Engagement für Gambia Eine Krankenstation mit Wartezimmer im Freien

Es wird schon mal probegesessen im Wartebereich der Krankenstation. Foto: Alex e.V.

Seit Jahren engagiert sich Irina Kunzi-Watolla aus Leinfelden-Echterdingen für den Aufbau einer Krankenstation in Gambia. Nach mehreren Verzögerungen soll die Station nun Mitte dieses Jahres eröffnet werden.

Coronapause, Genehmigungsdschungel und dann auch noch Termitenbefall: Als Irina Kunzi-Watolla aus Leinfelden-Echterdingen im Januar die immer noch im Entstehen befindliche Krankenstation in Suwareh Kunda in Norden Gambias besucht hat, wurde sie damit konfrontiert, was die Schaben anrichten können: Von außen betrachtet sahen die Türrahmen in der Station beinahe so aus, wie sie sollten. Aber wenn man mit dem Daumen darauf drückt, merkt man, dass da nichts mehr ist, was eine Türe in der Wand halten könnte. Kurzum: die Überreste der hölzernen Rahmen sollen in Bälde durch Kunststoffrahmen ersetzt werden, und die Eröffnung der Krankenstation verschiebt sich erneut. Zwischenzeitlich war ihre Inbetriebnahme für Ende 2019 geplant, jetzt hofft Kunzi-Watolla auf einen Start Mitte 2024.

 

Schritt für Schritt soll das vonstattengehen: Zunächst soll die Apotheke eröffnen, eine Krankenschwester wird in der Station arbeiten, „und einmal pro Woche soll ein Arzt vor Ort sein“, sagt Irina Kunzi-Watolla, deren Verein Alex in acht Jahren insgesamt 140 000 Euro für die Krankenstation in Suwareh Kunda aufgebracht hat – fast drei Mal soviel wie ursprünglich geplant – und der sich mittlerweile in Liquidation befindet. Nicht der Summe wegen, sondern weil niemand gefunden werden konnte, der den ausscheidenden Vorständen nachfolgen will. Die Krankenstation in der gambischen 1200-Einwohner-Ortschaft wird an den Berliner Verein Gesundheit und Bildung Gambia übergeben, Irina Kunzi-Watolla und ihre Mitstreiter werden dort Mitglied, und in Gambia „schaut man dann mal, ob Bedarf da ist, dass ein Arzt zwei Mal pro Woche kommt“. Vorher muss die Station beschildert werden – und zwar mit Piktogrammen, weil nicht jeder der Patienten lesen können wird, aber trotzdem alle die Apotheke und die Toilette finden sollen.

Ein Wartezimmer im Freien

Es waren einige Erfordernisse zu erfüllen, seit der Verein Alex anno 2016 mit einem Startkapital von 5000 Euro den Grundstein für die Krankenstation gelegt hat: „Als Auflage von der Behörde wurde auch eine autarke Versorgung mit Wasser gefordert“, heißt es beispielsweise in Irina Kunzi-Watollas Newsletter. Also wurde ein Brunnen bis in 35 Meter Tiefe gegraben und ein 5000-Liter-Tank in fünf Metern Höhe platziert. 2022 wurde eine Solaranlage aus Deutschland verschifft. Sie kam mit neun Wochen Verspätung in Gambia an und wurde dann in Suwareh Kunda aufgebaut. Eine der bisher letzten Herausforderungen ist im Newsletter unter der Überschrift „Zielgerade“ notiert: „Um eine Betriebserlaubnis zu bekommen, müssen überdachte Plätze im Außenbereich geschaffen werden. Das ist dann das Wartezimmer“, steht neben dem Foto eines metallenen Schattenspenders.

Als „offen, herzlich und positiv gestimmt“ habe Irina Kunzi-Watolla während mehrerer Aufenthalte die Bürger des Landes im Westen Afrikas kennengelernt. Wenn etwas nicht wie geplant funktioniere, würden Gambier nicht gleich „wie das HB-Männchen die Wände hochgehen“, erzählt die 56-Jährige, die in Leinfelden-Echterdingen als Projektmanagerin arbeitet und außerdem dem Vereinsring Stetten vorsitzt. Grundsätzlich würden sich Bauprojekte in Afrika nicht von denen in Deutschland unterscheiden: „Es kommt zu Verzögerungen, und am Ende ist alles teurer als geplant.“

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