Engpässe bei den Lehrern Berufliche Schulen fühlen sich benachteiligt

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Die Gemeinschaftsschule bekommt zusätzliche Lehrer, den Berufsschulen werden sie gestrichen. Das sehen zumindest der Lehrerverband und die Opposition so. Die Regierung hält dagegen.

Bäckerlehrlinge müssen sich eventuell auf weitere Berufsschulwege einstellen. Foto: dapd
Bäckerlehrlinge müssen sich eventuell auf weitere Berufsschulwege einstellen. Foto: dapd

Stuttgart - Margarete Schaefer sieht schwarz. „Die berufliche Bildung ist im aktuellen Schuljahr massiv gefährdet“, klagt die Vorsitzende des Berufsschullehrerverbands. Die Berufsschulen sehen sich seit Jahren als Stiefkind der Bildungspolitik, doch in diesem Schuljahr ist es laut Schaefer zum ersten Mal vorgekommen, dass nicht alle freien Lehrerstellen wieder besetzt worden sind. 190 seien gesperrt worden, dabei habe sich die Überstundenbugwelle, die die Berufsschullehrer vor sich herschieben, erneut erhöht. Seit 2009 sei sie jedes Jahr um Überstunden im Ge­genwert von 200 Stellen angewachsen, inzwischen wären 2000 Stellen notwendig, um die Überstunden auszugleichen, rechnet Schaefer vor.

Neue Stellen gefordert

Von einer ordentlichen Unterrichtsversorgung, die weitere Überstunden verhindern würde, sei man weit entfernt. Nach wie vor betrage das strukturelle Defizit vier Prozent. Allein um dieses auszugleichen, wären laut Verband 700 zusätzliche Stellen notwendig. Stattdessen plant die Landesregierung, bis zum Jahr 2018 rund 1400 Stellen abzubauen. Wie stark die beruflichen Schulen außerdem von der geplanten Streichung von 11 600 Stellen zur Haushaltssanierung betroffen seien, „bleibt das Geheimnis von Finanzminister Nils Schmid“, sagt Schaefer.

Lehrstellen könnten gestrichen werden

Wenig Gefallen findet der Berufsschullehrerverband auch an der Idee, kleine ­Berufsschulklassen zusammenzulegen. Schaefer warnte davor, dass Betriebe auf die Ausbildung verzichten würden, wenn ihre Lehrlinge in weit entfernte Schulen fahren müssten.

Der Verband verlangt ein landesweites Konzept zur Entwicklung der beruflichen Schulen, bei dem Schulen, Eltern und Kammern mitreden können. Ein flächendeckendes Netz von Berufsschulen müsse erhalten bleiben, die Standorte für Bildungsgänge und Fachklassen müssten verlässlich festgelegt werden. Mindestschülerzahlen pro Klasse will der Verband nicht definieren, jedoch könnten eventuell Ausbildungen konzentriert werden, ohne dass dafür Standorte aufgegeben werden müssten.

Ministerium will so wenig Kleinklassen wie möglich

Das Kultusministerium weist die Vorwürfe als „völlig überzogen“ zurück. Die freien Stellen würden „weitgehend“ wieder besetzt. Die Lehrerversorgung entspanne sich im kommenden Schuljahr weiter. Das Ministerium rechnet an den beruflichen Schulen mit 15 000 Schülern weniger als im Vorjahr. Die Amtschefin Margret Ruep erklärt aber, angesichts des Sparzwangs wirke ihr Haus darauf hin, „dass möglichst wenige Kleinklassen gebildet werden“. Ruep spricht von 15 als Mindestschülerzahl. Auf dem Land sei ein Viertel der Klassen kleiner. „Selbstverständlich“ werde das Ministerium in jedem einzelnen Fall „sorgfältig und auch zusammen mit der Wirtschaft“ überlegen, was sinnvoll und angemessen sei. Das Bildungsangebot müsse „auch künftig erreichbar, differenziert und innovativ bleiben“, verspricht sie.

Keine Überstunden für Arbeitsmeinschaften

Beim Thema Überstunden hat das Ministerium eigene Vorstellungen. In Zukunft dürfen Überstunden nur noch angeordnet werden, wenn sie unbedingt notwendig sind. Von jetzt an dürften sie an beruflichen Schulen und Gymnasien nicht mehr für den Ergänzungsbereich, also für Arbeitsgemeinschaften und Ähnliches, eingesetzt werden, erklärte Ruep.

Die Oppositionsparteien CDU und FDP kritisieren gemeinsam, die grün-rote Landesregierung benachteilige die beruflichen Schulen zu Gunsten der Gemeinschaftsschule. Viktoria Schmid, die Expertin der CDU für berufliche Bildung, sagte, die Regierung habe die Lehrereinstellung an beruflichen Schulen „vermasselt“ und die Öffentlichkeit über die Unterrichtsversorgung getäuscht. Als Grüne und SPD in der Opposition gewesen seien, hätten sie vorgeschlagen, drei Jahre lang je 400 Lehrer zusätzlich einzustellen. Die FDP sprach von einem Standortrisiko für Baden-Württemberg.

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