Energiewende in Deizisau Solarstrom für Kläranlage

Die Deizisauer Kläranlage soll eine PV-Freiflächenanlage erhalten und 41 Prozent ihres benötigten Stroms selbst produzieren. Foto: Andreas Kaier

Die Gemeinde bringt das zweite Projekt ihres PV-Masterplans auf den Weg. Die Investition in die Anlage soll sich nach knapp zehn Jahren amortisiert haben.

Der Strombedarf der Deizisauer Kläranlage wird schon bald zu rund 40 Prozent auf dem Gelände vor Ort selbst erzeugt. In Partnerschaft mit den Stadtwerken Esslingen (SWE) plant die Gemeinde eine Freiflächen-Photovoltaikanlage (PV), die optional mit einem innovativen Solarcontainer kombiniert werden kann. Das Besondere an dem Container: Die PV-Module können einzeln aus- und eingefahren werden. Dadurch ist die mobile Anlage bei Bedarf leicht abzubauen und zu versetzen. Der Gemeinderat hat am Dienstagabend bei nur einer Enthaltung grünes Licht für die öffentliche Ausschreibung der geplanten Anlage gegeben.

 

Es werden 237 000 Kilogramm Kohlendioxid eingespart

Die Zahlen, die Jörg Eckert von den SWE den Räten in der Sitzung vorgestellt hatte, machte denen die Entscheidung leicht. Mit einer Leistung von rund 500 Kilowatt Peak (kWp) kann die geplante Anlage bis zu 500 000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen. 208 000 Kilowattstunden davon, das entspricht etwa 41 Prozent des jährlich benötigten Stroms, fließen in den Eigenverbrauch, also in den Betrieb der Kläranlage. Die Überschüsse werden ins Netz eingespeist. Laut Eckert hat sich die Investition in Höhe von rund 690 000 Euro innerhalb von 9,7 Jahren amortisiert, danach wirft die Anlage sogar Gewinn ab. Doch nicht nur das: Durch die Verwendung des Solarstroms werden pro Jahr rund 237 000 Kilogramm des klimaschädlichen Gases CO2 weniger in die Atmosphäre geblasen.

Vor diesem Hintergrund und angesichts der Größe der Anlage sprach Bürgermeister Thomas Matrohs von einem „beachtlichen Projekt, das wir vorhaben“. „Wir nehmen den Klimaschutz ernst und haben mit der SWE einen kompetenten Partner an unserer Seite“, sagte der Verwaltungschef. Er machte zugleich deutlich, dass es sich bei den SWE um keinen Investor handelt, sondern die Gemeinde die PV-Anlage selbst betreibt. „Wir agieren vorbildlich und regen zum Nachahmen an“, so Matrohs weiter. Die PV-Freiflächenanlage ist Teil der so genannten PV-Masterplanung der Gemeinde Deizisau, die die Ratsrunde vor einem Jahr verabschiedet hat. Anfang des Jahres ist als erstes Projekt die PV-Anlage auf dem Dach des örtlichen Rathauses in Betrieb gegangen und erzeugt seither „unheimlich viel Strom“ für die Gemeindeverwaltung, wie Matrohs sagte.

Neben der jetzt beschlossenen PV-Freiflächenanlage mit der Option auf zusätzliche Solarcontainer, hatten zwei weitere Varianten als mögliche Alternativen im Raum gestanden. Zum einen wäre es möglich gewesen, neben den fest installierten Modulen die zusätzlichen Solarcontainer sofort aufzustellen. Das wäre aber mit 780 000 Euro deutlich teurer gekommen. Zum anderen hatte es den Vorschlag gegeben, ausschließlich auf diese mit 550 000 Euro zwar günstigeren mobilen Solarcontainer zu setzen, doch hätten die eine geringere Leistung gehabt. Die komplette Anlage wäre dafür leicht zu versetzen gewesen, etwa wenn später einmal die direkt benachbarte B 10 ausgebaut werden sollte.

Unter einer Solaranlage kann Gras wachsen

Doch das sahen die Räte als unwahrscheinlich an. „Die B 10 wird hoffentlich nie ausgebaut“, sagte beispielsweise Gerhard Knospe von der FWG. Dem Vorschlag von Manfred Nagel (FSL), die Klärbecken zu überdachen und auch mit PV-Modulen zu belegen, stand Jörg Eckert aufgeschlossen gegenüber. „Wenn man das möchte, kann man das später noch machen“, sagte er. Oliver Krüger von der CDU stimmte der Anlage zwar zu, zeigte sich aber „zwiegespalten, wenn man Grünflächen mit Solarzellen überdacht“. Eckert versicherte ihm, dass unter der Anlage Gras wachsen kann und kein „totes Brachland“ entsteht. Regine Kaufmann (LED), die sich um die Wartungsfreundlichkeit der Anlage sorgte, versicherte Eckert, dass einzelne Module auch nach 20 Jahren noch ausgetauscht werden können.

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