestellt haben, hat sie mehr oder weniger überrascht. Das Beste wäre, wenn eines der geplanten Windräder in Bürgerhand wäre, sagt sie. Die Anlagen an den Anliegern vorbei zu projektieren, „das wäre eine ganz, ganz schlechte Idee. Ich fände es auch nicht fair“.

Dabei geht es Almut Petersen nicht um Klimafahrpläne. Denn „der erzeugte Strom würde komplett in die Klimabilanz der Landeshauptstadt Stuttgart eingehen“, bestätigt eine Sprecherin der Stadtwerke Stuttgart. „Dieses Hin-und-her-Gerechne“, sagt Almut Petersen. Das sei nicht der Knackpunkt. Entscheidend sei, wer das Geld damit verdiene.

Nun kommt hinzu, dass die Gegend bereits vor ein paar Jahren als Windkraft-Standort diskutiert wurde. Allerdings hatte sich damals heftiger Widerstand gebildet. Hat sich der Wind inzwischen – beispielsweise aufgrund der Energiekrise – gedreht?

Große Energieabnehmer in Rangendingen

Sein Eindruck sei: ja. „Wir leben ja auch nicht hinter dem Mond“, sagt Manfred Haug, der Bürgermeister von Rangendingen, einer Gemeinde mit knapp 5500 Einwohnern. Der Vorstoß aus Stuttgart habe zwar erste Nachfragen aus der Gegner-Szene zur Folge gehabt, insgesamt beschreibt Haug die Stimmung in der Kommune als ruhig. „Die Gemeinde Rangendingen ist da pragmatisch.“ Man treibe zwar nicht selbst Windrad-Standorte voran. Im Außenbereich sei man mit Planungen „generell sehr zurückhaltend“.

Weil es aber mit Firmen wie Tubex und Erbe vor Ort große Energieverbraucher gibt, bleibt das Thema interessant. Man sei „aufmerksam beobachtend“. Angenommen, es ergebe sich etwas und die Gemeinde habe daneben ein Grundstück, „dann sollten wir etwas tun“, sagt Haug. Nächste Woche sind die Stuttgarter Absichten jedenfalls Thema im nicht öffentlichen Teil des Gemeinderats.

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